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Ausdrucksstark, präzise und gleichsam sensibel

Das fünfte Teilnehmerkonzert der Klavierakademie zeugt von der ausgefeilten Technik der Pianistinnen und ist ein Genuss

Beeindruckten mit ihren Interpretationen (von links): Hyelee Kang, Yiran Wu, Miku Arizono sowie Asami Inakagata. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Beeindruckten mit ihren Interpretationen (von links): Hyelee Kang, Yiran Wu, Miku Arizono sowie Asami Inakagata. Foto: J. Fiedler

Von Petra Neumann

MURRHARDT. Das fünfte und damit letzte Teilnehmerkonzert in der Festhalle vor dem großen Finale der Internationalen Klavierakademie, der heutigen Gala, erwies sich als weiterer Höhepunkt. Die vier Pianistinnen waren schon bei den Vorgängerkonzerten zu hören und verblüfften erneut mit ihrer ausgefeilten Technik.

Asami Inakagata aus Japan spielte das Allegro assai aus dem „Klavierkonzert Nummer 23 f-Moll Opus 57“ von Ludwig van Beethoven in einer sehr intensiven Interpretation. Der Fokus liegt auf einem musikalischen Ich, das sich erlaubt, all seine Emotionen auszuleben. Jeder Ton kommt aus dieser Tiefe, in der alle Gefühlsoptionen lodern: Sensibilität, Frohsinn, Gedankenverlorenheit, aber auch die Leidenschaft am Leiden. Die Musikerin spielte mit äußerster Präzision, jede Note war in ihrer Aussagekraft richtig platziert, egal ob sie sphärisch klang oder gewaltig.

Miku Arizono ist ebenfalls Japanerin und hat sich ein bewegendes Stück erarbeitet, das von tragischer Liebe handelt: „Isoldens Liebestod aus Tristan und Isolde“ von Franz Liszt, der dieses Motiv von Richard Wagner aufgegriffen hat. Dem Thema entsprechend ist der Auftakt schicksalsschwer, da die beiden durch einen Liebestrank aneinander gebunden sind, aber nicht einander versprochen. In der letzten Szene stirbt Tristan, und Isolde nimmt innerlich Abschied von dieser Welt (der ursprüngliche Titel war „Isoldes Verklärung“). Die Musik spiegelt all diese ultimativen Gefühle wider, die Trauer, das Wissen um die Unausweichlichkeit der Situation. Immer wieder beschwört sie die zärtlichen Momente in der Erinnerung, die von Sehnsucht nach Erfüllung durchwoben sind, aber auch den Schmerz, den der Abschied von der Welt letztlich bedeutet, und zugleich die Zuversicht, auf diesem Weg die Erlösung zu finden. Miku Arizono machte mit äußerstem Feingefühl und höchster Sensibilität diese pathetischen Momente hör- und nachvollziehbar.

Alexander Skrjabin hat „24 Préludes Opus 11“ gleichsam als Sketche aufs Notenpapier gebracht. Von diesen trug Yiran Wu aus China die ersten sechs vor. Ein jeder stellt einen kleinen, in sich abgeschlossenen Kosmos dar. Die Pianistin verzauberte die Musik und malte mit ihrem schwebenden Anschlag funkelnde Sterne aus Noten auf einen dunklen Hintergrund, sodass alles im Reich des Unwirklichen verblieb. Mit den „2 Poèmes Opus 32“ desselben Komponisten weilte sie weiterhin im Gefilde der Poesie, die sich teils federleicht, teils hochexpressiv gab.

Mit ihrer Interpretation von vier Stücken, die aus der Feder von Frédéric Chopin stammen – „Walzer As-Dur Opus 42“, „Nocturne Nummer 13 c-Moll Opus 48 Nummer 1“, „Mazurka C-Dur Opus 24 Nummer 2“ und „Polonaise As-Dur Opus 53“ –, begeisterte Hyelee Kang aus Südkorea das schon hingerissene Publikum. Chopins Walzer ist weniger Tanz denn eine sehr flinke Variante als Kunstform und brilliert mit schwindelerregenden Notenläufen. Voller Geheimnis ist die Allegorie der Nacht, die sich einem Nebelhauch gleich unfassbar und durchscheinend manifestiert. Mit zarten Fingern berührt und verwandelt sie jeden Gegenstand und raubt ihm die Substanz. Doch ist sie auch herrisch und dramatisch zugleich, beinhaltet sie ja alles Dunkle und Uferlose. Die Mazurka ist in ihrer artifiziellen Form nicht so lebhaft und mitreißend volksnah, dafür krönte die Polonaise mit dem ungemein ausdrucksstarken Anschlag das wirklich beeindruckende Konzert, das schlichtweg hervorragend war.

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Erstellt:
7. September 2019, 06:00 Uhr

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