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Das Treffen mit der eigenen Vergangenheit

Großaspachs Coach Hans-Jürgen Boysen macht keinen Hehl daraus, dass Regionalliga-Kontrahent Offenbacher Kicker für ihn ein besonderer Gegner ist, war er doch schon dreimal als Trainer bei den Hessen und führte sie zweimal in die Zweite Bundesliga.

Stand einst bereits dreimal bei den Offenbacher Kickers als Dirigent an der Seitenlinie: Aspachs Trainer Hans-Jürgen Boysen. Foto: O. Zimmermann

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Stand einst bereits dreimal bei den Offenbacher Kickers als Dirigent an der Seitenlinie: Aspachs Trainer Hans-Jürgen Boysen. Foto: O. Zimmermann

Von Uwe Flegel

Hans-Jürgen Boysen redet gar nicht erst um den heißen Brei herum: „Seit meinem ersten Job bei den Kickers war ich immer Fan vom OFC.“ Damit ist zwar nicht alles, aber schon sehr viel gesagt. Wenn Aspachs Regionalliga-Fußballer heute ab 19 Uhr die Offenbacher Kickers im Fautenhau empfangen, dann wird das Duell für den SG-Coach zum Treffen mit einem wichtigen Teil der eigenen Vergangenheit.

Dreimal stand der 63-Jährige als Fußballlehrer schon in den Diensten des hessischen Traditionsvereins. „Es lag sogar ein viertes Mal in der Luft, aber das hat sich zerschlagen“, erzählt Boysen. Rund zwölf Monate ist das her. Der gebürtige Mannheimer sprach mit dem heutigen Kontrahenten, als der einen Nachfolger für den entlassenen Daniel Steuernagel suchte. Am Ende entschied sich der einstige Wandler zwischen erster und zweiter Liga für Angelo Barletta, der am Bieberer Berg seitdem das Zepter schwingt und für Aspachs Coach kein Unbekannter ist: „Er war mein Spieler, als ich das zweite Mal Trainer in Offenbach war.“ Vom März 2004 bis zum Januar 2006 war das. Wie schon bei seinem ersten Engagement vom Sommer 1997 bis zum Herbst 1999 hatte Boysen den OFC in der Drittklassigkeit übernommen und ging, als die Hessen ein Zweitligist waren. „Offenbach war meine erfolgreichste Station als Trainer“, steht für den Coach fest.

Zweimal mit dem OFC aufgestiegen und beim dritten Mal auf einem guten Weg gewesen



Ein Urteil, an dem auch die Erfahrungen von der dritten Zusammenarbeit nichts änderten. Die dauerte vom Mai 2008 bis zum Oktober 2009 und wurde vom Trainer selbst beendet. Heute sagt er: „Es war eine unrühmliche Geschichte, weil der Verein mit drei anderen Trainern Verhandlungen führte, obwohl wir in der Dritten Liga auf dem zweiten Platz gestanden sind und die Chancen gut waren, dass ich mit dem Klub auch ein drittes Mal den Aufstieg in die zweite Liga schaffe.“ Als Boysen aber von den Gesprächen, die der damalige Sportchef Andreas Möller mit anderen Kollegen hinter seinem Rücken führte, Wind bekam, zog er einen sofortigen Schlussstrich und ging von mächtig viel Zündstoff zwischen den beiden Vereinen begleitet zum benachbarten Zweitligisten FSV Frankfurt. „Der war damals Vorletzter und hatte gerade mal zwei Punkte“, erinnert sich Hans-Jürgen Boysen und ist stolz darauf, dass er mit den Frankfurtern am Ende dennoch die Klasse hielt. „Das war vermutlich schwieriger, als es der Aufstieg mit den Kickers gewesen wäre.“

Dass er damals nicht den einfachen Weg einschlug und in Offenbach blieb, hat was mit Geradlinigkeit zu tun. „Das Vertrauensverhältnis ist das Wichtigste“, sagt er nach den vielen Jahren im deutschen Profifußball. Und das zwischen Ex-Weltmeister Möller und dem Ex-Bundesliga-Verteidiger Boysen war zerstört. An seiner Sympathie für Aspachs heutigen Gegner hat das nichts geändert. „Offenbach ist ein besonderer Verein. Die Kickers-Fans, die Fankultur, das Stadion und der Verein gehören nicht in Liga vier“, ist der 63-Jährige überzeugt und erklärt: „Wenn man sieht, welche Spieler und Trainer da schon waren.“ Boysen spricht von Nationalspielern, späteren Welt- und Europameistern wie Siggi Held, Erwin Kostedde, Rudi Völler, Uwe Bein, Jimmy Hartwig, den Kremers-Zwillingen sowie Trainern wie Otto Rehagel, Gyula Lorant, Kuno Klötzer und Tschik Cajkovski, die früher, später oder eben in ihrer Offenbacher Zeit an der deutschen Fußballgeschichte mitschrieben.

Derzeit spielen die Hessen in der Historie der deutschen Kickers allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Seit der Saison 2013/2014 kämpft der OFC darum, wenigstens in die Dritte Liga zurückzukehren. Vor fünf Jahren war es fast so weit, doch unter Trainer Rico Schmitt gingen die Relegationsduelle des Südwestmeisters mit dem Nordostsieger 1. FC Magdeburg mit 0:1 und 1:3 verloren. Seitdem wird in Offenbach zwar viel investiert, aber wenig erreicht. „Vielleicht liegt das an der fehlenden Kontinuität in der Führung. Die braucht man einfach, um sportlich erfolgreich zu sein“, vermutet Boysen, der mittlerweile allerdings wenig Kontakt zur alten Liebe hat und sich aufs heutige Treffen mit der eigenen Vergangenheit dennoch riesig freut.

Einmal deutscher Pokalsieger, zweimal deutscher Vizemeister

Der Offenbacher Fußball-Club Kickers 1901 zählte nach dem Zweiten Weltkrieg viele Jahre lang zu den besten deutschen Vereinen und lieferte sich mit Eintracht Frankfurt ein Dauerduell um die Vorherrschaft in Hessen. Einzig deutscher Meister wurde der OFC nie. 1950 und 1959 scheiterte Offenbach im Endspiel um die deutsche Meisterschaft am VfB Stuttgart (1:2) sowie ausgerechnet am ungeliebten Rivalen und Nachbarn Frankfurt (3:5 nach Verlängerung).

Im DFB-Pokal war die Elf vom Bieberer Berg noch erfolgreicher. 1970 bezwangen die Kickers als Zweitligist im Finale den 1. FC Köln mit 2:1. Da das Endspiel wegen der damaligen WM in Mexiko, die bereits am 31. Mai begann, auf Ende August verschoben wurde, trat Offenbach im Finale allerdings nicht mit dem Team an, das kurz zuvor von der Regionalliga in die Bundesliga aufgestiegen war, sondern mit seinem Erstliga-Kader. Deshalb war unter anderem auch der im Sommer von Borussia Mönchengladbach gekommene Winfried Schäfer am Ball, der damit in der Saison 1969/1970 sowohl deutscher Meister mit Mönchengladbach und DFB-Pokalsieger mit dem OFC wurde. Für die Kickers war es übrigens die einzige Finalteilnahme. Dreimal (1973, 1974 und 1990) scheiterte Offenbach im Halbfinale.

Nach 1945 war der OFC 25 Jahre in der höchsten deutschen Spielklasse vertreten. 21 Jahre ging es in der zweithöchsten und 20 Jahre in der dritthöchsten Liga um Punkte. Die Saison 2020/2021 ist die achte Runde in Folge in der Regionalliga. Das letzte Mal waren die Hessen in der Saison 2007/2008 in der Zweiten Bundesliga.

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Erstellt:
11. September 2020, 06:00 Uhr

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