Lust auf Begegnung und Raum für Neues

Hans Joachim Stein freut sich auf seine neuen Aufgaben als geschäftsführender Pfarrer in Murrhardt – Familie zieht ins Pfarrhaus

Für Pfarrer Dr. Hans Joachim Stein und seine Familie ist es ein Neuanfang. In ein paar Wochen wird er mit seiner Frau und den fünf Kindern nach Murrhardt umziehen. Bisher hat er in Beilstein-Billensbach gewirkt. Nun bot sich mit Auslaufen seiner Stelle dort ein Wechsel an, und er ist gespannt auf sein neues Aufgabenfeld und die Murrhardter.

„Der eigentliche Schatz in der Gemeinde sind die Menschen“, sagt Hans Joachim Stein. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT.Hans Joachim Stein ist im Westerwald geboren und im Rheinland in der Nähe von Siegen aufgewachsen. In jungen Jahren wusste er noch nicht, dass er seinen Berufsalltag einmal mit Predigten und Begleitung von Kirchengemeinden bestreiten würde. „Ich hab nach dem Abitur erst einmal eine Banklehre gemacht“, erzählt er. Seine Zeit als Zivildienstleistender setzte ihn dann ein Stück weit auf die Spur. Auf der Nordseeinsel Borkum war er in einer CVJM-Freizeitstätte tätig, und es entstand der Gedanke, ob nicht auch ein Theologiestudium eine Option sein könnte. Die menschliche Verantwortung als Pfarrer und Theologe ließ ihn zunächst zögern. Aber die Menschen, mit denen er sich in der Sache besprach, machten ihm Mut – und argumentierten, dass sich die Lebenserfahrung während der Ausbildung ebenso entwickele und man in den Beruf hineinwachsen könne. Hans Joachim Stein hat seinen Wunsch in die Tat umgesetzt, studierte Theologie in Bonn, München und den USA. Es folgten das Vikariat, ebenfalls in Bonn, und der sogenannte unständige Dienst in Bergisch Gladbach. „Ich war gleichzeitig noch an der Hochschule in Wuppertal, weil ich dort promoviert habe“, erzählt er. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Abendmahlsfeier im frühen Christentum, untersuchte verschiedene Quellen, unter anderem auch Bilder. „Das war spannend, man merkt, wie sich die Dinge verändert haben.“

Auch seine Frau Frauke hatte dasselbe Berufsziel und wurde Pfarrerin. Doch als dann die Bewerbung auf eine feste Anstellung anstand, gab es im Rheinland so gut wie keine Stellen mehr beziehungsweise weit über 100 Mitbewerber auf wenige Positionen. Also hieß es, sich umzuschauen, und es fiel die Entscheidung für einen ganz neuen Wirkungsort: Beilstein-Billensbach. „Schon die erste Begegnung war sehr positiv, und wir haben gesagt, die Menschen freuen sich auf uns, da gehen wir hin.“ Der Hintergrund: Die Stelle dort war bereits über zwei Jahre vakant. Die Entscheidung erwies sich als richtig, mittlerweile sind es zehneinhalb Jahre, die Hans Joachim Stein dort Pfarrer ist.

Der Dienst für die Gemeinde und das Projekt Familie, fast möchte man sagen Großprojekt, laufen parallel. Heute haben Frauke und Hans Joachim Stein fünf Kinder – Paula (12), Jonathan (10), Dominik (8), Luise (6) und Sophie (3). Allerdings sah der Pfarrplan auch dort Einschnitte vor und Steins Stelle läuft nun aus. Schon länger steht deshalb die Notwendigkeit im Raum, sich von Billensbach zu verabschieden und über die Zukunft zu entscheiden.

Spannendes, neues Arbeitsfeld und eine Stadt mit viel Natur

„Wir dachten, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, auch wegen der Kinder. Je älter sie werden, desto schwieriger wird ein Umzug.“ Auch wünschte sich das Ehepaar etwas mehr Infrastruktur, wie Stein sagt. Im Vergleich zu Billensbach („ein kleines Dorf mitten im Weinberg“) ist Murrhardt doch schon größer, bietet aber die Möglichkeit, in unmittelbarer Umgebung auf Wanderungen in die Natur einzutauchen. „Diese Mischung hat uns einfach sehr angesprochen.“

Entscheidend für Hans Joachim Stein war natürlich auch das künftige Arbeits- und Wirkungsfeld. Die Stelle hält neue, spannende Inhalte und Herausforderungen bereit: die Verantwortung als geschäftsführender Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Murrhardt, für die Kindergärten, die Bauprojekte und eine professionell gestaltete Kirchenmusik mit einer breit aufgestellten (Kinder-)Chorarbeit von Kantor Gottfried Mayer. Auf die Frage, ob es im Beruf Bereiche gibt, die ihm besonders am Herzen liegen, nennt der 49-Jährige zwei Punkte. „Ich feiere gerne Gottesdienste, und es macht mir Freude, gemeinsam mit Menschen neue Projekte zu entwickeln.“ Als Beispiel für Letzteres nennt er, dass aus der Überlegung heraus, eine neue Form für Zusammenkünfte jenseits der üblichen Feste zu finden, in der Gemeinde Billensbach gemeinsame Wanderungen entstanden sind. „Wir sind Pilgerwege gegangen, es gab einen geistlichen Impuls, und man war einfach zusammen unterwegs“, erzählt Stein. Als spezifische Form gab es eine Wanderung in der Osternacht, bei der zum Abschluss alle Kerzen in der Kirche angezündet haben. „Da waren gar nicht mehr viele Worte nötig.“

In diesem Sinne möchte Hans Joachim Stein einfach auf die Menschen zugehen, wünscht sich, miteinander ins Gespräch zu kommen, um dann zu sehen, was sich daraus entwickeln kann. Es gebe jedenfalls kein Programm, das er durchziehen wolle. „Ein Wunsch des Kirchengemeinderates war auch, dass die Bauprojekte letztlich nicht alle Kraft binden“, sagt er. „Ich finde das auch wichtig, weil der eigentliche Schatz in der Gemeinde die Menschen sind.“ Zu denen gehören auch die Kollegen, und Stein freut sich auf die Zusammenarbeit mit Pfarrer Achim Bellmann. Er ist froh, den Berufsalltag nicht ganz allein mit sich ausmachen zu müssen, freudige und frustige Erlebnisse auch mal teilen zu können, genauso wie selbst zu unterstützen.

Was macht den Beruf als Pfarrer aus, was macht ihn immer noch wertvoll für ihn? Stein muss nicht lange über die Antwort nachdenken. „Die Möglichkeit, Menschen in ganz unterschiedlichen Situationen und Lebensphasen zu erleben und zu begleiten“, sagt er, „also das Menschsein mit all seinen Höhen und Tiefen“ – von der Geburt über Konfirmation, Hochzeit bis hin zu Tod beziehungsweise Abschied und Trauer. Auch aus dem Grund, nicht nur einen kleinen Ausschnitt – beispielsweise bei einer Anstellung in der Schule – mitzubekommen, hat er sich für den Pfarrberuf entschieden.

Bevor er dazu in Murrhardt durchstartet, gilt es erst einmal, den Umzug ins Pfarrhaus zu stemmen. Wenn alles nach Plan läuft, nimmt Hans Joachim Stein Mitte November seine Arbeit als geschäftsführender Pfarrer auf. Die Investitur wird am ersten Advent stattfinden. „Der Termin steht“, sagt er mit einem Lächeln.