WM-Perspektiven: Man spricht Spanisch

WM-Perspektiven: Man spricht Spanisch

Von Carlos Ubina

New York - Es hätte ja alles so schön sein können. Als USA-und-Kanada-Neuling haben wir in den vergangenen beiden Wochen ja schon das eine oder andere Aufregende erlebt. Und obwohl uns die zahlreichen Zeitzonen dieser WM den Schlafrhythmus geraubt haben, war die Vorfreude groß – auf die Stadt, die niemals schläft.

Nach Stationen in Winston-Salem (idyllisches Teamquartier), Houston (seelenlose Stadt) und Toronto (lässige Metropole) ging es zum Finale der Vorrunde für das deutsche Team nach New York. Wie gesagt, wir waren diesbezüglich unbedarft – logisch also, welcher Gassenhauer uns in den Sinn kam beim imposanten Landeanflug auf den städtischen Flughafen La Guardia.

„Ich war noch niemals in New York“. Sang einst erst Udo Jürgen, dann schmetterte es Dieter Thomas Kuhn. Wir singen das jetzt nicht mehr. Wir kennen nun die Freiheitsstatue, Manhattans Skyline und den mächtige Hudson-River – zumindest aus der Luft.

Erst gelandet, hat uns die Dimension der Metropole dann in voller Bandbreite gepackt. Das Gewusel an Menschen, die sich durch das Labyrinth an Straßen drängen; die unendlichen Weiten des Bahn- und Busnetzes, das sich wie ein Spinnennetz über die Stadt zieht; das Sprachengewirr, das sich Downtown eröffnet. Apropos Sprache: Gutes Schulenglisch hilft beim Essen im Big Apple bestellen, ein amerikanischer Einschlag in der Aussprache schadet an der Bar zumindest nicht. Überraschend aber war: Am besten kommt man vorwärts, wenn man Spanisch spricht. Wobei wir schon wieder bei der Musik wären.

Stings Hit „Englishman in New York“, der einen distinguierten Landsmann des britischen Musikers mit seinen Neigungen in der Stadt beschreibt, ist ein einfühlsamer Song. Muss an dieser Stelle aber umgeschrieben werden. In: „Spanishman in New York“. Südländischer Teint, reichlich Gel im Haar und fließendes Spanisch – da regen sich bei Passanten, Fifa-Mitarbeitern oder Uber-Fahrern doch Zweifel, ob man tatsächlich aus Good old Germany angereist ist. Okay, der Hinweis auf den spanischen Pass klärt auf – und lässt die ausgesprochene Höflichkeit in warme Herzlichkeit umschlagen.

New York war also eine Reise wert. Wenn da nur dieser Kick gegen die – ebenfalls Spanisch singenden – Ecuadorianer nicht gewesen wäre. 1:2 ging das deutsche Team baden. Weshalb der Bundestrainer Julian Nagelsmann nun womöglich ein paar schlaflose Nächte hat. Obwohl er längst wieder abgereist ist. Aus der Stadt, die niemals schläft.

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Erstellt:
26. Juni 2026, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
27. Juni 2026, 00:00 Uhr

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