Dem Schwimmbecken treu geblieben

Zwei ehemalige Schwimmer der TSG Backnang tragen inzwischen die Badekappen der Wasserballer aus dem Murrtal. Von vielen Fähigkeiten, die Jannik Mauthe und Steffen Huthmacher in Fleisch und Blut übergegangen sind, profitiert das Team sehr.

Jannik Mauthe (links mit weißer Kappe) ist seit einem Jahr bei den Wasserballern, Steffen Huthmacher (rechts mit weißer Kappe) unterstützt die Teamkameraden schon seit mehreren Jahren. Zweimal pro Woche trainieren sie im Wonnemar in Backnang. Foto: Tobias Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Jannik Mauthe (links mit weißer Kappe) ist seit einem Jahr bei den Wasserballern, Steffen Huthmacher (rechts mit weißer Kappe) unterstützt die Teamkameraden schon seit mehreren Jahren. Zweimal pro Woche trainieren sie im Wonnemar in Backnang. Foto: Tobias Sellmaier

Von Carolin Aichholz

Was macht ein Schwimmer, wenn er die sportliche Karriere an den Nagel hängen, aber dennoch nicht für immer aus dem Becken steigen möchte? Die Antwort ist naheliegend: Er wechselt zum Wasserball. Genau das haben Jannik Mauthe und Steffen Huthmacher getan, als ihnen der Zeitaufwand für das Training der Leistungsschwimmer bei der TSG Backnang zu hoch wurde.

Über ihre Schwestern kamen sie in jungen Jahren zum Schwimmen, ins tägliche Training haben sie in ihrer Jugend viel Zeit investiert. „Jedes Wochenende haben wir bei Wettkämpfen in Schwimmbädern verbracht, da blieb wenig Zeit für andere Interessen“, erinnert sich Steffen Huthmacher. Als es in die Abiturvorbereitung ging, wechselte der heute 25-Jährige zu den Wasserballern. Jannik Mauthe musste sich nach dem Schulabschluss entscheiden: Entweder schwimmt er bei einem größeren Verein weiter und steckt noch mehr Zeit ins Training oder er muss die Badekappe an den Nagel hängen. „Dann habe ich meine Ausbildung begonnen und hatte auch gar nicht mehr so viel Zeit fürs Training“, sagt der 19-Jährige.

Also musste eine neue Sportart her. „Und mit Wasser sollte es schon sein“, sagt Mauthe, der vor drei Jahren zu den Wasserballern stieß. „Und ich wollte etwas machen, das ich schon kann“, ergänzt Steffen Huthmacher. Er spielt bereits seit 2017 bei den Wasserballern mit. Der Weg dahin war aus vielen Gründen recht kurz. „Die Schwimmer haben immer vor den Wasserballern trainiert, wir haben uns also im Training auch gesehen“, so Mauthe. Manchmal habe man sich ohnehin schon die Schwimmbahnen geteilt.

Das Team an den eigenen Fähigkeiten teilhaben lassen

Das Team hat die Neuzugänge mit offenen Armen begrüßt. „Am Anfang war für mich der Zweikampf im Wasser eher ungewohnt“, sagt Steffen Huthmacher. Doch recht schnell wusste Trainer Ulrich Beuthner Vorteile aus dem jahrelangen Schwimmtraining seiner neuen Spieler zu ziehen. „Jannik hat seinen Kollegen auch schon technische Tipps gegeben“, berichtet Beuthner: „Die Schwimmer bringen einfach ganz andere Voraussetzungen mit als die Nachwuchsspieler, die aus unserer Wasserballjugend kommen. Die lieben das Spielen sehr, ihr Manko ist aber eben oft die Schwimmtechnik.“

Die Entscheidung, auf welchen Positionen die beiden Ex-Schwimmer spielen sollen, fiel darum nicht schwer, verrät Ulrich Beuthner (siehe Infotext). „Unsere Außenspieler müssen größere Strecken zurücklegen und müssen auch mal Konter schwimmen.“ Hier zeigt sich ein weiterer Glücksfall für die Wasserballer, denn Rechtshänder Steffen Huthmacher und Linkshänder Jannik Mauthe ergänzen sich perfekt.

Das Spielen im Team ist für die ehemaligen Einzelkämpfer eine Umstellung, die Vor- und Nachteile mit sich bringt. „Als Schwimmer startet man für sich alleine, keiner hängt von den eigenen Leistungen ab und man selbst hängt auch nicht von anderen ab“, sagt Jannik Mauthe. „Und am Spieltag oder wenn die Leute nicht ins Training kommen, fällt ihre Leistung dann eben auch auf uns zurück“, ergänzt Huthmacher. Was Jannik Mauthe am Schwimmen zudem vermisst, ist das „Wettkampffeeling“: „Das Adrenalin, wenn du am Startblock stehst und weißt, du trittst gleich direkt gegen andere an, das fehlt ein bisschen.“

Dennoch wollen beide nicht mehr dorthin zurück. So viele Trainingstage mit der damaligen Intensität zu absolvieren, können sie sich heute nicht mehr vorstellen. „Und man gibt auch viel dafür auf“, sagt Steffen Huthmacher. Beim Schwimmen waren sie zudem meist die wenigen „Hähne im Korb“. Zwei oder drei Jungen unter 15 bis 20 Mädchen waren damals normal. Beim Wasserball ist es genau andersrum. Dort sind die Spielerinnen Regina Bock und Julia Gfrörer die einzigen Frauen im Team in der gemischten Mannschaft.

Das nächste Spiel In der Bezirksliga Süd-/ Ostwürttemberg spielt die Wasserballmannschaft der TSG Backnang am Sonntag, 7. April, im Wonnemar in Backnang gegen den SSV Ulm.
Die Spieler und ihre Positionen im Wasserball

Mannschaft Das Team besteht aus maximal 13 Spielern, von denen sich ein Torhüter und sechs Feldspieler im Wasser befinden. Die übrigen Spieler können nach Bedarf eingewechselt werden. Gespielt werden viermal acht Minuten effektiv.

Torhüter Er muss in seiner Spielhälfte bleiben und darf im eigenen Fünfmeterraum als einziger den Ball mit beiden Händen anfassen.

Angriff Der Centerspieler ist der Mittelpunkt des Angriffs. Er steht mit dem Rücken zum Tor und wird von den beiden Außenspielern flankiert. Diese müssen bei einem Konter fix reagieren und schnell ins gegnerische Feld schwimmen. Sie müssen darum häufig über die ganze Feldlänge schwimmen, um ihre Angriffs- oder Verteidigungsposition einzunehmen. Sie legen die weitesten Strecken zurück.

Verteidigung Der Centerverteidiger deckt den gegnerischen Centerspieler und versucht, so an den Ball zu gelangen. Zwischen beiden Spielern entwickeln sich oft heftige Zweikämpfe. Die Verteidiger werden von den Positionen halb rechts und halb links ergänzt. Sie wechseln während des Angriffs ihre Positionen oft mit den Außenspielern oder dem Center, um die gegnerische Verteidigung zu verwirren.

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Erstellt:
3. April 2024, 10:04 Uhr

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