Vorsicht, öffentliche Toilette!
Bestsellerautor warnt vor „hygienischem Super-GAU“
Wer unterwegs fremde Toiletten nutzt, ekelt sich oft vor der Klobrille. Doch die sei gar nicht das große Problem, sagt Bestseller-Autor Peter Wohlleben. Etwas anderes ist viel schlimmer.
© IMAGO/Mario Aurich
Innenansicht einer öffentlichen Toilettenanlage mit Waschbecken, Urinalen und einzelnen WC-Kabinen. Der Raum ist funktional gestaltet mit Fliesenwänden, Trennwänden und standardisierten Sanitäranlagen. Mulmig ist es einem trotzdem, wenn man an einem solchen Ort muss.
Von Markus Brauer/KNA
Stilles Örtchen, Lokus, Pott: Für Toiletten finden sich in der deutschen Sprache zahlreiche Begriffe und Synonyme. Das eigene „Water closet“ – kurz WC – ist für die meisten Menschen in Deutschland selbstverständlich. Und auch im öffentlichen Leben gibt es sie natürlich, wenn auch wenig beliebt. Doch wer muss, kommt an öffentlichen WCs nicht vorbei. Allem Ekel zum Trotz.
Orte olfaktorischer Zumutung
Ein besonders schlechten Ruf an diesen Orten olfaktorischer Zumutung haben Klobrillen. Sie sind trocken und kühl, Bakterien mögen es aber feucht und warm und brauchen außerdem immer was zu essen. Viel lieber vermehren sie sich deswegen etwa an den Türgriffen, die man mit ungewaschenen Händen anfasst.
Auch die praktischen Händetrockner sind wahre Bakterien- und Virenschleudern. Studien haben herausgefunden, dass die warme Luft von Trocknern jede Menge Keime herumwirbelt, die dann auf den Händen landen. Nach anderen Untersuchungen wiederum ist es egal, ob man Heißluft, Stoff- oder Papiertücher benutzt.
Funn-Facts rund ums Klo
- Keimschleuder: Laut einer US-Studie kann das Toilettenwasser beim Spülen bis zu sechs Meter weit aus der Schüssel herausspritzen und somit das gesamte Bad kontaminieren.
- Hocketse: Zwei Drittel der Menschheit benutzen keine Sitztoiletten, sondern hocken bei der Verrichtung ihres Geschäfts. Klingt unbequem, ist aber gesund. Die natürliche Hockposition verhindert Darmerkrankungen wie Hämorrhoiden oder Verstopfung. Und auch mit der Klobrille kommt man auch nicht in Kontakt.
- Wenn’s pressiert: Gratis-Pinkeln ist auf der Autobahn nur an ausgewiesenen WC-Anlagen legal. Obwohl die Sch . . . -Häuschen über ein modernes Interieur verfügen, sollte man es sich dort nicht zu gemütlich machen. Wer weiß, wer schon alles vor einem da war.
- Klinischer Zustand: Weltweit gibt es verschiedene WC-Typen (Tiefspüler, Flachspüler, Hockspüler, offene oder geschlossene Bauweise). Das Wichtigste ist indes nicht das verwendete Material oder die Konstruktion, sondern der klinische Zustand. Sprich: Wenn’s zum Himmel stinkt, sollte man den „Locus secretus“ besser meiden.
- Latrinenparolen: Glauben Sie nicht alles, was Sie schwarz auf weiß lesen. Das gilt insbesondere für unverbürgte Nachrichten an Türen und Trennwänden von öffentlichen Latrinen. Klosprüche – auch Scheißhausparolen genannt – haben weder einen wissenschaftlichen Anspruch oder sittlichen Nährwert noch sind sie einklagbar.
- Stilles Örtchen: Was unästhetisch ist, muss nicht automatisch unhygienisch sein. Ein Zusammenhang von Infektionen und öffentlichen Toiletten ist statistisch nicht belegbar, auch nicht für sexuell übertragbare Krankheiten. Dennoch sollte man besser die Finger von Toilettenbrillen und von anderen Personen an Orten wie diesem lassen.
„Die meisten Leute spülen falsch auf der Toilette“
Bestseller-Autor Peter Wohlleben (62) hat nun vor falschen Hygieneregeln auf der Toilette gewarnt. „Es fängt schon damit an, dass die meisten Leute auf der Toilette falsch spülen“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Denn die beim Toilettengang entstehenden Aerosole seien gefährlich: „Beim Abspülen steigen Luftbläschen auf. In diesen Aerosolen bleiben Bakterien bis zu sechs Stunden aktiv.“
Für sein neues, populärwissenschaftliches Buch „Bakterien – die heimlichen Helden“ hat Wohlleben die aktuelle Studienlage zu Mikroorganismen zusammengefasst.
Klobrillen sauberer als gedacht
Wer mittags eine öffentliche Toilette betrete, atme „alles ein, was seit dem frühen Morgen in die Luft gestiegen ist“, erklärt der Schriftsteller. Die bakterielle Gefahr durch Klobrillen werde dagegen überschätzt. Auf den Hanteln und Griffen im Fitnesscenter sei die Belastung 400 Mal höher.
Als entscheidende Schutzmaßnahme empfiehlt Wohlleben das Schließen des Klodeckels vor dem Spülgang. „Das reduziert die Belastung um das 14-Fache.“ Die Ausstattung öffentlicher Sanitäranlagen sieht er in diesem Zusammenhang kritisch. „Warum haben Toiletten auf Autobahnraststätten gar keine Deckel? Das ist der hygienische Super-GAU.“
