Traditionsunternehmen Gampper schließt

Der Murrhardter Hersteller für Sanitäranlagen stellt bis Ende Juni seine Produktion ein. Rund 40 Mitarbeitern wird gekündigt, die eigene Marke Nil ist bereits verkauft. Als Gründe nennt der Geschäftsführer hohe Produktionskosten in Deutschland und die schwierige Lage am Weltmarkt.

Die Produktion des Murrhardter Unternehmens Gampper wird eingestellt, die Firma wird liquidiert. Archivfoto: Firma Gampper

Die Produktion des Murrhardter Unternehmens Gampper wird eingestellt, die Firma wird liquidiert. Archivfoto: Firma Gampper

Von Kristin Doberer

Murrhardt. Seit 1925 produziert das Unternehmen Gampper in Murrhardt verschiedenste Produkte für den Sanitärbereich. Sein 100-jähriges Bestehen wird das Unternehmen aber nicht mehr feiern können, denn die Produktion wird in den kommenden Monaten eingestellt, das teilt Geschäftsführer Mathias Gampper nun mit. „Wir werden die Produktion stilllegen und die Firma liquidieren“, berichtet er. „Ziel war es, die Insolvenz zu vermeiden“, erklärt Gampper. Diese wäre aber vermutlich im Lauf des Jahres ansonsten unvermeidlich gewesen.

Bis Ende Juni soll nun ausproduziert werden. Das heißt, dass es keinen plötzlichen Stillstand im Werk geben soll, sondern dass die bestehenden Aufträge noch abgearbeitet werden und die Produktion gezielt ausläuft. „So können wir alle Verbindlichkeiten gegenüber Mitarbeitern, Kunden und der Bank einhalten“, sagt Gampper. Möglich wird das unter anderem dadurch, dass das Unternehmen die Rechte an seiner Eigenmarke Nil – und damit auch das Know-how der vergangenen Jahrzehnte – verkaufen konnte.

Etwa 40 Mitarbeitern wurde nun gekündigt

Rund 40 Mitarbeiter sind nun von der Schließung des Unternehmens betroffen. Diese seien bereits informiert worden, die Kündigungen seien fristgerecht an die Mitarbeiter rausgegangen. Zum Teil reiche die Kündigungsfrist auch noch über das Produktionsende hinaus, diese Mitarbeiter werden ab dann bis zum Ende ihres Vertrags freigestellt. Der Geschäftsführer ist sich sicher, dass gerade die Jüngeren in dieser Zeit eine neue Anstellung finden werden. Ihm sei aber trotzdem bewusst, wie schwer die Situation besonders für die langjährigen Mitarbeiter ist, die zum Teil seit 25 Jahren im Unternehmen tätig sind. „Wir haben wirklich alles versucht, um das abzuwenden. Aber wir müssen realistisch bleiben. Und die Sanitärbranche leidet allgemein gerade extrem“, erklärt Gampper zu den Gründen für die Liquidierung.

Dazu komme, dass die Armaturenspezialisten aus Murrhardt in der Branche zu den sehr kleinen Spielern gehören. Und diese seien eben diejenigen, die meist zuerst aufgeben müssen, wenn eine ganze Branche wirtschaftliche Probleme bekommt.

Bereits in den vergangenen Jahren sei es nicht sehr gut gelaufen für das Unternehmen, Gründe dafür gibt es mehrere. Unter anderem nennt der Geschäftsführer die extrem hohen Energie- und Produktionskosten. „Die vergangenen drei Jahre hat sich das zugespitzt; die Energiekosten haben sich verdreifacht.“ Und im Gegensatz zu anderen aus der Branche produzierte das Unternehmen komplett in Deutschland.

Krise des Weltmarktes auch eine Ursache für Insolvenz

Noch dazu hängt die Sanitärbranche eng mit der Baubranche zusammen, die gerade allgemein in einer Krise steckt. Das habe noch zu der aktuell angespannten Lage auf dem Weltmarkt beigetragen. Denn das Murrhardter Unternehmen hat seine Ware auch ins Ausland verkauft – viel abgenommen wurde allerdings aus Israel. Seitdem die Lage dort im Oktober eskaliert ist, seien die Aufträge drastisch zurückgegangen. „Es kommen schon noch Aufträge rein, aber die reichen bei Weitem nicht, um weiter existieren zu können“, so Mathias Gampper.

Außerdem habe das Unternehmen in den vergangenen Monaten auch noch große Personalprobleme bekommen. Gleich in mehreren Führungspositionen gab es langfristige Ausfälle beziehungsweise konnten schlicht keine passenden Mitarbeiter für die jeweiligen wichtigen Leitungsstellen gefunden werden. „Wichtige Schlüsselpositionen waren unbesetzt“, so Gampper. Und ohne diese aus der wirtschaftlich ohnehin schwierigen Lage zu kommen, sei dann einfach nicht machbar gewesen.

Was aus dem Betriebsgelände in der Murrhardter Fichtestraße sowie aus den Produktionsmaschinen vor Ort wird, das stehe noch nicht fest. Zunächst liege das Augenmerk auf einer sauberen Abwicklung der Liquidierung, sagt Mathias Gampper. „Wir arbeiten aktuell noch die letzten Aufträge ab.“ Sowohl die Zulieferer als auch die Kunden seien aber bereits über die Einstellung der Produktion informiert. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, betont der Geschäftsführer. Nun soll in den kommenden Wochen die Liquidierung sauber abgewickelt werden. „Wir wollen das vernünftig und mit Plan hinbekommen.“

Das Unternehmen Gampper

Historie Gegründet wurde das Unternehmen 1925 von Friedrich Gampper, zunächst mit der Produktion von Tariergewichten. Bereits 1928 stieg das Unternehmen dann in die Entwicklung und Produktion von Armaturen für den Sanitärbereich ein. Seitdem gibt es auch die Eigenmarke Nil, deren Produktspektrum über die Jahre immer weiter ausgebaut wurde. 1982 wurde Harold Gampper Geschäftsführer und leitete das Unternehmen bis zu seinem Tod im Jahr 2013. Im Jahr darauf fand unter Klaus Renz eine Umfirmierung der Friedrich Gampper KG in Friedrich Gampper GmbH&Co. KG statt; die Harold-Gampper-Stiftung wurde gegründet. Seit 2018 ist Mathias Gampper geschäftsführender Gesellschafter im Bereich Vertrieb.

Produkte Produziert wurden alle im Sanitärbereich gefragten Armaturen und Ventile sowie das dazugehörige Zubehör. Dazu gehören unter anderem WC-Druckspüler, Eckventile, Geräteventile, frostsichere Auslaufarmaturen, Verschraubungen, Verbindungsschläuche, Quetschverschraubungen, Durchgangsventile und Fußsprühanlagen.

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Erstellt:
6. Mai 2024, 06:00 Uhr

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