MMA-Kämpfer aus Stuttgart

Christian Jungwirth über seine Drogenzeit, den Knast und Verschwörungstheorien

Christian Jungwirth spricht in einem Podcast offen über seine Drogenvergangenheit, die Zeit im Gefängnis und seine kontroversen Ansichten.

Christian Jungwirth bei Okatagon 73 im vergangenen Jahr in Hamburg.

© IMAGO/Torsten Helmke

Christian Jungwirth bei Okatagon 73 im vergangenen Jahr in Hamburg.

Von Michael Bosch

Vom VfB-Talent über die Hooligan-Szene zu einem der besten MMA-Kämpfer Deutschlands: Christian Jungwirths Geschichte sorgte in den vergangenen Jahren deutschlandweit für Aufsehen. Dass der 38-Jährige gerne so redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, er auch Kontroverses von sich gibt, war der Aufmerksamkeit nicht abträglich.

Im Interview mit unserer Zeitung attestierte er sich im vergangenen Jahr „einen positiven Schaden“ – das sei nötig, um Kämpfe im Käfig zu absolvieren. Unlängst hat Jungwirth im Podcast „{ungeskriptet}“ über die Zeit in seinem Leben gesprochen, die nicht so einfach war – und er hat seine Weltsicht offengelegt.

Jungwirth über seine Drogen-Zeit: „Das ist kein schönes Leben gewesen“

Seinen Lebensweg bezeichnet Jungwirth als „verrückt“. Vom geplatzten Kindheitstraum Profifußballer, über eine Ausbildung als KFZ-Mechaniker, die ihm keinen Spaß machte, stolperte Jungwirth ziellos durchs Leben – es ging stetig bergab. Mit 21 nahm er das erste Mal Speed. „Um mir meinen eigenen Konsum zu finanzieren, habe ich angefangen zu ticken“, erinnert sich Jungwirth daran, wie er zum Drogendealer wurde. „Ich wollte halt auch jemand sein“, sagt er. Ehrliches Geld zu verdienen, sei wegen fehlender Ausbildung für ihn nicht möglich gewesen. Also habe er sich für den „schnellen Weg“ entschieden. „Aber das ist kein schönes Leben gewesen.“

Jungwirth sei zu der Zeit in Berlin, aber auch in Nordrhein-Westfalen unterwegs gewesen. Dort kaufte er die Drogen vergleichsweise billig ein und brachte sie in der schwäbischen Heimat gewinnbringend an Mann und Frau. Er habe selbst viel Party gemacht, die Kundschaft lief ihm quasi in die Arme. „Man zieht solche Leute dann automatisch an“, so Jungwirth. Gewalt sei auch zu dieser Zeit nie ein Thema gewesen. „Ich bin kein Schläger“, sagt der Sohn einer Gastwirtin, der sich nur bei verabredeten Kämpfen mit anderen Hooligans prügelte. In anderem Kontext habe er nie Streit vom Zaun gebrochen, „nur zurückgeschlagen“.

Als Arbeitsloser, er war 26 Jahre alt, machte er 5000, 6000 manchmal auch 7000 Euro im Monat. Das komplette Geld ging drauf für Partys und Drogen. Irgendwann kam es, wie es kommen musste: ein Mittelsmann in Bayern wurde überwacht, in dem Haus ging Jungwirth ein und aus. In der Folge wurde auch die Wohnung der Eltern, in der Jungwirth sein Zimmer hatte, durchsucht. In einer angemieteten Garage fanden sich Drogen. Im Januar 2011 wurde er festgenommen.

Jungwirth: Sechs Monate im Knast

Ein halbes Jahr verbrachte er anschließend in U-Haft. Im Knast habe er auch Tränen vergossen, wegen seinen Eltern. „Meine Mutter wusste, dass was nicht stimmt. Sie hat auch gefragt, was ich treibe. Aber ich habe es ihr nie beantwortet“, sagte Jungwirth. Die Zeit in München Stadelheim habe auch dem harten Hund aus Bopfingen zugesetzt, der immer „Einzelgänger“ gewesen sei. Das blieb er auch im Gefängnis –zumindest größtenteils.

23 Stunden in der Zelle, eine Stunde Hofgang am Tag: Die Zeit im Gefängnis sei „ekelhaft“ gewesen, blickt Jungwirth zurück. Allerdings war es auch der erste Kontakt mit dem Kampfsport. Mit einem Mitinsassen, der Kickboxer war, trainierte Jungwirth. „Wir haben das gemacht, um die Zeit zu vertreiben“, blickt er zurück. Am Ende ging die Sache mit den Drogen einigermaßen glimpflich für ihn aus. Er bekam vier Jahre auf Bewährung. Seine Frau habe ihm anschließend auf die rechte Bahn geholfen, ihm unter anderem auch einen „normalen“ Job verschafft.

„Sie wusste, dass ich verrückt bin“

„Sie wusste, dass ich verrückt bin“, sagt Jungwirth über seine Partnerin. Deshalb habe sie auch seine Zeit als Hooligan akzeptiert. 15 Kämpfe auf dem Acker habe er absolviert. Beim letzten Kampf habe er sich zwei Rippen gebrochen, sonst sei wenig passiert. „Aber erst da habe ich gemerkt, dass mir das Kämpfen Spaß macht.“ So fand er seinen Weg zurück zum Sport.

In dem Podcast mit Host Benjamin Berndt gab Jungwirth auch einiges zum Besten, das für Irritationen sorgen könnte. Er sei „seit 15 Jahren in der Verschwörungsbubble“, normale Nachrichten rezipiere er nicht mehr, aber für ihn stehe fest, dass Politiker „Marionetten“ sind. „Im Geheimen wird die Welt regiert“, sagte Jungwirth, der nach eigener Aussage noch nie gewählt habe. Er glaube auch an die Verschwörungserzählung von Chemtrails, sagte Jungwirth. Gegen Corona habe er sich nicht impfen lassen, auch Maske habe er während der Pandemie nicht getragen. Wenn er etwas vorgeschrieben bekomme, „mache ich mit Absicht das Gegenteil“, sagte Jungwirth. Diese Einstellung sei „Fluch und Segen zugleich. Das kann einen weiter bringen, aber auch das Gegenteil bewirken“.

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Erstellt:
16. Februar 2026, 16:54 Uhr

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