Die Lust auf bessere Zeiten treibt die Gastronomie an
Viel Zuversicht, klare Forderungen und ein spürbarer Aufbruch: Beim Dehoga-Neujahrsempfang wird deutlich, dass die Lust auf bessere Zeiten die Branche antreibt.
Von Uwe Bogen
Stuttgart - Gesundheit ist das Wichtigste im Leben. Fast. Beim Neujahrsempfang des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Stuttgart in der Alten Reithalle des Hotels Maritim wird schnell klar: Wichtig sind auch Glück, Zuversicht – und verlässliche politische Rahmenbedingungen. Dehoga-Geschäftsführer Jochen Alber bringt es als Moderator zu Beginn schmunzelnd auf den Punkt: „Auf der Titanic waren auch alle gesund – nur das Glück hat gefehlt.“ Davon, so der Tenor des Abends, dürfe der Branche künftig gern mehr vergönnt sein.
Etwa 500 Gäste aus Gastronomie, Hotellerie, Politik und Wirtschaft sind der Einladung gefolgt. Nach harten Jahren mit Pandemie, Kostenexplosion und Personalmangel ist der Empfang diesmal auffallend fröhlich. Es wird viel gelacht, intensiv genetzwerkt – und vor allem optimistisch nach vorn geblickt. „Man spürt richtig die Lust auf bessere Zeiten“, sagt ein Besucher.
Neuer Tarifvertrag bringt Lohnerhöhungen
Ganz sorgenfrei ist die Branche allerdings noch lange nicht. Zwar habe die Absenkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent bei Speisen etwas Entlastung gebracht, betont Alber, doch steigende Kosten bei Energie, Waren und Personal zehrten diese Effekte vielerorts wieder auf. Wichtig sei, dass von der Steuersenkung alle profitieren: Lieferanten, Beschäftigte, Betriebe und Gäste gleichermaßen. Etliche Gastronomen in Stuttgart hätten tatsächlich Preise auf der Speisekarte gesenkt, ist zu hören. Dass dies möglich ist, zeigt ein weiteres zentrales Thema des Abends. Hans-Ulrich Kauderer, Vorsitzender des Dehoga Baden-Württemberg, berichtet von der Einigung mit der Gewerkschaft auf einen neuen Tarifvertrag. In drei Stufen steigen die Löhne und Gehälter der Beschäftigten: im April 2026 um 3,5 Prozent, im Januar 2027 nochmals um 3,5 Prozent und im September 2027 um weitere zwei Prozent. Auch die Auszubildenden profitieren von den Erhöhungen.
Ohne die Mehrwertsteuersenkung, sagt Kauderer, wäre dieser Abschluss kaum möglich gewesen. Staatssekretär Patrick Rapp (CDU) bezeichnet die sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen als „enorm wichtigen ersten Schritt“. Aber es müsse nun weitergehen. Beispielsweise müsste die Bürokratie Stück für Stück abgebaut werden. Auch die Arbeitszeitflexibilisierung sei ein wichtiges Thema. Es gehe außerdem darum,mehr Touristen nach Stuttgart zu holen.
Genau hier setzt Jochen Albers Forderung an: Der Flughafen Stuttgart müsse international attraktiver werden. Ausländische Gäste könnten Stuttgart als Ausgangspunkt für Reisen nach Metzingen oder Neuschwanstein nutzen – und nicht immer über Frankfurt einreisen.
Bessere Werbung für Stuttgart in Dubai
Auch die internationale Vermarktung der Stadt kommt zur Sprache. Die Werbung für Stuttgart etwa in Dubai müsse deutlich verbessert werden, fordert der Dehoga-Geschäftsführer: „Dort leben viele autoaffine Menschen – die sollte man zur Wiege des Automobilbaus mit zwei großartigen Museen locken.“
Das Thema Tourismus führt unter den Gästen zu lebhaften Diskussionen über das geplante Stuttgart-Sign für knapp eine halbe Million Euro. Eine fotogene Kulisse für die „Insta-Generation“ sei wichtig, darin sind sich viele einig. Doch es müsse auch günstiger gehen. Angesichts des städtischen Sparzwangs in vielen Bereichen sei dies kein gutes Signal, sind sich viele einig. Zumal das Sign eigentlich für den neuen Hauptbahnhof gedacht sei – dessen Fertigstellung noch Zeit lasse. Prompt geht beim Empfang der Link zu der Petition gegen die teuren Stuttgart-Buchstaben rum.
Kulinarisch zeigt sich die Vielfalt der Branche von ihrer besten Seite: Viele Mitgliedsbetriebe des Dehoga steuern an diesem Abend ihre Köstlichkeiten bei. Ein genussvoller Abschluss für einen Abend, der Mut macht – und Hoffnung auf mehr Glück für die Gastronomie im neuen Jahr. Markus Hofherr, seit dem Jahr 2011 der Kreisvorsitzende des Dehoga Stuttgart, wird bei diesem Empfang verabschiedet. Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin soll bis Sommer gewählt werden.
