Vor 1,8 Millionen Jahren
Wie der Mensch zum Beherrscher des Feuers wurde
Schon vor 1,8 Millionen Jahren hielten Vorfahren des Menschen in Südafrika Feuer in Gang. Der Nachweis gelang durch ein neues physikalisches Verfahren.
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Von Markus Brauer/KNA
„Aber der treffliche Sohn des Iapetos täuschte ihn wieder. Raubend den weithin schimmernden Schein des nimmer ermattenden Feuers in dem hohlen Rohr. Da biss in die Tiefe der Seele Zeus den Donner, und glühend ergrimmte sein liebender Busen, als er unter den Menschen den weithin schimmernden Schein des Feuers erblickte.“
So ist zu lesen in der „Theogonie“ des antiken griechischen Dichters und Geschichtsschreibers Hesiod. In dem um 700 v. Chr. entstandenen Werk schildert Hesiod die Entstehung der Welt und der Götter. Als der Titan Prometheus das göttliche Feuer stiehlt und es den Menschen, wird er zum Urheber der Zivilisation.
Nahrungsreste von Eulen als Brennmaterial
Ganz so heroisch wie in der griechischen Mythologie ist es in der Realität nicht gewesen. Wann und wie genau der erste urzeitliche Mensch das Feuer zähmte, bleibt für immer ein Geheimnis.
Doch zumindest haben Archäologen jetzt die Chronologie der Feuernutzung durch Vorfahren des heutigen Menschen vor bis zu 1,8 Millionen Jahren nachweisen und gleich um möglicherweise mehrere Hunderttausend Jahre vorverlegen können.
Laut einer Studie in der Fachzeitschrift „Plos One“ gelang der Nachweis anhand von Nahrungsresten von Eulen, die den Bewohnern der Wonderwerk-Höhle am Rand der Kalahari-Wüste als Brennmaterial dienten.
Die Forscher wandten demnach eine relativ neue Technologie an, welche ein charakteristisches Strahlungsverhalten verbrannter Knochen untersucht. Mit diesem sogenannten Lumineszenzverfahren konnten die Wissenschaftler belegen, dass die Proben aus einer Ablagerungsschicht, die auf ein Alter von 1,07 bis 1,79 Millionen Jahre datiert, zuvor Feuer ausgesetzt waren.
Vor einigen Jahren waren schon in jüngeren Schichten Spuren von Feuer entdeckt worden, allerdings mit anderen wissenschaftlichen Methoden.
Menschen trugen „gefundenes“ Feuer in die Höhle
Bei den winzigen Knochen handelte es sich um Überreste, die zusammen mit Haaren, Fell und anderem unverdaulichen Material von Eulen hervorgewürgt worden waren. Dieses sogenannte Gewölle, das den Höhlenboden in beträchtlicher Menge bedeckte, diente den Frühmenschen offenbar als Brennmaterial.
Weil die untersuchte Stätte 30 Meter vom Eingang entfernt im Höhleninnern liegt, halten die Wissenschaftler es für ausgeschlossen, dass das Gewölle sich etwa durch Buschbrände von selbst entzündet hat. Der These zufolge trugen die frühen Menschen „gefundenes“ Feuer in die Höhle und hielten es dort mit den leicht entzündlichen Gewöllen in Gang, vermutlich um Licht und Wärme zu haben.
Zähmung des Feuers kam sehr viel später
Allerdings haben die Archäologen keine Hinweise gefunden, die darauf hindeuten, dass die Menschen Feuer selbst entzünden konnten. Insofern kann von einer Zähmung des Feuers noch keine Rede sein. Ebensowenig finden sich Anzeichen für die Nutzung des Feuers zum Kochen oder Braten.
Die fortschreitende Beherrschung des Feuers ist, ähnlich wie die Entwicklung von Werkzeugen, ein wichtiger Prozess in der Menschheitsgeschichte. Unter anderem diente sie als Technik zur Jagd.
Die spätere Fähigkeit zu kochen erweiterte den Speiseplan und erleichterte die Nahrungsaufnahme bei geringerem Energieverbrauch für Kauen und Verdauung. Dies begünstigte nicht zuletzt die Entwicklung des Großhirns.
Unterschiedliche Nutzung des Feuers in der Steinzeit
Wann genau der Frühmensch Feuer systematisch für die Zubereitung von Nahrung nutzte, ist aufgrund der raren Fundlage schwer zu rekonstruieren. Oft wird angenommen, dass Feuer für das Überleben der Jäger und Sammler im eiszeitlichen Europa unerlässlich war.
Erstaunlicherweise gibt es aber kaum gut erhaltene Belege für die Nutzung von Feuer etwa aus dem kältesten Abschnitt der Eiszeit – also vor 26.500 bis vor 19.000 Jahren – in Europa.
Wie andere Forscher herausfanden, haben die Menschen in der Altsteinzeit in Europa vor 45.000 bis 10.000 Jahren das Feuer auf verschiedene Weise genutzt. „Beim Feuer ging es nicht nur darum, sich warm zu halten. Es war auch für das Kochen, die Herstellung von Werkzeugen und für gesellige Zusammenkünfte unerlässlich“, erklärt Philip R. Nigst, Archäologe an der Universität Wien, in der Fachzeitschrift „Geoarchaeology“.
Prähistorische Fundstätte in der Ukraine
„Wir wissen zwar, dass Feuer vor und nach diesem Zeitraum weit verbreitet war, aber es gibt kaum Belege aus der Zeit des Höhepunkts der Eiszeit“, sagt William Murphree, Geoarchäologe an der Universität der Algarve.
Die Forscher haben drei von ihnen entdeckte Feuerstellen an einer prähistorischen Fundstätte in der Ukraine genauer analysiert. Mithilfe einer Reihe innovativer geoarchäologischer Techniken identifizierte das Team drei einfache flache, mit Holz befeuerte Feuerstellen.
„Die Menschen kontrollierten das Feuer perfekt“
Diese Feuer erreichten Temperaturen von mehr als 600 Grad Celsius, was eine ausgeklügelte Beherrschung der Pyrotechnik selbst angesichts extremer Umweltbelastungen beweist.
Die Analyse zeigt auch, dass Menschen in der Zeit des Höhepunkts der Eiszeit Holz als Hauptbrennstoff verwendeten. Holzkohleanalysen weisen auf Fichtenholz hin. Aber auch andere Brennstoffe wie Knochen oder Fett könnten verwendet worden sein.
Alle drei Feuerstellen sind offene und flache Feuerstellen. Die Forschungsergebnisse deuten auf eine ausgeklügelte Nutzung des Feuers hin. Denn die Feuerstellen dürften in unterschiedlichen Jahreszeiten gebaut und auch unterschiedlich genutzt worden sein. „Die Menschen kontrollierten das Feuer perfekt und wussten es auf verschiedene Weise zu nutzen – je nach Zweck des Feuers“, sagt Nigst.
