„Deppen“ in Turnschuhen

Bergretter an der Zugspitze sind genervt von Hobby-Kletteren

Bergretter  rund um die Zugspitze haben das ganze Jahr über alle Hände voll zu tun. Immer wieder wagen sich ungeübte Hobby-Kletterer an den Aufstieg auf Deutschlands höchstem Berg. Auf dem Weg dorthin geht’s oft weder vor noch zurück und die Bergwacht muss ausrücken. Wie jetzt wieder einmal.

Bitte keine Stöckelschuhe! Allein die Tatsache, dass die Bergwacht ein solches Schild im hochalpinen Gelände aufstellen, zeugt von der „Dummheit“ mancher Hobby-Wanderer.

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Bitte keine Stöckelschuhe! Allein die Tatsache, dass die Bergwacht ein solches Schild im hochalpinen Gelände aufstellen, zeugt von der „Dummheit“ mancher Hobby-Wanderer.

Von Markus Brauer

Ist es Leichtsinn, Selbstüberschätzung, mangelhafte Ausrüstung oder einfach nur Dummheit? Wahrsheinlich kommt alles zusammen, wenn ahnungslose Touristen mit zu großem Ego, Risikobereitschaft und Unerfahrenheit auf einen Berg kraxeln, den sie besser gemieden hätten. Die Bergretter in aller Welt können davon ein Lied singen.

„Auf einem g’scheiten Berg find’st keinen richtigen Deppen“

„Auf einem g’scheiten Berg find’st keinen richtigen Deppen“, hat mal jemand in ein Gipfelbuch geschrieben. Ein lustiger Spruch, nur leider nur zum Teil wahr. Sicher: Die ganz großen „Deppen“ werden erst gar nicht auf dem Gipfel ankommen. Aber sie versuchen es. Und das ist schon Problem genug – für die Bergrettung.

Wie sich jetzt mal wieder auf der Zugspitze, Deutschlands höchstem Berg, gezeigt hat.Der Aufstieg auf den 2962 Meter hohen Gipfel ist weit weniger beschwerlich als auf einen der 7000er und 8000-Tausender des Karakorums oder des Himalayas, aber dennoch nicht ohne Risiken.

Auf der Zugspitze herrscht noch Winter

Vor wenigen Tagen erst berichtete die Bergwacht Grainau wegen der noch winterlichen Verhältnisse an der Zugspitze von mehreren Rettungseinsätzen auf der Höllental-Route. Die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen meldet sich mit einem ähnlich lautenden Social-Media-Post zu einem Einsatz auf der Route durch das Reintal.

Die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen weist dringend darauf hin, dass in höheren Lagen im Gebiet der Zugspitze weiterhin eine geschlossene Schneedecke anzutreffen ist und bittet alle, bei der Tourenplanung die noch winterlichen Verhältnisse zu… https://t.co/9eNWGc0Td3pic.twitter.com/resL4sMOUE — ALPIN - Das Bergmagazin (@alpin_de) May 11, 2026

Am 10. Mai war dort zu lesen, dass drei Wanderer vom Reintal aus Richtung Zugspitze aufgebrochen waren und „unterhalb des Gipfels“ feststeckten. Laut Bergwacht mussten das Trio aus alpinem Gelände durch zwei Luftretter, unterstützt durch einen Polizeihubschrauber, evakuiert werden. Die drei Wanderer blieben unverletzt.

Viel Ego, wenig Erfahrung

Beileibe kein Einzelfall. „Deppen“ in Turnschuhen und „Damen“ in Stöckelschuhen gibt es zuhauf in den Alpen. Die Bergwacht weist darauf hin, dass in höheren Lagen auch noch im Mai eine geschlossene Schneedecke liegt.

Das bedeutet: Die Orientierung ist durch verdeckte Markierungen, Wegführung und fehlende Trittspuren teilweise erschwert. Die Rutsch- und Absturzgefahr in steilem Gelände ist größer und die Gehzeiten sind länger. Alles Faktoren, um die erfahrene Bergwanderer und Bergsteiger wissen – nicht aber Hobby-Kletterer.

Besonders beliebt scheint bei ungeübten Alpinisten die Zugspitze zu sein. Das besagte Trio hatte zuvor eine deutlich erkennbare Steigsperre ignoriert. „Je extremer eine Tour zu sein scheint, desto lieber haben sie es“, erklärt Robin Lutnig, Chef der Bergrettung Ehrwald.

Vorsicht bei hochalpinen Ausflügen

Auf ihren Social-Media-Accounts warnt die Bergrettung vor hochalpinen Ausflügen. Innerhalb einer Woche wurden zuletzt vier Einsätze mit acht geretteten Personen gezählt, „welche aufgrund der Schneeverhältnisse und mangelhafter Planung oder fehlender Ausrüstung blockiert waren und gerettet werden mussten“.Vorsicht bei alpinen Ausflügen

Unerfahrene Alpinisten kommen aus aller Welt: Deutschland, Italien, den USA, Tunesien oder Indien. „Sie sind über die sozialen Medien auf Touren gestoßen und sehen die Berge als Spielplatz“, kritisiert Lutnig. Oft handelt es sich demnach um junge Männer und Frauen unter 20 Jahren, die konditionell fit seien, denen es aber an Erfahrung und Gespür für die Berge fehlt.

Was in den Alpen mit Bergtoten geschieht

Anders als im Himalaya, wo die Frühjahrssaison mit Rekord-Anmeldungen begonnen hat, muss jeder Bergtote in den Alpen geborgen werden, betont eine Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd in Rosenheim.Was geschieht mit Bergtoten und Verletzten?

Bestattungsgesetz und -verordnung lieferten die rechtlichen Vorgaben, welche die Polizei umsetzen müsse. Tödlich verunglückte Wanderer oder Kletterer auf dem Berg zurückzulassen, sei nicht vorgesehen.Grundsätzlich soll jeder tödlich verunglückte Bergsteiger sofort geborgen werden, erläutert der Polizeisprecher.

In Einzelfällen sei das nicht möglich, etwa aufgrund einer erhöhten Gefährdung der Einsatzkräfte durch Stein- oder Eisschlag oder bei Lawinengefahr. In diesen Fällen erfolge die Bergung zum nächstmöglichen Zeitpunkt, in der Regel in den folgenden Tagen.

Vermisste werden grundsätzlich gesucht

Bei Vermisstenfällen werde grundsätzlich so lange gesucht, bis die Person gefunden wird. „So lange eine Chance besteht, die Person lebend zu finden, wird gemeinsam mit der Bergwacht sehr intensiv gesucht. Natürlich spielt dabei auch die Witterung eine bedeutende Rolle“, berichtet der Behördenvertreter.

Auch bei schwierigen Bedingungen würden alle Möglichkeiten der Suche ausgeschöpft. Falls die Person in dieser Phase nicht gefunden werde, erfolgten in zeitlichen Abständen immer wieder Suchen. Das laufe nicht anders als bei Suchen nach vermissten Personen außerhalb der Berge.

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Erstellt:
12. Mai 2026, 13:48 Uhr
Aktualisiert:
12. Mai 2026, 13:53 Uhr

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