Stiftung garantiert unabhängige Zukunft

Sondermaschinenbauer widerstand allen Kaufangeboten von Konzernen und sichert so Unternehmen und Arbeitsplätze

Harro Höfliger, Gründer des gleichnamigen Spezialanlagenbauers, hat seine Unternehmensanteile in eine Familienstiftung überführt. Mit diesem Schritt hat er den Generationenwechsel erfolgreich abgeschlossen und zudem die Weichen dafür gestellt, dass das mittelständische Unternehmen seine Eigenständigkeit auch in Zukunft bewahren kann.

Ein Patriarch im besten Sinne: Unternehmensgründer und Vorzeigeunternehmer Harro Höfliger.Firmenfoto

ALLMERSBACH IM TAL (pm/red). 1975 gründete Höfliger, damals 42, mit seiner Frau Marianne die Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH. Schon die Gründerjahre verliefen positiv, bereits 1978 wurden eigene Räumlichkeiten in Allmersbach bezogen. Hier ist auch heute noch der zentrale Entwicklungs- und Produktionsstandort beheimatet. Harro Höfliger: „Eigentlich wollten meine Frau und ich damals ein Unternehmen von überschaubarer Größe aufbauen, ein Unternehmen, das wir beide gemeinsam mit unserem Partner Manfred Reiser als technischem Leiter führen können.“ Ohne Reiser wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen, sagt der allgemein sehr geschätzte Unternehmer. Dass man heute über 700 Mitarbeiter zählt und weltweit mit eigenen Niederlassungen einen Jahresumsatz von über 120 Millionen Euro erzielt, sei nie das Ziel gewesen. „Aber wie es nun gekommen ist, ist es auch nicht schlecht“, schmunzelt Höfliger im Stil des erfolgreichen Schwaben.

Kundenseitig war Höfliger zunächst überwiegend im Nahrungsmittelsektor tätig, heute sind die medizintechnische und die pharmazeutische Industrie die Hauptabnehmer.

Auch bei der Berufsausbildung junger Menschen hat das Unternehmen einen hervorragenden Namen. Es sieht in gut ausgebildeten, qualifizierten Mitarbeitern einen ganz wesentlichen Beitrag zum unternehmerischen Erfolg.

Deshalb wird bei Höfliger systematisch und nachhaltig ausgebildet. Regelmäßig erhalten Höfliger-Azubis IHK-Auszeichnungen. Seit 1981 haben über 250 Menschen ihre Ausbildung bei Höfliger erfolgreich abgeschlossen und sind größtenteils noch in der Firma tätig. Viele verantwortungsvolle Positionen sind mit Eigengewächsen besetzt. Derzeit gibt es 72 Auszubildende – das entspricht einer Ausbildungsquote von über 10 Prozent. Neben den Ausbildungsberufen Industriemechaniker, Mechatroniker, Elektroniker, Automatisierungstechniker und Zerspanungsmechaniker bietet Höfliger auch die Möglichkeit zum Studium an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und im Rahmen des Ulmer Modells.

Bereits Ende der Achtzigerjahre machte sich Harro Höfliger Gedanken über die Zukunft seines Unternehmens. Sollte er es an einen größeren internationalen Konzern verkaufen? Angebote hierfür gab es immer wieder. Doch er entschied sich für die Suche nach einer geeigneten Nachfolgemannschaft: „Meine Zielsetzung war es, kreative und hoch qualifizierte Mitarbeiter aufzubauen (...) und langfristig zu halten. Als unabhängiges Unternehmen waren wir immer erfolgreich und konnten individuell und schnell auf Einflüsse reagieren. Zu keiner Zeit wurde uns von außen aufoktroyiert, wie wir zu arbeiten hatten. Nie waren wir von kurzfristigem Gewinnstreben getrieben, sondern konnten unsere langfristigen Zielsetzungen zusammen mit unseren Mitarbeitern verfolgen.“

2001 war es dann so weit, das Nachfolgeteam mit Thomas Weller, Markus Höfliger und Peter Claußnitzer wurde in die Geschäftsleitung berufen. 2008 wurde die Führungsmannschaft noch um Uwe Amann und Heinrich Havenstein ergänzt. Entsprechend der Vision von Harro Höfliger erhielt die Folgemannschaft Zug um Zug auch Unternehmensanteile: „Damit haben auch meine Nachfolger etwas am Unternehmen, sehen langfristige Perspektiven und wissen, wofür sie arbeiten und Leistung einbringen können.“

Um das Unternehmen langfristig zu sichern, freundete sich Höfliger zunehmend mit dem Gedanken an, seine Anteile in eine Familienstiftung einzubringen. Zweck der Stiftung: Erhalt und der weitere Aus- und Aufbau des Unternehmens zur langfristigen Sicherung der Arbeitsplätze und die Eigenständigkeit der Firma.

Es war eine lange Zeit vom ersten Gedanken bis zur Umsetzung. Warum? Harro Höfliger: „Ich dachte immer, Sondermaschinen zu bauen, ist schwierig. Doch das ist nichts im Vergleich zu dem, was ich in dieser Situation erleben musste. Die richtigen Nachfolger zu finden, das war ja das eine. Aber dann bei unserer komplexen Steuergesetzgebung auch noch eine tragfähige Lösung zum Generationenübergang hinzubekommen, das schien zunächst unlösbar.“

Mit der Stiftungsgründung denkt der Unternehmer, der im April 76 Jahre alt wird, noch lange nicht ans Aufhören. „Solange es mir gesundheitlich gut geht, mache ich weiter. Ob und wie lange das ist, wird die Zukunft bringen. Mir macht es jeden Tag Freude, in mein Unternehmen zu gehen. Zugegebenermaßen bin ich jetzt auch wirklich erleichtert, dass es uns gelungen ist, den Wechsel abzuschließen. Meine Nachfolger sind schon lange im Geschäft und führen das Unternehmen unverändert erfolgreich. Meine Unternehmensanteile sind nun in trockenen Tüchern.“

Kenner wissen, dass eine solche Geschichte nicht alltäglich ist. Viele Familienunternehmen scheitern an dem Versuch, das Unternehmen erfolgreich in die nächste Generation zu führen. Sei es, dass die Eigentümer zu spät mit der Suche nach einer geeigneten Lösung beginnen oder dass sie nicht die richtigen Nachfolger finden. Dann bleibt häufig nur noch der Schritt des Unternehmensverkaufs. Nicht so bei Höfliger.