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Defensive fängt sich schweren Rüffel ein

„Wir haben schlecht verteidigt“, ärgerte sich Großaspachs Trainer Hans-Jürgen Boysen nach dem 3:3 des Fußball-Regionalligisten gegen Hoffenheim II. Ein Remis in einem Heimspiel gegen einen unmittelbaren Rivalen im Abstiegskampf ist eigentlich zu wenig.

Es war kaum mit anzuschauen, welche Fehler sich die SG-Abwehr um Kai Gehring (links) und Mohamed Diakite vor den Gegentoren leistete. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Es war kaum mit anzuschauen, welche Fehler sich die SG-Abwehr um Kai Gehring (links) und Mohamed Diakite vor den Gegentoren leistete. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Erst hinten gelegen, dann geführt. Wieder einem Rückstand nachgelaufen, aber immerhin noch ausgeglichen. Und in beinahe allerletzter Sekunde war tiefes Durchatmen angesagt, als Keeper David NrecaBisinger einen Freistoß von Hoffenheims Fabian Rüth mit seinen Fingerspitzen an die Latte lenkte. Ein gewonnener Zähler oder doch zwei verlorene Punkte – beide Betrachtungsweisen hätten aus Aspacher Sicht durchaus ihre Berechtigung gehabt, aber in den Augen von Hans-Jürgen Boysen war diese Frage klar zu beantworten. „Das ist mir zu wenig“, ordnete der erfahrene Trainer das Unentschieden ein: „Ich bin unzufrieden.“ In der zweiten Halbzeit sei es ein Spektakel für die Zuschauer im Livestream gewesen, „aber für mich ist es ein enttäuschendes Ergebnis“.

Schließlich war die SG Sonnenhof mit dem eindeutigen Ziel in die Partie gegangen, im dritten Heimspiel des Jahres 2021 zum dritten Mal einen Dreier gegen einen Konkurrenten im Keller einzufahren. Mit dem 2:1 gegen Walldorf und dem 7:1 gegen Pirmasens hatte es geklappt, ein weiterer Sieg gegen die Bundesliga-Reserve aus dem Kraichgau wäre ein kleiner Befreiungsschlag gewesen. Mit dem 3:3 tritt die Truppe aus dem Fautenhau dagegen auf der Stelle. „Die Tabelle sieht genauso beschissen aus wie schon die ganze Saison“, sagte Boysen nach dem Abpfiff völlig unverblümt. Großaspach verharrt mit 27 Punkten auf dem 14. Platz. Das würde am Rundenende zwar reichen, doch die rote Zone ist lediglich einen Zähler entfernt. Sie beginnt mit dem 17. Rang, den derzeit ausgerechnet Hoffenheims Zweite innehat. Das alleine zeigt, welche Chance die SG mit dem Remis hat liegen lassen.

Vier Schüsse auf das SG-Tor, drei Hoffenheimer Treffer: Auch der Keeper langt einmal daneben.

Den Zorn des Trainers zog insbesondere die Defensive auf sich. „Sehr schwach“ sei die Abwehrleistung gewesen, schimpfte Boysen und ergänzte: „Drei Gegentore zu Hause, das ist schlecht.“ Vor dem 0:1 reichte ein Hoffenheimer Doppelpass auf der rechten Seite, um die Hausherren zu übertölpeln, der Rest war Formsache für die Gäste. Vor dem 2:3 wurde Maximilian Beier von seinem TSG-Teamkollegen Meris Skenderovic auf die Reise geschickt und konnte zum Alleingang ansetzen, obwohl ihn zunächst Ken Gipson, danach Jonas Brändle und zuletzt noch Kai Gehring durchaus hätten einbremsen können. Keiner aus diesem Trio griff beherzt ein, „das ist unerklärlich“, schüttelte Boysen den Kopf. Ungeschoren ließ er auch seinen Keeper nicht davonkommen, obwohl David Nreca-Bisinger mit der Parade in der Nachspielzeit wenigstens eine Heimpleite verhindert hatte. „Die Hoffenheimer haben viermal aufs Tor geschossen“, rekapitulierte der 63-Jährige. Einmal habe das Talent im Aspacher Kasten „überragend gehalten, die anderen drei Schüsse waren drin. Das ist zu viel.“ Vor allem das zwischenzeitliche 2:2 musste sich der 19-Jährige von seinem Trainer ankreiden lassen. Den Schuss von Meris Skenderovic müsse David Nreca-Bisinger „entweder festhalten oder zur Seite abwehren, dann ist gut“. Schlecht war ohne Zweifel, dass die Kugel nach vorne prallte und damit Beier vor die Füße, der eiskalt abstaubte. Den meisten Toren gingen Fehler voraus, „aber es müssen nicht so dämliche Fehler wie in unserem Fall sein“, schrieb Boysen seinem Team noch ins Stammbuch.

Einer, der Aspachs Defensive mit seiner Erfahrung vielleicht Halt verleihen könnte, durfte ein weiteres Mal nicht mitmischen. Obwohl die Viererabwehrkette im Vergleich zur 1:3-Niederlage in Offenbach sogar auf einer Position verändert wurde, rutschte Julian Leist abermals nicht rein. Mohamed Diakite wurde aus dem Mittelfeld nach hinten beordert und ersetzte Vincent Sadler, der dieses Mal nur auf der Tribüne hockte. Neben ihm der ehemalige Kapitän, für den es nicht einmal für einen Platz auf der Ersatzbank gereicht hatte. Nach seinem krankheitsbedingten Fehlen in Offenbach war Leist am Mittwoch und damit zum frühestmöglichen Zeitpunkt nach den für alle freien Tagen wieder ins Training eingestiegen. Trotzdem verzichtete Boysen erneut auf den 32-Jährigen.

Jan Ferdinands Einwechslung macht sich für Großaspach bezahlt.

Für Sadler sowie Andrew Owusu und Ken Gipson rückten Joel Gerezgiher, Andreas Ivan und Jonas Meiser in die Startelf. Umstellungen, die anfangs nicht die erhoffte Wirkung zeigten. „Wir waren in der ersten Halbzeit schlecht im Spiel“, betonte der SG-Coach hinterher. „Wir haben es spielerisch versucht, aber es war schwierig gegen Hoffenheims Fünferkette.“ Bei Aspacher Ballbesitz ließen sich die Außenspieler der Gäste an die Seite der eigentlichen Dreierkette fallen. Als Reaktion aufs zu seltene Durchkommen in der ersten Halbzeit brachte Boysen für die zweiten 45 Minuten einen sogenannten „Zielspieler, der Kopfballduelle gewinnen und Bälle festmachen sollte“. Die Rede ist von Jan Ferdinand, dessen Einwechslung sich tatsächlich bezahlt machte. Die Flanken fanden nun einen Abnehmer, das 3:3 besorgte der Joker selbst. Insgesamt war der Trainer mit der Offensive weitgehend zufrieden, zumal mit Torjäger Marvin Cuni ein weiterer Angreifer traf. „Wir hätten vielleicht auch noch ein Tor mehr schießen können“, meinte der Trainer und dachte an die tollen Paraden des Hoffenheimer Torwarts sowie die gut initiierten, aber nicht sauber zu Ende gespielten Offensivaktionen, die sein Team auch noch hatte. Letztlich landete Boysen bei seiner Kritik aber wieder bei der Defensive: „Wir haben drei Tore geschossen, aber wir dürfen keine drei Tore kriegen.“

Uneingeschränkt positiv war die Moral zu bewerten, denn das 2:3 in der 85. Minute hätte den Aspachern den Zahn auch ziehen können. Stattdessen legten sie sofort wieder den Vorwärtsgang ein und erzielten 120 Sekunden später das 3:3. „Es ist ein gutes Zeichen, dass die Mannschaft bis zum Schluss an sich glaubt“, freute sich SG-Sportdirektor Joannis Koukoutrigas und konnte dem Remis nach zwei Rückständen und mit Blick auf die späte Freistoßchance der Gäste etwas mehr Positives abgewinnen als der Trainer. Klar ist aber, dass der Druck vor dem nächsten Kellerduell am Mittwoch gegen Koblenz nicht gerade kleiner geworden ist.

Am Mittwoch kommt Koblenz

Im vierten Anlauf soll es am Mittwoch um 18 Uhr endlich klappen mit dem Heimspiel des Fußball-Regionalligisten SG Sonnenhof Großaspach gegen die TuS Rot-Weiß Koblenz. Die Chancen stehen mit Blick auf den Wetterbericht gut – anders als am 20. und am 27. Januar sowie am 10. Februar, als Schnee, Matsch und Eis den Rasen- und den Kunstrasenplatz im Fautenhau unbespielbar gemacht hatten, sind nun frühlingshafte Temperaturen angesagt.

Nahezu ausgeschlossen ist wohl der Einsatz von Sebastian Schiek. Großaspachs Außenverteidiger wurde beim 3:3 gegen Hoffenheim II in der 73. Minute verletzt ausgewechselt und äußerte danach selbst den Verdacht, sich einen Muskelfaserriss im hinteren Oberschenkel zugezogen zu haben. Endgültige Gewissheit bringt aber erst der heutige Arzttermin. Sollte Schiek passen müssen, stünden mitsamt Torwart Oliver Schnitzler und Innenverteidiger Özgür Özdemir wohl drei SG-Akteure auf der Ausfallliste. Komplettiert wird die Englische Woche für den Sonnenhof dann mit dem Gastspiel in Balingen am Samstag (14 Uhr).

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Erstellt:
22. Februar 2021, 06:00 Uhr

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