Die Asiatische Hornisse erreicht die Region

Die invasive Art bedroht Bienen, den Obst- und Weinbau sowie die Artenvielfalt. Imker bitten um Hinweise aus der Bevölkerung.

Typisch für die Asiatische Hornisse sind ein schwarzer Brustbereich, der gelb-orangefarbene Hinterleib mit dunklen Bändern und die gelben Beine. Foto: Thomas Beissel

Typisch für die Asiatische Hornisse sind ein schwarzer Brustbereich, der gelb-orangefarbene Hinterleib mit dunklen Bändern und die gelben Beine. Foto: Thomas Beissel

Murrhardt. Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist zwischen Rems und Murr angekommen. Die invasive Art entwickelt sich zum Problem für die Natur und die Landwirtschaft. Sie gefährdet wegen ihres großen Hungers auch und vor allem die heimische ökologische Vielfalt. Um Schäden einzudämmen, setzen die örtlichen Imkervereine auch auf die Hilfe der Bevölkerung. Die Asiatische Hornisse breitet sich seit 2004 in Europa aus, wie der Bezirksbienenzüchterverein Murrhardt in einer Pressemitteilung zum Thema erläutert. Zur Beute der Vespa velutina gehören unter anderem Wildbienen, Honigbienen, Hummeln und Schmetterlinge. Im Umfeld ihrer Nester sinken Obst- und Honigerträge, wenn Honigbienen, Wildbienen und andere Insekten von dieser Hornisse bejagt werden. Betroffene Landwirte berichten von erheblichen Fraßschäden im Obst- und Weinbau.

Die Asiatische Hornisse ist etwas kleiner als die heimische Europäische Hornisse. Charakteristisch sind ihr überwiegend dunkler Körper, ein schwarzer Brustbereich, ein gelb-orangefarbener Hinterleib mit dunklen Bändern sowie auffällig gelbe Beine. Ihre Nester befinden sich häufig hoch in Bäumen, können aber auch an Gebäuden, in Schuppen oder in Hecken vorkommen.

Im Frühjahr baut die Asiatische Hornisse kleine Gründungsnester, sogenannte Primärnester, an geschützten Stellen, zu Beispiel an Decken von Garagen und Gartenhäuschen. Im Lauf des Sommers werden bis zu einem Meter große Sekundärnester im Freien, häufig hoch oben in Baumkronen, gebaut. Die Art verhält sich grundsätzlich wenig aggressiv, solange man nicht in die Nähe ihrer Nester kommt. Sie verteidigen jedoch ihr Nest konsequent. Bei Annäherung oder Erschütterung kann es schnell zu Angriffen kommen. Ihre Stiche sind vergleichbar mit denen der heimischen Europäischen Hornisse oder Wespe. Dennoch kann es in Einzelfällen zu allergischen Reaktionen kommen.

Die Imkervereine zwischen Rems und Murr haben sich zusammengetan, um diesen Schädling gemeinsam zu bekämpfen. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Die ökologische Vielfalt steht durch die Vespa velutina massiv unter Druck.

Imker sowie Wein- und Obstbauern müssen mit spürbaren Ertragseinbußen rechnen.

Stücklesbesitzer, Gartenpfleger und Naturliebhaber sind durch Stiche erheblich gefährdet.

Das Landesministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft hat erkannt, dass die Ausbreitung dieser invasiven Art nicht mehr zu verhindern ist. Deshalb fordert es jetzt Initiativen zum Management der Hornissen.

Aufgrund der starken Vermehrung der Hornissen wird auch der Nestbau zunehmen, was es zu verhindern gilt.

Um das Problem einzudämmen und die Schäden möglichst gering zu halten, haben sich Imker sowie Obst- und Weinbauern aus Winnenden, Murrhardt, Waiblingen, Welzheim, Schorndorf und dem Zabergäu zusammengetan. Solch eine Kooperation zur Eindämmung und Nestentfernung ist neu und verdeutlicht den Handlungsdruck.

Um diesen großen Schädling allerdings möglichst effektiv bekämpfen zu können, bitten die Imkerinnen und Imker zusätzlich um die Unterstützung der Bevölkerung.

Die Königinnen kommen ab Ende Februar/Anfang März aus ihren Winterverstecken, um ein neues Volk zu gründen. Ab diesem Zeitpunkt ist die erhöhte Aufmerksamkeit auch in der Bevölkerung, gefragt. Jetzt bauen die Hornissenköniginnen in Schuppen, Garagen und an anderen geschützten Stellen kugelförmige sogenannte Primärnester (etwa 15 Zentimeter). Im Sommer entstehen dann eindrucksvolle Sekundärnester (bis zu 100 Zentimeter) mit bis zu 2000 Tieren. Man findet sie in hohen Bäumen, aber auch in Hecken und Sträuchern.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Gründung eines neuen Volks zu verhindern. Die erste ist, das Abfangen der hungrigen Königinnen mithilfe sogenannter Lock- beziehungsweise Dochttöpfe. Diese können beispielsweise auf das Fensterbrett gestellt werden. Einen Dochttopf herzustellen ist einfach: Schraubglas, Loch in den Deckel, Docht aus gefaltetem Küchentuch oder Leinen durch das Loch ziehen, er sollte bis auf den Boden reichen. Der Lockstoff zum Befüllen des Glases: je ein Drittel Bier, lieblicher Wein und Himbeersirup oder Ähnliches. Dabei kann normalerweise kein Fehler passieren, weil im genannten Zeitraum nur Königinnen unterwegs sind. Es ist allerdings wichtig, die Vespa velutina eindeutig zu erkennen, damit nicht die Gefahr besteht, versehentlich eine Königin der geschützten heimischen Art einzufangen.

Die zweite Möglichkeit ist, Primärnester ausfindig zu machen und zu melden. Wer also im Zeitraum von März bis Mai eine Königin oder eines der Primärnester der Asiatischen Hornisse entdeckt, sollte den Fundort der Stadt melden (Kontakt siehe unten). Wenn es möglich ist, sollten die Sichtungen genau dokumentiert werden, am besten mit Foto, Ort und Datum. Wichtig: keine eigenen Bekämpfungsversuche unternehmen. Nester eigenständig zu beseitigen, kann gefährlich sein. Die Tiere verteidigen ihr Nest aggressiv. Aus Gründen des Naturschutzes darf es nicht zur Verwechslung mit der heimischen Hornisse oder Wespe kommen. pm

Kontakt Wer die Tiere oder ein Nest entdeckt, kann sich im Raum Murrhardt an die Stadt Murrhardt, Amt für Ordnung und Soziales, wenden, per Telefon 07192/213-130 oder E-Mail: m.spreu@murrhardt.de. Weitere Infos über die Asiatische Hornisse finden sich unter https://bienenkunde.uni-hohenheim.de/vespavelutina.

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Erstellt:
23. Februar 2026, 06:00 Uhr

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