WM-Abenteuer im Trikot des Heimatlands
Neben den Stuttgarter Akteuren, die für die deutsche Nationalelf gegen den Ball treten, laufen vier weitere VfB-Spieler bei der WM für ihre jeweiligen Heimatländer auf.
Von Marco Seliger
Stuttgart - Keeper Alexander Nübel, die Mittelfeldspieler Jamie Leweling und Angelo Stiller sowie Stürmer Deniz Undav wurden von Bundestrainer Julian Nagelsmann in den deutschen WM-Kader berufen. Auch Bosnien-Herzegowina, Marokko, die Schweiz und Ecuador setzen auf VfB-Spieler für die Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada.
Ermedin Demirovic Was waren das für Emotionen – Bosnien-Herzegowina war nach dem Erfolg in den WM-Play-offs gegen Italien im Ausnahmezustand. Mittendrin bei der zweiten WM-Qualifikation des Landes nach 2014: Ermedin Demirovic, der Torjäger des VfB Stuttgart. Nach dem Coup gegen die Italiener war der Angreifer beseelt vor lauter Glück. „Ihr könnt euch nicht vorstellen, was für eine Vorfreude in mir herrscht“, sagte der 28-Jährige. „Ich habe als kleines Kind von der WM geträumt. Aber ehrlich gesagt war es immer sehr weit entfernt.“ Jetzt ist die Sache ganz nah.
Seit den erfolgreichen Play-offs gegen Italien jedenfalls herrscht in Bosnien eine riesige Euphorie. Zur WM reist die Mannschaft zwar keineswegs als Favorit, aussichtslos geht sie in ihrer Gruppe aber nicht ins Rennen. Kanada, die Schweiz und Katar sind die Gegner – und schon der dritte Platz kann reichen fürs Weiterkommen ins Sechzehntelfinale. So weit will der VfB-Stürmer noch nicht denken. Für Bosnien sei die bloße Teilnahme „gefühlt der Weltmeisterschaftstitel. Wenn wir alles verlieren und uns gut geschlagen haben und die Fans damit froh sind, dann ist es für mich genauso ein Erfolg“, sagt Demirovic.
Bilal El Khannouss Die Messlatte liegt hoch für Bilal El Khannouss und seine Teamkollegen: Marokkos Nationalmannschaft will den großen WM-Erfolg von 2022 wiederholen – in Katar erreichte man das Halbfinale. Damals war der heute 22-Jährige noch nicht dabei, nun berief Nationaltrainer Mohamed Ouahbi den Offensivmann des VfB Stuttgart in seinen Kader. Marokko trifft bei dieser WM in Gruppe C auf die Rekordweltmeister aus Brasilien, Schottland und die Außenseiter-Mannschaft aus Haiti.
El Khannouss empfahl sich mit starken Auftritten beim VfB für seinen Kaderplatz und womöglich sogar für Startelfeinsätze. Im Sommer 2025 war er zunächst per Leihe von Leicester City zu den Weiß-Roten gewechselt. Nach 30 Pflichtspieleinätzen für den VfB griff für den Club aus Cannstatt die Kaufpflicht. Der Angreifer hat nun einen Vertrag bis 2030.
VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth sagte: „Bilal verfügt schon jetzt über außergewöhnliche fußballerische Fähigkeiten, gleichzeitig sehen wir bei ihm weiteres Entwicklungspotenzial und sind deshalb davon überzeugt, dass er noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen ist.“ Das sehen sie offenbar genauso bei der marokkanischen Nationalmannschaft.
Luca Jaquez Im zweiten Gruppenspiel bei der WM könnte es aus Sicht des VfB Stuttgart zu einem brisanten Duell kommen: Der Schweizer Innenverteidiger Luca Jaquez trifft auf Bosnien mit Stürmer Ermedin Demirovic – ob die beiden Profis der Weiß-Roten am Ende tatsächlich auf dem Platz aufeinander treffen, dürfte davon abhängen, ob Jaquez über seine bisherige Jokerrolle bei den Schweizern hinauskommt (Demirovic ist Teil der bosnischen Stammelf).
Dabei ist allein schon die WM-Nominierung durch Trainer Murat Yakin ein großer Erfolg für Jaquez. Im Oktober wurde er erstmals für ein A-Länderspiel berufen und kommt bisher auf zwei Einsätze für die Schweiz. Weitere Gegner der Schweiz sind Katar und Kanada.
Im Februar 2025 war Jaquez für rund sechs Millionen Euro vom FC Luzern zum VfB gewechselt. Unlängst sprach Trainer Sebastian Hoeneß seinem robusten und kampfstarken Abwehrmann ein großes Lob aus: „Ich bin sehr zufrieden mit ihm – seit seinem ersten Startelfeinsatz hat er bewiesen, dass er für uns eine richtig gute Verstärkung ist.“
Jeremy Arévalo Im November durfte Jeremy Arévalo sein erstes Länderspiel für Ecuador bestreiten – nun ist der Offensivmann des VfB Stuttgart für die WM berufen. Ecuador trifft in der Gruppenphase auf die Elfenbeinküste, Curacao und Deutschland (am 25. Juni). Bisher kam Arévalo bei seinen inzwischen drei absolvierten Länderspielen insgesamt auf sieben Einsatzminuten – wahrscheinlich also ist es, dass er im Duell mit der DFB-Elf im letzten WM-Gruppenspiel in New Jersey wenn dann als Joker von der Bank kommen wird.
Es ist eine Gemengelage, die der 21-Jährige vom VfB gut kennt. Dort kam der im Winter für sieben Millionen Euro vom damaligen spanischen Zweitliga-Spitzenreiter Racing Santander verpflichtete Angreifer (Vertrag bis 2030) im Bundesligajahr 2026 auf nur 32 Einsatzminuten.
Allerdings: in der dritten Liga, beim VfB II, erzielte der Ecuadorianer in vier Spielen fünf Tore. Gegen Rot-Weiß Essen vor ein paar Wochen schnürte er sogar einen Dreierpack – und empfahl sich so final für seine WM-Nominierung.
