Da braut sich was zusammen
Die miserablen Bilanzen von Mercedes, Porsche, Bosch und Daimler Truck treffen die Gesellschaft als Ganzes.
Von Peter Stolterfoht
Stuttgart - Die „Breaking News“-Einblendungen der Gewinneinbrüche bei Mercedes, Bosch, Daimler Truck und Porsche hatten in den vergangenen Tagen einen festen Platz auf vielen Online-Wirtschaftsseiten. Sie sind so etwas wie die Iden des März der deutschen Autoindustrie.
Unter „Idus Martiae“ versteht man im Lateinischen Zeichen für bevorstehendes Unheil. Diese Metapher entstand im Zusammenhang mit der Ermordung von Julius Caesar am 15. März des Jahres 44 vor Christus. Cäsar war vor der drohenden Gefahr gewarnt worden war. Auch in der Autoindustrie hat es an Warnungen nicht gefehlt.
Der Gewinn von Daimler Truck ist laut gerade vorgelegter Bilanz im Geschäftsjahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent zurückgegangen. Kurz zuvor war schon der Rückgang bei Mercedes-Benz, VW und Bosch mit fast 50 Prozent beziffert worden. Und dann auch noch Porsche: Beim Sportwagenhersteller verschlechterte sich das Ergebnis um schier unglaubliche 91,4 Prozent und verhagelte dem Mutterkonzern VW gehörig das Ergebnis.
Solche Zahlen lösen etwas aus. Zunächst einmal bei den Menschen, deren Arbeitsplatz mit der Autoindustrie zu tun hat. Und das betrifft nicht nur jene in Stuttgart, ja nicht einmal nur die Beschäftigten in Baden-Württemberg, sondern auch die von Autozulieferbetrieben in Brandenburg, Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen.
Die aktuellen Gewinneinbrüche werden begleitet von einschneidenden Maßnahmen: Sparprogramme, Abbau von Stellen, Verlagerungen von Produktionseinheiten ins billigere Ausland. Und die schlagen auf die Stimmung eines ganzen Landes, das wie kein anderes von der Autoindustrie abhängig ist.
Geht es dieser Branche gut, geht es ganz Deutschland gut. Gerade geht es ihr schlecht. Dazu tragen auch die durch die Autokrise dramatisch zurückgehenden Gewerbesteuereinnahmen der Kommunen bei. Bestes Beispiel dafür ist Stuttgart, wo ein Notfallhaushalt aufgestellt werden musste, der besonders soziale Institutionen und die Kultur trifft – und damit Bereiche, die ganz entscheidenden Einfluss auf das Lebensgefühl der Menschen haben und die zu jenem Kitt gehören, der eine Gesellschaft zusammenhält.
Jene läuft gerade Gefahr, sich zu spalten, was von extremen politischen Kräften mehr denn je befeuert wird. Wer trägt die Verantwortung für diese Situation? Am Ende haben alle dazu beigetragen. Die Politik, die die Autoindustrie überstürzt in die E-Mobilität jagte, ohne zugleich die nötige Unterstützung etwa beim Strompreis, bei der Ladeinfrastruktur oder der Entbürokratisierung bereitzustellen. Eine Mitschuld tragen aber auch Hersteller und Zulieferer, die in weiten Teilen nicht in der Lage waren, Produkte auf den Markt zu bringen, die den großen Veränderungen der Zeit Stand halten. Gerade im Strukturwandel wäre der viel gepriesene deutsche Erfindergeist gefragt. Der kommt aber nicht zum Tragen.
Auf die sich schon über einen längeren Zeitraum abzeichnende Krise waren aber auch die Kommunen nicht vorbereitet. Die hatten in Zeiten sprudelnder Gewerbesteuer die Milliarden mit vollen Händen ausgegeben und pfeifen jetzt finanziell teilweise aus dem letzten Loch. Im Wort Begriff „Haushalt“ steckt das Wort „haushalten“. Das ist offensichtlich vielerorts in Vergessenheit geraten.
Doch es gibt auch Hoffnung. Die kommt ausgerechnet beim Blick nach München auf, wo man bei der Konkurrenz von BMW offensichtlich gerade vieles richtig macht. Gerade einmal drei Prozent Gewinnrückgang vermeldete der Konzern am Donnerstag. Zur Erinnerung: bei Porsche waren es 91,4 Prozent.
