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Charlotte Becker geht in den Ruhestand

2008 ist Charlotte Becker als Konrektorin an die Grundschule Unterbrüden/Oberbrüden gekommen, die letzten elf Jahre hat sie die Auenwalder Schule an zwei Standorten geleitet. Jetzt geht die 63-Jährige in den Ruhestand.

Charlotte Becker hatte schon als Kind den Wunsch, Lehrerin zu werden.Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Charlotte Becker hatte schon als Kind den Wunsch, Lehrerin zu werden.Foto: Alexander Becher

Von Florian Muhl

Auenwald. Charlotte Becker blickt zurück: „Ich hatte schon früh, schon als Kind, den Wunsch, Lehrer zu werden.“ Sie könne gut zuhören und sie könne sich auch gut in andere hineindenken. „Ich finde, das ist wichtig, dass man ein Ohr hat für die Kinder.“ Zudem macht ihr die Wissensvermittlung sehr viel Freude. „Speziell war es mir immer ein Anliegen, auch bei den Kindern, vor allen Dingen den Mädchen, Freude an Mathematik zu wecken, und natürlich auch die Naturthemen“, so die 63-Jährige.

Querbeet hat die Pädagogin schon alle möglichen Fächer unterrichtet, „alles außer Religion“, sagt sie und lacht. Besonders die sachkundlichen Themen hätten ihr schon immer sehr viel Freude gemacht. Auch Sport habe sie in den letzten Jahren sehr gern unterrichtet. Und das Fach Kunst sowie ähnliche Fächer mag sie noch aus einem ganz besonderen Grund: „Kinder, die sonst schwach sind, kann man da einfach auch mal anders erleben und Stärken in den Kindern entdecken, die man in den anderen Fächern, die eher leistungsorientiert sind, nicht entdecken kann. Dann wachsen die Kinder einfach auch.“ Becker nennt ein Beispiel: „Ich habe jetzt ein Mädchen erlebt, die hatte eine Vermeidungsstrategie im Sport..., die konnte ich jetzt doch dazu bringen, dass sie jetzt mit Freude auch an den Bundesjugendspielen teilgenommen hat und auch gerne in den Sportunterricht gekommen ist.“

„Natürlich müssen Kinder noch mit dem Stift schreiben lernen“

Beim Thema Computer, Softwareneuerungen, soziale Medien und so weiter bekennt Becker: „Ich sag immer: Ich bin ein Nichtkönner. Ich kann schon vieles, aber im Vergleich zu den Jungen tu ich mich natürlich schon schwerer, mich da hineinzudenken.“ Sie brauche länger, aber sie habe bisher alles bewältigt, ob neues Verwaltungsprogramm oder Digitalisierung für den Unterricht. Zusammen mit überwiegend einer Kollegin habe sie den Medienentwicklungsplan für die Schule entwickelt.

„In der Gemeinderatssitzung wurden wir ein bisschen attackiert, was wir denn mit dem modernen Zeug wollen, die Kinder sollen doch erst mal mit dem Stift schreiben lernen“, berichtet Becker, um klarzustellen: „Der Bildungsplan schreibt das vor, das muss parallel laufen. Natürlich müssen die noch mit dem Stift schreiben lernen.“ Aber die Kinder müssten auch mit den Medien in Verbindung gebracht werden und sie müssten vor allen Dingen von den Lehrkräften, weil es die Eltern nicht könnten, auf die Gefahren der Medien aufmerksam gemacht werden. „Und wie gehe ich damit um, dass meine Daten geschützt sind und ich nicht fahrlässig mit Daten von anderen umgehe.“

Becker blickt auf ihre erste Stelle in Stuttgart zurück

Charlotte Becker ist viel herumgekommen, hat an zahlreichen Schulen unterrichtet, an Hauptschulen und an Grundschulen. Wo liegt da der Unterschied für die Pädagogin? „Damals, das ist auch heute zum Großteil so: Die Kinder in der Grundschule sind grundsätzlich noch begeisterungsfähiger fürs Lernen als an der Hauptschule.“ Becker blickt auf ihre erste Stelle in Stuttgart zurück. Das war 1984. „Da bin ich sehr ins kalte Wasser gesprungen. In Freiberg ist der Ausländeranteil sehr hoch. Da war auch schon seitens der Eltern wenig Interesse an der Schule. Ich erinnere mich an meinen ersten Elternabend Klasse 8, da saß ich mit drei Eltern da.“ Was ihr jetzt an Auenwald und der Umgegend so gut gefällt, ist die ländliche Lage. „Da ist die Naturverbundenheit da, die mir sehr zusagt.“ Sie hatte immer im Blick, aus der Schule eine Naturparkschule zu machen, was letztlich doch nicht zustande kam. „Da ist dann leider das Kollegium nicht ganz aufgesprungen auf diesen Zug“, sagt sie mit einem vernehmbaren Bedauern in der Stimme. Alleine habe sie das natürlich nicht tragen können.

Wer das Erbe von Becker antreten wird, ist noch nicht geklärt

Aber die Schule habe trotzdem den Naturschwerpunkt in ihrem Schulbild drin. „Wir haben jedem Schuljahr ein Naturthema zugeordnet“, sagt Becker. So wird in Klasse 1 der Apfel das ganze Jahr über beobachtet und untersucht, die Klasse 2 hat die Wiese als Schwerpunkt, in Klasse 3 und 4 geht es das ganze Jahr über ums Wasser beziehungsweise um den Wald. Dabei arbeiten die Lehrerinnen in der Regel mit Naturparkführern und Streuobstwiesenbetreuern zusammen.

Bislang war die Grundschule einzügig, sowohl die Hauptstelle in Unterbrüden als auch die Zweigstelle in Oberbrüden. Das heißt, es gab stets acht Klassen. Das ändert sich im nächsten Schuljahr allerdings. Es wird in Unterbrüden eine Klasse weniger geben. Die Klassen 1 und 2 werden wegen zu geringer Schülerzahlen zusammengelegt. „Wir haben in Unterbrüden nur zehn Schulanfänger und die jetzige Klasse 1, dann die Klasse 2, ist von 18 Kindern zusammengeschrumpft auf 13, macht zusammen 23“, sagt Becker. Der Klassenteiler für eine Jahrgangsmischung liegt bei 25.

Die 63-Jährige wird die Zusammenlegung nicht mehr miterleben, sie geht in den Ruhestand. Und darauf freut sie sich schon sehr. „Ich werde wieder Hobbys aufgreifen, die zu kurz gekommen sind. Ich werde Sport machen, Aquajogging und Fahrrad fahren. Ich werde mich wieder an meine Nähmaschine setzen, mich in Kalligrafie üben und mich natürlich mit den Enkeln beschäftigen.“ Wer an der Grundschule Unterbrüden/ Oberbrüden das Erbe von Becker antreten wird, ist letztlich noch nicht geklärt. Es habe viele Gespräche mit dem Staatlichen Schulamt gegeben, aber entschieden sei noch nichts. „Ich freue mich, dass meine Kollegin Jutta Fußnegger die kommissarische Schulleitung übernehmen wird.“

Zur Person

Ausbildung Nach der Realschule besuchte sie das Aufbaugymnasium in Adelsheim. Nach einem halben sozialen Jahr schloss sie ihr Studium an der PH Gmünd 1982 mit der ersten Staatsprüfung und 1984 mit dem Referendariat am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Pforzheim sowie an der Kirnbach Grund- und Hauptschule in Niefern/Öschelbronn ab.

Stellen Die erste Stelle von Becker war eine Krankheitsvertretungsstelle im damaligen Schulamtsbezirk Waiblingen mit Einsatzorten in Weiler zum Stein, Leutenbach und Cottenweiler (Bize). Dann war Becker zu Hause, ihre drei Jungen kamen 1986, 1988 und 1991 auf die Welt. Im Februar 2000 nahm sie ein Einstellungsangebot an der Grund- und Hauptschule in Stuttgart-Freiberg an. 2004 wechselte die Pädagogin zur Grund- und Hauptschule in Schwaikheim. Seit 2008 ist Becker an der Grundschule Unterbrüden/Oberbrüden, zunächst als Konrektorin und seit 2011 als Schulleiterin.

Familie Charlotte Becker hat drei Kinder (Jungen) und vier Enkelkinder (drei Jungen und ein Mädchen) und wohnt in Althütte.

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Erstellt:
1. August 2022, 06:00 Uhr

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