Unternehmen aus Ditzingen
2,9 Millionen Maultaschen am Tag: Bürger investiert 70 Millionen Euro
Das Familienunternehmen Bürger aus Ditzingen investiert 70 Millionen Euro – vor allem auch in die Maultaschen-Produktion. Was steckt hinter der „Attacke Deutschland“?
© Maik Goering
Produktion bei Bürger: Maultaschen am laufenden Band
Von Imelda Flaig
Das schwäbische Familienunternehmen Bürger mit Stammsitz in Ditzingen bei Stuttgart produziert pro Tag rund 2,9 Millionen Maultaschen – das entspricht aneinandergereiht einer Strecke von etwa 114 Kilometern und mehr als 3700 Lkw-Ladungen im Jahr – und das Ende der Fahnenstange ist längst nicht erreicht. Der Lebensmittelhersteller will kräftig investieren.
„Wir glauben an Deutschland als Produktionsstandort – und an Baden-Württemberg als unsere Heimat und Stärke“, sagt Martin Bihlmaier, der das Familienunternehmen in dritter Generation führt. Man sehe weitere Absatzchancen in Deutschland, sagt der Bürger-Chef.
Ausbau der Produktion und eine eigene Metzgerei
„Mein Ziel ist es, die Maultasche in der ganzen Republik bekannt zu machen“, sagt er – ein Motto, das intern scherzhaft „Attacke Deutschland“ genannt wird. Die Maultasche sei so vielseitig im Geschmack wie in den Zubereitungsvarianten, schwärmt Bihlmaier. Das Sortiment umfasst rund 50 Varianten – von klassische bis zu Thai-Maultaschen.
In den kommenden drei Jahren sollen über 70 Millionen Euro in den Ausbau der Produktionskapazitäten fließen. In Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall) sollen vier neue Produktionslinien, eine eigene Metzgerei, eine Zentralkantine sowie ein neues Verwaltungsgebäude entstehen. Nach der Inbetriebnahme eines 57 Millionen teuren Logistikzentrums 2024 hat man sich dort 2025 zusätzliche 10.000 Quadratmeter Fläche gekauft.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 ist Bürger weiter gewachsen. Der Umsatz mit Maultaschen, Spätzle, Schupfnudeln, Gnocchi und anderer Pasta kletterte von 304 Millionen (knapp drei Prozent) auf 312,8 Millionen Euro. Der Absatz stieg um rund vier Prozent auf 101.610 Tonnen. Täglich produziert das Unternehmen mehr als 405 Tonnen Lebensmittel.
Trotz anhaltender wirtschaftlicher Herausforderungen und deutlich gestiegener Rohwarenkosten – allen voran Eier – konnte Bürger seine Position als nationaler Marktführer für gekühlte Teigwaren nach eigenen Angaben weiter ausbauen. Bihlmaier sprach von einem „soliden Geschäftsjahr“. Ergebniszahlen nennt das Unternehmen traditionell nicht. Man investiere weiter, weil man langfristig denke und weitere große Absatzchancen in Deutschland sehe.
Zwei Drittel des Umsatzes macht Bürger mit dem Lebensmitteleinzelhandel, 34 Prozent entfallen auf das Geschäft mit Großküchen, ausgewählten Industriekunden, der Hotellerie und Gastronomie. Die breite Aufstellung sorge für Stabilität und gezieltes Wachstum. Bürger produziert an den beiden Standorten Ditzingen und Crailsheim und hat gut 1300 Beschäftigte.
Familienunternehmen in dritter Generation
UrsprüngeSeit über 90 Jahren produziert das 1934 von Richard Bürger in Stuttgart-Feuerbach gegründete Unternehmen regionale und überregionale Teigwaren-Spezialitäten. Begonnen hatte alles mit Rezepten für Mayonnaise und Salate.
Familie Erwin Bihlmaier stieg 1947 ins Unternehmen ein und brachte als kaufmännischer Kopf neuen Schwung. 1961 übernahm er die Führung und übergab 1976 an seinen Sohn Richard Bihlmaier. Der sammelte erst Auslandserfahrung in den USA, bevor er 1961 bei Bürger einstieg und später übernahm. Seit 2008 führt Martin Bihlmaier das Unternehmen in dritter Generation. Unter seiner Leitung wurde Bürger Marktführer für Maultaschen.
Maultaschen1963 begann Bürger mit der Produktion von Maultaschen, ein Jahr später entwickelte Richard Bihlmaier die erste Maultaschen-Maschine.
