Rückrufaktion bei Mercedes-Benz
Brennende Mercedes-Akkus – EQA und EQB haben ernstes Problem
Ein Update sollte die Brandgefahr bei zwei Mercedes-Elektromodellen beheben. Doch nun muss die Hochvoltbatterie ausgetauscht werden. Über 50 000 Autos sind betroffen.
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Kurzschluss droht: der elektrische Mercedes-Benz EQA.
Von Peter Stolterfoht
Gegner der Elektromobilität führen immer wieder auch dieses Argument an, dass von E-Autos eine größere Brandgefahr ausgehe als von Verbrennerfahrzeugen. Auch wenn dies unabhängige Studien nicht bestätigen können, beeinflussen Fälle von brennenden E-Autos die Kaufentscheidung. Vor allem, wenn jetzt auch eine Marke mit diesem Problem in Verbindung steht, die als Inbegriff für Zuverlässigkeit und Sicherheit gilt: Mercedes.
Schon seit einiger Zeit geistern Videos durch die sozialen Medien, in denen E-Autos mit dem Stern zu sehen sind, die beim Laden in Brand geraten sein sollen. In der Folge meldete zunächst die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA ein entsprechendes Risiko. Aus den Unterlagen der Behörde geht hervor, dass mehrere Mercedes in China wegen eines Problems an der Hochvolt-Batterie gebrannt hatten.
In China haben mehrere Mercedes-Modelle gebrannt
Der Gefahrenherd wurde daraufhin ausgemacht. Es handelt sich um die Akkus (70,5 Kilowattstunden) der zwischen Februar 2021 und Juli 2024 hergestellten Modelle EQA 250+ und EQB 250+, bei denen Kurzschlüsse entstehen können.
Im Februar des vergangenen Jahres kam es dann zu einer ersten Rückrufaktion des Kraftfahrtbundesamtes. Ein von Mercedes durchgeführtes Software-Update sollte im Zuge dessen die Gefahr beseitigen. Allerdings ließ sich das Problem auch durch das Update nicht vollständig lösen. Was nun dazu führte, dass nun eine zweite Rückrufaktion läuft, die auf der Datenbank des Kraftfahrtbundesamtes gelistet ist. Jetzt ist als Maßnahme geplant, die Hochvoltbatterien der betroffenen Fahrzeuge komplett auszutauschen. Dabei handelt es sich um weltweit 51 729 E-Autos von Mercedes. Für Deutschland gibt der ADAC 4677 Fahrzeuge an, für die nun der zweite Rückruf gilt.
Laut einem Bericht des SWR könnte der für den Kunden kostenlose Umtausch Mercedes-Benz insgesamt 1,3 Milliarden Euro kosten. Eine Summe, die der Konzern allerdings dementiert. Stattdessen erklärt sich Mercedes gegenüber dieser Zeitung so: „Die Sicherheit unserer Kundinnen und Kunden hat für uns höchste Priorität und Rückrufe sind vorbeugende Maßnahmen. Wir werden bei bestimmten Fahrzeugen der Baureihen EQA und EQB eine neue Hochvoltbatterie einbauen, da das durchgeführte Software-Update das Brandrisiko in seltenen Einzelfällen nicht vollständig beseitigt. Wir handeln konsequent nach höchsten Sicherheits- und Qualitätsstandards und bedauern Unannehmlichkeiten, die daraus für unsere Kunden entstehen.“
Bis zum Werkstatttermin bittet Mercedes seine Kundinnen und Kunden außerdem, das Fahrzeug nicht über 80 Prozent zu laden und im Freien zu parken. Das Problem tritt offenbar im darüberliegenden Ladezustand auf.
„Mit dem Einbau der neuen Batterie wird der nutzbare Energiegehalt sowie die Ladeleistung wieder auf den technischen Stand einer Batterie im Neuzustand gebracht“, heißt es in der aktuellen Stellungnahme von Mercedes. Der Werkstattaufenthalt werde in der Regel wenige Stunden dauern. Weiter schreibt der Konzern: „Die entstehenden Unannehmlichkeiten bedauern wir sehr und entschuldigen uns ausdrücklich dafür.“
Produktion der Mercedes-Modelle EQA und EQB läuft aus
Unklar ist im Moment noch, wie schnell Mercedes so viele neue Batterien für den Umtausch zur Verfügung stellen kann und wie lange die betroffene Kundschaft auf den entsprechenden Werkstatttermin warten muss.
Unabhängig von den aktuellen Vorkommnissen läuft die Herstellung des EQB gerade aus. Und das Produktionsende des EQA ist auch schon beschlossene Sache.
