Projekt Rüttelstreifen ist gescheitert

Ungewollte Geräusche konnten zwar deutlich gemildert werden, Unfälle haben sich aber im Allgemeinen nicht verringert

Zuerst wurden sie als Ruhestörer angemahnt, Bürger beschwerten sich im Großerlacher Rathaus über die auf der B14 (Sulzbacher Steige) angebrachten Rüttelstreifen. Seitens des Landratsamts reagierte man und ließ die Markierungen abfräsen (wir berichteten). Nun ist es merklich ruhiger geworden. Aber die Zahl der Unfälle hat sich laut Polizei nicht verringert. Das Projekt wird nicht weitergeführt, die Rüttelstreifen bleiben aber bestehen.

Die Rüttelstreifen sollen in erster Linie schwere Verkehrsunfälle verhindern. Zuerst sorgten die Strukturmarkierungen jedoch für Unruhe und Lärm, nachdem sie abgefräst wurden, gibt es keine Beschwerden mehr. Allerdings sorgen die Markierungen nicht für den erwünschten Erfolg: Abgebremst wird trotzdem nicht. Foto: J. Fiedler

Von Yvonne Weirauch

GROSSERLACH. „Um die Rüttelstreifen ist es sprichwörtlich ruhig geworden“, sagt Großerlachs Bürgermeister Christoph Jäger, und scheint sichtlich beruhigt zu sein, dass das Thema Lärm vom Tisch ist: „Das ungewollte Geräusch konnte durch die Nacharbeit deutlich gemildert werden. Bisher gab es keinerlei Beschwerden mehr über eine Belästigung.“

Auf ausgewählten Strecken im Landkreis wurden im vergangenen Jahr sogenannte Rüttelstreifen angebracht, unter anderem auch auf der Sulzbacher Steige (B14). Die Strecke ist auffällig in der Unfallstatistik für Motorräder und als Hotspot für illegale Rennen bekannt. Rüttelstreifen sind Strukturmarkierungen, die beim Überfahren eine spürbare Vibration des Reifens verursachen. Im Allgemeinen werden vor Kurven jeweils fünf Rüttelstreifen quer zur Fahrbahn angebracht, in Kurvenbereichen wird die Markierung als durchgezogene Linie auf dem Mittelstreifen befestigt. Die Mittelmarkierung soll verhindern, dass Fahrzeuge die Kurve schneiden.

Lediglich in den ersten Wochen bremsten Verkehrsteilnehmer ab

Bei den Großerlacher Bürgern kam die Maßnahme gar nicht gut an, da die Streifen einerseits die Raser nicht beeindruckten, zum anderen zusätzlich für Lärm sorgten – Tag und Nacht (wir berichteten). Es hagelte rege Kritik, die vor allem das Rathaus erreichte. Bürgermeister Christoph Jäger hatte relativ kurz nach Anbringung der Rüttelstreifen einen ersten Erfahrungsbericht an das Landratsamt geschickt.

Der Bürgermeister regte zudem an, die Streifen zumindest in Ortsrandlage wieder zu entfernen. Die Rückmeldung aus dem Landratsamt kam schnell: Es handelt sich um einen Pilotversuch – weil eben bisher entsprechende (offizielle) Erkenntnisse fehlten. Das Straßenbauamt handelte Anfang September: Die Strukturmarkierungen wurden zum größten Teil abgefräst, sodass die Anregung des Reifens und damit die Geräuschentwicklung nur noch minimal sind. Die optische Wirkung der Streifen für den Auto- und Motorradfahrer blieb dabei unverändert. Seitdem sei beim Straßenbauamt auch keine Beschwerde mehr wegen Lärmbelästigung eingegangen.

Im Herbst vergangenen Jahres hieß es aus dem Landratsamt, man warte das Ende der Motorradsaison noch ab, um einen stichhaltigen Erfahrungsbericht abgeben zu können. Das Ergebnis liegt nun vor: „Die Rüttelstreifen haben leider nicht dazu geführt, dass Motorradfahrer durchgehend die zulässige Geschwindigkeit einhalten. Lediglich in den ersten Wochen nach Anbringung der Streifen fuhren Motorradfahrer im Schnitt langsamer. Auch die Zahl der Unfälle im Verhältnis zu den Fahrzeugzahlen hat sich laut Polizei nicht messbar verringert“, heißt es.

Der Pilotversuch zielte darauf ab, diejenigen Motorradfahrer zu erreichen, die bewusst die Verkehrsregeln missachten. Für diese sollte der Streckenabschnitt unattraktiver werden.

Das Straßenbauamt hat über einen Zeitraum von fünf Monaten Messungen entlang der Strecken durchgeführt, um Erkenntnisse über die Wirkung von Rüttelstreifen zu gewinnen. Ein Teilerfolg sei aber erkennbar: Bei nasser Witterung konnten während der ganzen Zeit des Monitorings geringere Geschwindigkeiten als vor Anbringung der Rüttelstreifen festgestellt werden. Da bei regennasser Fahrbahn das Unfallrisiko für Zweiräder deutlich höher ist, könne man diesen anhaltenden Effekt als Teilerfolg werten. „Wir haben etwas Innovatives versucht, das mit vertretbarem Aufwand umzusetzen war“, so Landrat Richard Sigel. „Das zeigt, dass uns das Thema sehr am Herzen liegt. Auch wenn der durchschlagende Erfolg leider nicht erreicht werden konnte, bleiben wir weiter an dem Thema dran.“

Das Pilotprojekt hatte also im Ergebnis nicht den erhofften Erfolg. Aus diesem Grund wird das Projekt nicht weitergeführt. Da die Rüttelstreifen bei nasser Fahrbahn laut Landratsamt einen gewissen geschwindigkeitsdämpfenden Effekt gezeigt haben, verbleiben sie auf den Pilotstrecken und werden nicht zurückgebaut.

Dort sind sie dem natürlichen Verschleiß durch Verkehr und Winterdienst preisgegeben, was den Verkehr nicht gefährdet. Das Straßenbauamt bleibt laut Landratsamt weiter an dem Thema dran und sucht nach einer Lösung.