Alkoholvergiftung

5,5 Promille Alkohol und man lebt noch – wie geht das?

Experten sind sich einig: Einen risikofreien Alkoholkonsum gibt es nicht. Bei vielen galt Alkohol in Maßen lange als gesundheitsfördernd. Doch das stimmt nicht. Zu viel Hochprozentiges führt schnell in die Sucht und kann tödlich enden.

Bei einem Verdacht auf eine Alkoholvergiftung gilt: Lieber einmal zu oft den Notruf 112 wählen als einmal zu selten (gestellte Szene).

© Marcus Führer/dpa

Bei einem Verdacht auf eine Alkoholvergiftung gilt: Lieber einmal zu oft den Notruf 112 wählen als einmal zu selten (gestellte Szene).

Von Markus Brauer

In Trier ist ein Mann mit mehr als fünfeinhalb Promille gemessenem Atem-Alkohol in eine Klinik eingeliefert worden. Beamte trafen den augenscheinlich hilflosen Mann am Sonntag (7. Juni) am Boden liegend vor dem Bahnhof an, wie die Polizei in der rheinland-pfälzischen Stadt am Montag (8. Juni) mitteilte. Er habe lautstark „Hilfe Polizei“ gerufen.

Ein freiwilliger Atem-Alkoholtest habe einen Wert von 5,55 Promille gegeben. Einsatzkräfte des Rettungsdiensts brachten ihn umgehend ins Krankenhaus. Schon ab Werten von etwa drei Promille kann Alkoholkonsum lebensgefährlich sein und unter anderem zu Kreislaufversagen, Bewusstlosigkeit bis hin zum Koma führen.

Welche Folgen hat Alkohol?

  • 0,1 bis 1,0 Promille: gehobene Stimmung, Wohlbefinden
  • ab 0,3 Promille: leichte Verminderung der Sehleistung, Nachlassen von Aufmerksamkeit, Konzentration, Kritik-/Urteilsfähigkeit, Reaktionsvermögen, Anstieg der Risikobereitschaft
  • ab 0,8 Promille: ausgeprägte Konzentrationsschwäche, Einschränkung des Gesichtsfeld um 25 Prozent (Tunnelblick) und verminderte Sehfähigkeit, Reaktionszeit um 30 bis 50 Prozent verlängert, Euphorie, zunehmende Enthemmung, Selbstüberschätzung, Gleichgewichtsstörungen
  • 1,0 bis 2,0 Promille: Rauschstadium, weitere Verschlechterung der Sehfähigkeit, des räumlichen Sehens, gesteigerte Enthemmung und Verlust der Kritikfähigkeit, Reaktionsfähigkeit erheblich gestört, Verwirrtheit, Gleichgewichts-, Sprech- und Orientierungsstörungen
  • 2,0 bis 3,0 Promille – Betäubungsstadium: starke Gleichgewichts- und Konzentrationsstörungen, Gedächtnis- und Bewusstseinsstörungen, kaum noch Reaktionsvermögen, Muskelerschlaffung, Verwirrtheit, Erbrechen
  • 3,0 bis 5,0 Promille: Lähmungsstadium
  • ab 3,0 Promille – schwere Alkoholvergiftung: Bewusslosigkeit, Gedächtnisverlust, schwache Atmung, Unterkühlung, Reflexlosigkeit
  • ab 4,0 Promille – Lebensgefahr: Lähmungen, Koma mit Reflexlosigkeit, unkontrollierte Ausscheidungen, Atemstillstand und Tod

Was geschieht bei einem Alkoholpegel von mehr als 4,0 Promille?

Ab 4,0 bis 5,0 Promille führt der Alkoholspiegel bei Menschen ohne extreme Gewöhnung (untrainierte Trinker) fast immer zum Tod durch Atemstillstand oder Kreislaufversagen. Chronisch kranke Alkoholabhängige (Alkoholiker) können mitunter Werte überleben, die für andere definitiv tödlich sind.

Laut Medienberichten aus dem Jahr 2004 wurde ein damals 45-jähriger Pole aus Skierniewice nach einem Trinkgelage von einem Auto angefahren. Er überlebte nicht nur den Unfall, sondern auch die eigentlich tödliche Alkoholmenge. Die Blutprobe ergab 12,3 Promille!

Wie viel Promille überlebt ein Mensch?

Das hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Extreme Alkoholgewöhnung: Bei chronisch alkoholkranken Menschen gewöhnt sich das Gehirn an den in höheren Konzentrationen giftigen Äthylalkohol – umgangssprachlich gewöhnlicher Alkohol genannt –, die sogenannte Alkoholtoleranz. Die lebenswichtigen Zentren im Hirnstamm setzen bei ihnen erst sehr viel später aus als bei Gelegenheitskonsumenten. Der Körper passt sich über Jahre an das Gift an. Dadurch bleiben lebenswichtige Funktionen wie die Atmung selbst bei extremen Werten stabil.
  • Schnelle medizinische Hilfe: Ohne sofortige intensivmedizinische Behandlung wie künstliche Beatmung und Dialyse ist das Überleben solcher Werte unmöglich.

Verdacht auf Alkoholvergiftung: Was tun?

Bei einem Verdacht auf eine Alkoholvergiftung gilt: Lieber einmal zu oft den Notruf 112 wählen als einmal zu selten, stellt die Initiative „Alkohol? Kenn dein Limit“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung klar.

Eine schwere Alkoholvergiftung kann nämlich lebensgefährlich werden, da sie einen Atemstillstand oder ein Kreislaufversagen zur Folge haben kann. Nicht immer können Außenstehende erkennen, wie ernst die Lage ist. Was also ist zu tun?

Stabile Seitenlage schützt vor dem Ersticken

Der erste Schritt ist es, die Person in eine stabile Seitenlage zu bringen. Sie sorgt dafür, dass die Atemwege frei bleiben, sodass Erbrochenes abfließen kann, erklärt das Deutsche Rote Kreuz. Das verhindert das Ersticken.

  • Dafür kniet man sich zunächst neben die bewusstlose Person. Den Arm auf der zugewandten Seite legt man angewinkelt nach oben.
  • Den zweiten Arm legt man über die Brust der bewusstlosen Person und platziert die Hand unter ihrer Wange.
  • Diese Hand hält man als Helfer oder Helferin nun fest, während man das weiter entfernte Knie der Person fasst und sie dann vorsichtig auf die Seite dreht.
  • Das Knie legt man angewinkelt ab.
  • Der Ellenbogen des oberen Arms ruht in der Armbeuge des unteren.
  • Der Hals sollte überstreckt sein, der Mund leicht geöffnet.

Kostenübernahme oder nicht?

  • Nun sollten Helfer einen Notruf unter der Nummer 112 absetzen.
  • Wer Angst hat, dass es für die betroffene Person teuer wird, kann aufatmen. In den allermeisten Fällen zahlt die Krankenkasse die Kosten für den Krankenwagen, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
  • Hat die betrunkene Person ihre Versichertenkarte jedoch nicht bei sich, geht die Rechnung nach dem Krankenhausaufenthalt erst einmal an sie. Sie muss die Kostenübernahme mit der Krankenkasse dann selbst regeln.

Bis der Rettungswagen kommt

Bis der Rettungswagen eintrifft, gilt:

  • Die betrunkene Person nicht alleine lassen und sie vor dem Auskühlen schützen.
  • Auf keinen Fall sollte man versuchen, sie zum Erbrechen zu bringen, warnt die Initiative. Sie kann dabei ersticken.
  • Ist die Person ansprechbar, sollte man sie wachhalten und ihr Wasser zu trinken geben.

Was im Krankenhaus geschieht

Angekommen im Krankenhaus: Wird jetzt der Magen ausgepumpt? Dieses Bild haben viele im Kopf. So eine Magenspülung wird der BZgA zufolge aber nur noch selten durchgeführt. Meist legt das Personal im Krankenhaus Infusionen, um den Körper mit Flüssigkeit zu versorgen.

Zudem überwacht es Kreislauf, Atmung und Herzschlag und handelt, wenn etwas davon entgleist.

Nach 12 bis 24 Stunden können Betroffene einer Alkoholvergiftung in aller Regel das Krankenhaus wieder verlassen.

Gerade Minderjährige haben oft Angst, dass ihre Eltern von dem Ausflug in die Klinik erfahren. Und tatsächlich ist es so, dass das Krankenhaus bei Patienten unter 18 Jahren die Eltern informiert. Immerhin: Schule oder Arbeitgeber erfahren von der Alkoholvergiftung nichts, erklärt die BZgA, auch wenn Betroffene noch länger krankgeschrieben sein sollten. (mit AFP-/dpa-Agenturmaterial)

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Erstellt:
8. Juni 2026, 20:12 Uhr

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