Deniz Undav macht das Publikum froh

Der Stürmer des VfB Stuttgart sitzt auch im Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana zunächst auf der Bank, entscheidet mit seinem Treffer zum 2:1 dann aber die Partie in Stuttgart.

Von Marco Seliger

Stuttgart - Es lief schon die Schlussphase in diesem letzten Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor der Nominierung des WM-Kaders am 12. Mai. Und es sah so aus, als ob es ein eher enttäuschender Abend bleiben würde. Das Team von Julian Nagelsmann hatte gut begonnen, geführt, aber dann den Ausgleich gegen Ghana kassiert. Das 1:1 schien beschlossene Sache. Ehe die 52 723 Zuschauer genau jenen Moment bekamen, den sie sich gewünscht hatten.

Der eingewechselte Leon Goretzka chippte den Ball in den Strafraum der Black Stars. Dort köpfte Leroy Sané, der ebenfalls frisch im Spiel war. Und am Ende dieser Kombination gelangte die Kugel zu Deniz Undav – der akrobatisch abschloss. Zum 2:1 fürs deutsche Team. Für die Zuschauer, die ihn schon in Hälfte eins lautstark gefordert hatte. Und auch ein bisschen als Zeichen an den Bundestrainer. „Den Sieg geholt, das entscheidende Tor gemacht – top“, sagte Undav.

Julian Nagelsmann hatte seine Mannschaft gegenüber dem 4:3 am Freitag in Basel auf vier Positionen umgebaut. Nick Woltemade war dabei, auch Nathaniel Brown, ebenso wie Pascal Groß und Alexander Nübel. Ein anderer dagegen musste dagegen erneut auf der Bank Platz nehmen – obwohl die Zuschauer ihn doch so gerne in der Startelf gesehen hätten.

Nagelsmann aber verzichtete auch in Stuttgart zunächst auf Deniz Undav – und zementierte damit dessen Rolle. Die im Nationalteam maximal jene als Joker ist, obwohl der 29-jährige Angreifer des VfB Stuttgart in der Bundesliga schon 18 Treffer erzielt hat. Wettbewerbsübergreifend steht er gar bei 23 Toren und 13 Vorlagen in dieser Saison. Allerdings: Zu Beginn kam das deutsche Spiel auch ohne Deniz Undav in Fahrt.

Die Gäste wirkten komplett überfordert in den ersten Minuten, als die Mannschaft von Julian Nagelsmann hoch presste, schnell kombinierte und so dem Gegner kaum Luft zum Atmen ließ. Folgerichtig kam die DFB-Elf dann auch zu guten Chancen. Nick Woltemade, dem der Bundestrainer Selbstvertrauen schenken mochte, vergab die erste nach vier Minuten. Ein Freistoß von Florian Wirtz touchierte den Außenpfosten, nach einer halben Stunde wurde ein Schuss von Jonathan Tah noch abgefälscht – so dass der Ball knapp über die Latte ging.

Von den Black Stars war bis dahin wenig bis nichts zu sehen gewesen, scheinbar wirkte das 1:5 in Österreich vom vergangenen Freitag noch nach. Aber nach und nach trauten auch sie sich mehr zu – nach Ballgewinnen ging es plötzlich schnell nach vorne. Der VfB-Torühter Alexander Nübel bekam dennoch kaum etwas zu tun. Und gerade, als die Partie ziemlich abgeflaut war, kam die deutsche Mannschaft dann doch noch zur verdienten Pausenführung.

Florian Wirtz war auf der linken Seite bis zur Grundlinie durchgekommen. Der Doppeltorschütze aus dem Spiel in der Schweiz legte den Ball dann überlegt zurück – und Angelo Stiller kam zum Abschluss. Der Mittelfeldstratege schoss – und riss gleich danach die Arme nach oben. Weil er ein Handspiel gesehen haben wollte. Und tatsächlich: Jonas Adjetey hatte den Ball mit einem rechten Arm geblockt, folgerichtig gab es in der Nachspielzeit der ersten Hälfte einen Strafstoß, den Kai Havertz sicher verwandelte.

Direkt nach der Pause waren dann zwar die Zuschauer zufrieden: Neben Antonio Rüdiger und Lennart Karl kam auch Deniz Undav ins Spiel. Die deutsche Mannschaft tat sich aber schwer, wieder wirklich gefährlich vor das ghanaische Tor zu kommen. Echte Treffermöglichkeiten gab es kaum noch – dafür aber den Schock auf der Gegenseite.

Mittlerweile waren auch David Raum, Leon Goretzka, Chris Führich und Josha Vagnoman eingewechselt worden. Doch gerade Letzterer sah in der 70. Minute unglücklich aus. Erst war seine rechte Abwehrseite zu offen, dann verlor er den Zweikampf mit Derrick Köhn. Der Ghanaer brachte den Ball gezielt nach innen, wo Abdul Fatawu zum 1:1 traf. Der Jubel war groß bei den Afrikaner und ihren Fans. Doch das bessere Ende hatte dann doch die deutsche Mannschaft für sich.

Dank Deniz Undav, der sich – wie seine diesmal nominierten Mitspieler des VfB – nun wieder in der Bundesliga beweisen muss. Bis am 12. Mai Julian Nagelsmann seine WM-Entscheidung bekannt gibt. „Ich kenne meine Rolle“, sagte Undav über sein Gespräch mit dem Bundestrainer – und ergänzte vielsagend: „Durch solche Tore kann sich meine Rolle vielleicht auch ändern.“

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Erstellt:
30. März 2026, 23:20 Uhr
Aktualisiert:
30. März 2026, 23:59 Uhr

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