Länderspiel in der Schweiz

Die fantastische Wirtz-Show – da schwärmt selbst der Gegner

Mit zwei Treffern und zwei Torvorlagen hat der Nationalspieler die Begegnung in Basel entschieden. Nun äußert nicht nur er sich zum Offensivspektakel.

Der Dank geht an die Fans und der Applaus gilt im Grunde ihm selbst: Florian Wirtz nach dem Spiel in Basel.

© Tom Weller/dpa

Der Dank geht an die Fans und der Applaus gilt im Grunde ihm selbst: Florian Wirtz nach dem Spiel in Basel.

Von Carlos Ubina

Da stand er nun und grinste verlegen. Florian Wirtz, 1,77 Meter groß, mit einem extrafeinen Fuß ausgestattet und der Mann des Abends im Basler St. Jakobs Park. „Ja, das würde ich unterschreiben“, sagte der 22-Jährige nach dem 4:3-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Schweiz. Es war die Antwort auf die Frage, ob das 38. Länderspiel sein bisher bestes gewesen war. „Ich glaube, vier Scorer sind mir noch nie in einem Spiel gelungen“, ergänzte der Offensivspieler des FC Liverpool.

Zwei plus zwei lautete die Erfolgsformel. Wirtz erzielte zwei Tore, bei denen die Experten gerne darüber diskutieren dürfen, welches der kunstvollere Schuss gewesen ist. Beide Male landete die Kugel jedenfalls im Toreck, beide Male schlenzte er fast aus dem Stand das runde Ding in den Kasten von Gregor Kobel (61./86.). „Es war ein schönes Tor. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich wollte den genauso reinmachen. Dass der Ball so eingeschlagen ist, ist top“, sagte Wirtz zum 3:2 – der fußballerische Höhepunkt im deutschen Offensivspektakel. Sein zweiter sehenswerter Treffer bedeutete den Sieg im WM-Test gegen die effizienten Eidgenossen.

Zwei Torvorlagen lieferte Wirtz dazu – erst per Flanke auf den Kopf von Jonathan Tah, dann per Traumpass auf Serge Gnabry (26./45.+2). „In den wichtigen Momenten muss es da sein. Diesmal hat es geklappt“, meinte Wirtz zu seiner Galavorstellung mit den Länderspiel-Toren neun und zehn im Trikot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Damit beseitigte er vollends die Zweifel, die nach einem schwierigen Saisonstart in England aufgekommen waren.

Wirtz benötigte nach seinem Wechsel von Leverkusen nach Liverpool (für eine Ablöse von 125 Millionen Euro) einige Zeit, um wieder sein ganzes Können auf den Platz zu bringen. Zweieinhalb Monate vor Beginn der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko hat er jedoch unterstrichen, dass er auf der anderen Seite des Atlantiks ein Unterschiedsspieler auf höchstem Niveau sein kann. „Er ist außergewöhnlich. Und es waren außergewöhnliche Tore“, sagte Julian Nagelsmann. Der Bundestrainer adelte seine Nummer 17 „schon als Weltfußballer“.

Von der Tribüne war der DFB-Sportdirektor Rudi Völler nach dem Abpfiff auf den Platz geeilt, um Wirtz strahlend in den Arm zu nehmen. Anschließend sprach der Weltmeister von 1990 in den Stadionkatakomben vom Ausnahmespieler „mit dem Zauberfüßchen“. Selbst der Gegner geriet ins Schwärmen. „Den macht er brutal. Ich habe komplett mit einer Flanke gerechnet, aber so, wie er trifft … Weltklasse!“, sagte Gregor Kobel über das 3:2. „Es ist ein Genuss, ihn zu erleben – ganz gleich, ob als Mitspieler, wie zwei Jahre lang in Leverkusen, oder auch jetzt als Gegner“, führte der Schweizer Kapitän Granit Xhaka aus, „er hat eine Riesenzukunft vor sich.“

In der Gegenwart glaubt Wirtz mit dem DFB-Team auf einem guten Weg zu sein. „Wir sind eine große Fußballnation und brauchen uns vor keinem Gegner klein zu machen“, sagte der Edeltechniker mit Blick auf die WM-Ambitionen. Auf der großen Bühne in Nordamerika will er dann weitere Zaubershows liefern – am liebsten mit dem kongenialen Partner Jamal Musiala vom FC Bayern. „Ich hoffe natürlich, dass er nach seiner Verletzungspause bald wieder zu hundert Prozent fit ist und freue mich, bald wieder mit ihm zusammenzuspielen.“ Aber zunächst steht am Montag der Auftritt in Stuttgart gegen Ghana an – ohne Musiala.

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Erstellt:
28. März 2026, 09:20 Uhr

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