Wintermanöver „Cold Response 2026“

Deutsche Fernspäher und Gebirgsjäger in der Arktis

Bundeskanzler Friedrich Merz besucht eine der größten Nato-Übungen der vergangenen Jahre in Norwegen. Hier übt das Bündnis, wie eine entlegene Region verteidigt werden kann.

Ein deutscher Fernspäher übt in Norwegen, wie er sich retten kann, bricht er ins Eis ein.

© Bundeswehr

Ein deutscher Fernspäher übt in Norwegen, wie er sich retten kann, bricht er ins Eis ein.

Von Franz Feyder

Sie haben es sich kuschelig gemacht: Eine Höhle in den Schnee gebuddelt, zwei Mann lang, zwei breit. Haben ihre 80 Kilo schweren Rucksäcke darin verstaut, den Eingang des Unterschlupfs wieder zugeschaufelt. Nur ein kleines Loch für die Spiegelreflexkamera haben sie gelassen. Die kommende Woche wird die enge Behausung Schlaf-, Ess- und Arbeitszimmer, Küche und Toilette für die deutschen Fernspäher sein.

Bei Temperaturen bis zu minus 30 Grad wird das Quartett das im Norden Norwegens machen, was weltweit nur wenige Spezialeinheiten können. Und wo auch Technik versagt: Sie sammeln strategisch wichtige Informationen über Verkehrs- und logistische Knotenpunkte, Abschussrampen und Truppenbewegen, sogenannte Schlüsselinformationen. Mit diesen Informationen wiederum planen Generäle Gefechte und Schlachten – Auch bei der Übung „Cold Response“ – „kalte Reaktion“, die seit Tagen läuft.

Die Städte Tromso, Narvik, Bardufoss, Setermoen und Alta begrenzen den etwa 100 000 Quadratkilometer großen Übungsraum für die bis zu 32 500 Soldaten aus 14 Staaten der Nato und ihrer Partner. 1600 hat die Bundeswehr in den Norden Europas in Marsch gesetzt: Infanteristen der Gebirgsjägerbrigade 23 aus Bad Reichenhall, Fernspäher, die unentdeckt Informationen sammeln sollen, Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte, Heeresflieger und Transportflieger der Luftwaffe.

Das Szenario: Finnland wird angegriffen, der Krieg greift auf Norwegen über. Es gilt, den Feind zurückzuschlagen. Nicht nur eine militärische Aufgabe in der Übung: Erstmals integriert die Nato zivile Krankenhäuser und Rettungsdienste in ein Manöver, probt mit zivilen Behörden, wie große Truppenverbände von einem Ort zum anderen geleitet und untergebracht, Flüchtlingsströme gelenkt werden können, lassen Munition und Lebensmittel durch zivile Logistikunternehmen bis nahe der Front liefern. Und das unter den widrigen Bedingungen, die weit über dem Polarkreis herrschen.

„Um hier bestehen zu können, bedarf es der Ausbildung, der Expertise, der Disziplin und einer entsprechenden Härte“, sagt Oberst Holger Peterat, Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23. Der gelernte Panzergrenadier bringt seine Erfahrungen für schnelle, bewegliche geführte Gefechte in die Übung ein. Aus gutem Grund: Als Reserve zurückgehalten sollen die Gebirgsjäger den Übungsfeind in einem Gegenangriff über mehrere Tage aus dem Land werfen.

Deutsche Gebirgsjäger sollen den Übungsfeind angreifen

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist zur Anschauung nach Norwegen gekommen, ebenso wie der kanadische Premier Mark Carney. Beide besuchen die Truppe. Ein Zeichen in zwei Richtungen: Russland soll so klar gemacht werden, dass die Nato sich auch in entlegenen, strategisch wichtigen Gebieten zu verteidigen weiß. In der Arktis vermuten Geologen 13 Prozent der weltweit unentdeckten Öl- und 30 Prozent der unentdeckten Gasreserven. Dazu ungeahnte Vorkommen an seltenen Metallen und Mineralien. Russland baut deshalb seine Präsenz in der Region kontinuierlich aus: Flugplätze, Radarstationen, Basen, Luftabwehr- und Boden-See-Raketen.

NATO straft Donald Trump Lügen

Zum anderen ist der Besuch ein Fingerzeig gegenüber den USA, wo Präsident Donald Trump immer noch auf Grönland schielt, das er sich einverleiben will. Die schon lange vor dessen Vereidigung im Januar 2025 vorbereitete Übung straft Trump Lügen. Der behauptet heute noch, die Nato habe weder die strategische Bedeutung der Arktis erkannt noch tue sie etwas für deren Verteidigung.

Dabei trainieren dort deutsche Fernspäher schon seit Jahrzehnten – auch in Norwegen: Sie lernten, wie sich sich aus eiskaltem Wasser befreien, wenn sie bei Märschen über zugefrorene Seen einbrechen. Wie sie sich in Schneewüsten orientieren, wenn sie nachts auf Skiern oder Schneemobilen zu ihren Verstecken schleichen. Wie sie ihre Spuren verwischen und in ihren Höhlen verschwinden. Um ihre Kamera und ihren Laptop aufzubauen. Und den Generälen Schlüsselinformationen aus der Tiefe des vom Feind besetzten Gebietes liefern können.

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Erstellt:
13. März 2026, 16:13 Uhr

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