Konflikt mit den USA

Der Iran spielt auf Zeit

Die Regierungen in Teheran und Washington verhandeln miteinander – und drohen einander zugleich: mit Kriegsschiffen und Raketen.

Irans Regimechef Ajatollah Ali Chamenei warnt Amerika davor, anzugreifen.

© Vahid Salemi/AP/dpa

Irans Regimechef Ajatollah Ali Chamenei warnt Amerika davor, anzugreifen.

Von Thomas Seibert

Der Iran und die USA haben Verhandlungen aufgenommen, um einen neuen Krieg zu verhindern, heizen den Konflikt aber zugleich an. Die iranische Revolutionsgarde begann am Sonntag mit einem Seemanöver in der Straße von Hormuz, einer wichtigen Wasserstraße für den internationalen Ölhandel. Regimechef Ajatollah Ali Chamenei warnte, wenn Amerika angreife, werde die ganze Region in einen Krieg gerissen. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran mit den Worten, die USA hätten „große und starke Kriegsschiffe“ in der Region. Er hoffe aber auf eine Verhandlungslösung.

Beide Seiten bestätigten, dass sie miteinander sprechen. Trump dringt dabei auf rasche Vereinbarungen, Teheran dagegen will sich viel Zeit lassen, um die unmittelbare Kriegsgefahr zu überstehen. Medienberichten zufolge wollen die USA noch nicht angreifen, weil die Verteidigung von Partnern wie Israel gegen iranische Vergeltungsschläge gestärkt werden soll. Trump werde aber nicht ewig warten, sagte der US-Botschafter bei der Nato, Matthew Whitaker: „Der Ball ist im Feld der Iraner“, sagte Whitaker dem US-Sender Fox News.

Trump hat „Armada“ aus Kriegsschiffen

Trump droht seit Wochen mit einem Militärschlag gegen den Iran und hat eine „Armada“ aus US-Kriegsschiffen in der Nähe der Islamischen Republik zusammengezogen. Ursprünglich begründete er seine Drohungen mit der Niederschlagung des jüngsten Volksaufstandes im Iran, bei dem fast 7000 Menschen getötet wurden.

Inzwischen fordert Trump strikte Begrenzungen des iranischen Atomprogramms. Außerdem will er, dass der Iran sein Raketenarsenal verkleinert, das US-Verbündete wie Israel und die arabischen Staaten bedroht. Als weiteres Ziel nennen US-Unterhändler ein Ende der aggressiven iranischen Außenpolitik im Nahen Osten, die Milizen wie die Hisbollah im Libanon und die Huthis im Jemen mit Geld und Waffen ausstattet.

Iraner wollen Geld lieber in die eigene Wirtschaft stecken

Er hoffe auf ein „akzeptables“ Ergebnis der Verhandlungen mit dem Iran, sagte Trump. Es gebe „ernsthafte“ Gespräche. Der Vorsitzende des iranischen Sicherheitsrates, Ali Laridschani, bestätigte Fortschritte bei der Vorbereitung von Verhandlungen. Fünf Verhandlungsrunden iranischer und amerikanischer Unterhändler im vorigen Jahr waren ergebnislos geblieben: Im Juni griff Israel iranische Atom- und Regierungseinrichtungen an, und die USA beteiligten sich in der Endphase des zwölftägigen Krieges.

Der Iran ist nach Aussagen von Regierungspolitikern bereit für Gespräche über das Atomprogramm des Landes. Teheran wolle den USA und den Nachbarn beweisen, dass dieses Programm ausschließlich friedlichen Zwecke dienen, sagt Serhan Afacan, der Direktor des Zentrums für Iran-Studien in der türkischen Hauptstadt Ankara.

Auch Abstriche bei der Unterstützung für Gruppen wie die Hisbollah und die Huthis sind möglich. Viele Iraner fordern, die teuren außenpolitischen Abenteuer zu beenden und das Geld stattdessen in die iranische Wirtschaft zu stecken.

Keine Kompromisse bei den Raketen

Über seine Raketen wolle der Iran aber nicht reden, sagte Afacan im türkischen Staatssender TRT. Die schätzungsweise 3000 iranischen Raketen können Israel, die Golf-Staaten und US-Stützpunkte im Nahen Osten treffen und sind aus Teheraner Sicht ein unverzichtbares Instrument der Abschreckung: Ohne die Möglichkeit von Vergeltungsschlägen mit Raketen wäre der Iran wehrlos gegen israelische oder amerikanische Angriffe, denn die Flugabwehrsysteme des Landes sind veraltet und seit dem Juni-Krieg stark dezimiert. Entsprechend schwer werde es, den Iran zu Kompromissen bei den Raketen zu bewegen, meint Afacan.

Einen Termin für ein Treffen des iranischen Außenministers Abbas Arraghci mit Trumps Berater Steve Witkoff gibt es noch nicht. Laridschanis Hinweis darauf, dass die Verhandlungen erst noch vorbereitet werden müssten, lässt auf eine iranische Hinhalte-Taktik schließen. Teheran erwartet offenbar, dass Trump nicht zuschlagen wird, solange der Verhandlungsprozess andauert.

Wird Trump den Angriff befehlen?

Kurzfristig könnte das Kalkül der iranischen Führung aufgehen. Das „Wall Street Journal“ berichtete, die USA wollten vor einem Angriff auf den Iran den Schutz für Israel, arabische Länder und die US-Truppen im Nahen Osten verbessern. Wie lange das dauern wird, ist ungewiss.

Bei arabischen Politikern weckt der militärische Aufmarsch der USA in der Region jedoch die Erwartung, dass Trump den amerikanischen Schiffen und Flugzeugen letztendlich den Angriff befehlen wird, um glaubwürdig zu bleiben. Der saudische Verteidigungsminister Khalid bin Salman, ein Bruder von Kronprinz und Machthaber Mohammed bin Salman, sagte laut einem Bericht der Nachrichtenseite Axios bei einem Besuch in Washington, die US-Regierung gehe ein Risiko ein, wenn sie auf den Angriff verzichte: Sollte die US-Streitmacht unverrichteter Dinge wieder abziehen, werde das iranische Regime gestärkt.

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Erstellt:
1. Februar 2026, 16:16 Uhr

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