7000 Jahre alte Funde
Die Biber-Jäger von Alsleben
Ein unscheinbarer Erdgraben nahe der Saale entpuppt sich als außergewöhnliches Fenster in die Lebenswelt der ersten Bauern Mitteldeutschlands. Bei Alsleben im Salzlandkreis haben Archäologen Überreste von mindestens zwölf Bibern entdeckt – rund 7000 Jahre alt.
© Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt/Klaus Bentele
Die Biberzähne sind deutlich an ihrer typischen orange bis rötlich-braunen Färbung erkennbar.
Von Markus Brauer
Eine bereits 2024 bei Alsleben in Sachsen-Anhalt im Block geborgene Grube aus der frühen Jungsteinzeit gibt nun ihre Geheimnisse preis: Der Befund enthält Überreste von mindestens 12 Bibern, die wohl wegen ihres Pelzes gejagt wurden.
Tierknochenfunde in fast 7000 Jahre alter Grube
Für die Gleichstromtrasse SüdOstLink soll die Saale bei Alsleben im Salzlandkreis mit Hilfe eines geschlossenen Verfahrens unterquert werden. Im Bereich der Startgrube wurde durch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt eine oberhalb der Saale gelegene Geländemarke untersucht. Das Areal war bereits im Neolithikum (Jungsteinzeit) als Siedlungsplatz ausgewählt worden und auch in der Bronze- und Eisenzeit nicht in Vergessenheit geraten.
Unter einer Vielzahl an Pfostengruben, Vorratsgruben, Schlitzgruben und auch Grablegen stach ein Befund besonders heraus. Eine zunächst unscheinbar wirkende Grube von etwa 80 Zentimetern Durchmesser war dicht mit Tierknochen verfüllt worden, unter denen die typisch orange bis rötlich-braun gefärbten Zähne von Bibern sofort auffielen.
Noch am Grabungsplatz wurde in den oberen fünf Zentimetern der Verfüllung ein Feuersteinartefakt entdeckt, das auf eine frühe Zeitstellung des Befundes hinwies. Eine Radiokarbondatierung bestätigte das hohe Alter der Grube. Sie gehört in den Zeitraum zwischen 4935 bis 4787 v. Chr., in die nach ihrer Keramik so benannte Stichbandkeramische Kultur.
Gute erhaltene Knochen von Bibern
Die Knochenpackung in der Grube besteht ausschließlich aus den Überresten von Bibern. Die Knochen sind ausgesprochen gut erhalten. Anhand der bereits freigelegten Schädel ist davon auszugehen, dass in der Grube die Reste von mindestens zwölf Individuen entsorgt wurden. Verschiedene Altersklassen von recht jungen (1. Lebensjahr) bis zu alten Tieren (über acht Jahre) lassen sich aufgrund der Knochen belegen.
In Alsleben dürfte die Jagd auf Biber an der Saale möglich gewesen sein. Die Konzentration der Knochen in einem einzigen Befund spricht für ein einmaliges Ereignis. Vermutlich wurden die Tiere zur Pelzgewinnung gejagt, gehäutet und die Kadaver zwischengelagert, bis sie zerfallen waren. Die einzelnen Knochen wurden später in der Grube entsorgt.
Der Befund von Alsleben verweist damit nicht nur auf spezialisierte Jagdstrategien im frühen Neolithikum, er lässt auch Rückschlüsse auf die Kleidung in dieser Zeit zu, die wir uns recht aufwendig vorstellen dürfen.
