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Arik Braun setzt weiteres Ausrufezeichen

Er gehört zu den besten deutschen Schachspielern. Das Mitglied des SV Backnang hat beim Qualifikationsturnier das Ticket für den Fide-Weltcup, die Vorstufe für die Weltmeisterschaft, gelöst. Der Großmeister absolvierte dabei sein erstes Turnier im Hybridformat.

Arik Braun hat beim Qualifikationsturnier in Magdeburg groß aufgetrumpft. Foto: Deutscher Schachbund

Arik Braun hat beim Qualifikationsturnier in Magdeburg groß aufgetrumpft. Foto: Deutscher Schachbund

Von Heiko Schmidt

Ein fester Bestandteil des Backnanger Schachs ist Arik Braun. In seiner Kindheit, später in der Jugend und nun bei den Erwachsenen sorgt er auf nationaler und internationaler Bühne für Aufsehen. Jüngstes Beispiel dafür ist das Qualifikationsturnier für den Weltcup der Fide, dem Weltschachverband. Gespielt wurde dabei im Hybridformat. Das heißt: Der Spieler hat ein Schachbrett vor sich, gibt aber dann seinen Zug in den Computer ein. Da alle deutschen Spieler in Magdeburg spielten, entstand tatsächlich etwas Turnieratmosphäre, die Arik Braun sehr genoss. Der heute 33-Jährige sagt dazu: „In den letzten Jahren ist Schach ja zur Internetsportart geworden – ich treffe jetzt immer wieder auf Gegner, die praktisch noch nie an einem Schachbrett mir gegenübergesessen haben, sondern nur am Bildschirm.“ Das Mitglied des SV Backnang schiebt nach: „Ich denke gerne am Brett, das ist irgendwie plastischer. So habe ich das damals bei meinem Backnanger Trainer Ulrich Haag gelernt, so gefällt mir das immer noch.“

Neu für den Großmeister war auch der Turniermodus. Es wurden drei Runden im K.-o.-System ausgetragen, jeweils mit Hin- und Rückspiel. „Es war das erste K.-o.-Turnier meines Lebens“, sagt Arik Braun dazu und schiebt nach: „Sehr spannend.“ In der ersten Runde setzte er sich mit 2:0 gegen den Großmeister Nikola Djukic, der eine Elozahl (Wertungszahl) von 2510 hat, durch. Braun steht momentan bei einer Wertungszahl von 2609, wird also stärker als sein Kontrahent eingestuft. In der zweiten Runde schaltete er in einem packenden Kampf den russischen Großmeister Ivan Rosum (2549) mit einem Sieg und einem Remis aus – 1,5:0,5. „Ich habe bewundert, wie Arik die Kurve bekommen und welche mentale Stärke er gezeigt hat“, sagt Trainer Ulrich Haag, der die Partien seines Schützlings verfolgt hat.

„Das Turnier lief fantastisch für Arik“, freut sich sein Backnanger Trainer Ulrich Haag.

Arik Braun löste in der dritten Runde dann souverän das Ticket für den Weltcup durch seinen 1,5:0,5-Sieg gegen den leicht favorisierten russischen Großmeister Aleksandr Rakhmanov (2651). Im Hinspiel gab es für den Deutschen einige bange Momente in der Eröffnung zu überstehen. Rakhmanov hatte einen Läuferrückzug vorbereitet, in dessen Folge Arik am Damenflügel in Schwierigkeiten steckte. Mit einigen taktischen Kniffen sorgte das Mitglied des SV Backnang jedoch dafür, nach befreienden Bauernzügen und geschicktem Einsatz seiner Springer zu gewinnen. Im Rückspiel stand Arik Braun nach der Eröffnung blendend und wollte nun den Sieg erzwingen. Kurze Zeit später fand er sich in einem unangenehmen Endspiel wieder, in dem das Remis gerettet wurde. Mit 1,5:0,5 gewann er damit sein Finalmatch und qualifizierte sich für den Fide-Weltcup, der vom 10. Juli bis 6. August im russischen Sotschi ebenfalls im K.-o.-Wettbewerb stattfinden soll.

„Das Turnier lief fantastisch für Arik. Mit fünf Punkten aus sechs Partien könnte er eine Leistungszahl von 2843 erreichen. Mit dieser tollen Leistung bewegt er sich auf dem Niveau des Weltmeisters Magnus Carlsen aus Norwegen, dessen Elozahl bei 2847 liegt“, freut sich Ulrich Haag, der Arik Braun bis zu dessen Alter von 18 Jahren aktiv als Trainer begleitet hat. Haag pflegt aber auch danach noch regelmäßigen Kontakt zu seinem Schützling und wertet mit ihm die eine oder andere Partie aus. Das wird bestimmt auch bis zum Beginn des Weltcups gemacht. An diesem Turnier sollen insgesamt 206 Spieler teilnehmen. 47 davon kommen aus Europa. Einen Platz davon hat sich Arik Braun erkämpft. „Wenn er genauso konzentriert zu Werke geht, dann wird es spannend“, prognostiziert sein Trainer Ulrich Haag.

Arik Brauns wichtige Stationen im Schach

Am 8. Februar 1988 wurde Arik Braun in Aerising geboren. Das Schachspielen erlernte er im Alter von fünf Jahren und trat dann in seinen Heimatverein SV Backnang ein.

1997 sicherte sich das Schachtalent mit neun Jahren den Titel des deutschen Meisters in der Altersklasse U 11. Drei Jahre später wurde Arik Braun Vizeeuropameister in der U 12 und deutscher Vizemeister.

2001 nahm er zum ersten Mal an der deutschen Meisterschaft der Erwachsenen teil und belegte den neunten Platz. Ihm gelang dadurch mit 13 Jahren die erste Norm für den Titel des Internationalen Meisters.

2002 kam Arik Braun mit 14 Jahren bei der deutschen Meisterschaft der U 18 auf den zweiten Rang. Ein Jahr später holte er sich in derselben Altersklasse den Titel.

2004 wird das Mitglied des SV Backnang als Spieler am ersten Brett mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister der U 18. Außerdem bekommt er den Titel des Internationalen Meisters.

2005 wurde Arik Braun internationaler deutscher Jugendmeister. Ein Jahr später gewann er die Weltmeisterschaft der U 18 und erzielte dabei zwei Normen als Großmeister.

2008 holte er sich die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft der U 20 und darf sich seitdem Großmeister nennen. Ein Jahr danach hatte er bei der deutschen Meisterschaft der Männer die Nase vorne.

In der Schachbundesliga spielte Arik Braun von 2004 bis 2015 für den SC Eppingen, seit 2015 ist er für die SV Hockenheim im Einsatz. In der österreichischen Bundesliga gehört Braun seit 2005 dem SK Hohenems an, mit dem er 2014 österreichischer Mannschaftsmeister wurde. In der niederländischen Meesterklasse spielte Braun in der Saison 2017/2018 für MuConsult Apeldoorn.

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Erstellt:
8. Juni 2021, 06:00 Uhr

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