Spannungen mit Washington
Dramatische Energiekrise führt zu Protesten auf Kuba
Stromausfälle bis zu 22 Stunden täglich: In Havanna protestieren Hunderte wegen der Energiekrise. Die Regierung macht die US-Ölblockade verantwortlich und erwägt ein humanitäres Hilfeangebot der USA.
© Ramon Espinosa/AP/dpa
Die Wirtschafts- und Energiekrise auf Kuba hat sich durch die Ölblockade der USA verschärft.
Von dpa
Havanna - In Havanna haben Hunderte Kubaner gegen die dramatische Energiekrise protestiert. Täglich fällt in der Stadt der Strom aus, die Ausfälle dauern teils bis zu 22 Stunden an. In mehreren Bezirken der kubanischen Hauptstadt errichteten verärgerte Anwohner in der Nacht brennende Barrikaden und schlugen auf Töpfe, wie in Videos in den sozialen Netzwerken zu sehen war. Die Regierung des sozialistischen Karibikstaates führt die Krise auf eine monatelange US-Ölblockade zurück.
Am frühen Donnerstag kam es erneut zu einem großen Stromausfall. Das Stromnetz brach zwischen der zentralen Provinz Ciego de Ávila und Guantánamo im Osten zusammen, wie die staatliche Stromgesellschaft UNE mitteilte. Während der Spitzenlastzeit beläuft sich das Energiedefizit derzeit offiziellen Angaben zufolge auf mehr als 2.000 Megawatt.
Nur eine Öllieferung aus dem Ausland
Seit Anfang des Jahres durfte nur ein russischer Tanker mit 100.000 Tonnen Öl die Insel anlaufen. Laut der kommunistischen Regierung benötigt das Land mit rund zehn Millionen Einwohnern allerdings monatlich mindestens acht dieser Lieferungen. Aufgrund des Mangels an Brennstoff und der maroden Infrastruktur kann Kuba nur ein Drittel seines Energiebedarfs decken.
Im Januar verlor Kuba seinen wichtigsten Lieferanten Venezuela, nachdem die USA den autoritär regierenden Präsidenten Nicolás Maduro durch einen Militäreinsatz entmachteten und festnahmen. Zudem drohte Washington im Januar Kubas weiteren Öllieferanten mit Strafzöllen, was zu einem Stopp der Lieferungen aus Ländern wie Mexiko führte.
Kuba könnte US-Hilfeangebot in Millionenhöhe annehmen
Nachdem das US-Außenministerium am Mittwoch 100 Millionen US-Dollar direkte humanitäre Hilfe für die kubanische Bevölkerung angeboten hatte, zeigte sich die kubanische Regierung bereit, das Angebot zu erwägen. Laut Washington würden die Hilfslieferungen über die katholische Kirche und andere unabhängige Organisationen verteilt werden.
"Wir sind bereit, uns die Einzelheiten des Angebots und die Art und Weise, wie es umgesetzt werden soll, anzuhören", schrieb Außenminister Bruno Rodríguez auf X. Es sei bisher jedoch unklar, ob es sich gegebenenfalls um Geld- oder Sachhilfe handeln werde. Laut Rodríguez besteht allerdings die beste Hilfe, die die US-Regierung leisten könnte, darin, das Energie-, Wirtschafts-, Handels- und Finanzembargo gegen die Insel zu lockern.
Seit der Revolution 1959 sind die Beziehungen zwischen beiden Ländern angespannt. US-Präsident Donald Trump hat den Druck auf Kuba weiter erhöht, um einen wirtschaftlichen und politischen Wandel auf der Insel zu forcieren. Präsident Miguel Díaz-Canel kritisierte zuletzt in einem Post auf Plattform X die "brutalen Maßnahmen zur wirtschaftlichen und energetischen Erstickung" Kubas der USA.
