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Eigene Fehler und Ärger über den Referee

Nach gutem Beginn bringt das selbst verschuldete 0:1 den Fußball-Regionalligisten Großaspach in Elversberg zeitweilig völlig aus dem Konzept. Die 0:4-Niederlage fällt aber zu hoch aus, zumal zwei Treffer der Hausherren aus umstrittenen Elfmetern resultieren.

Egal, ob vor des Gegners Tor oder im eigenen Strafraum: Großaspachs Jonas Meiser (am Ball) fehlte in Elversberg das Quäntchen Glück. Foto: S. Mohr

© Steven Mohr/Jan Huebner

Egal, ob vor des Gegners Tor oder im eigenen Strafraum: Großaspachs Jonas Meiser (am Ball) fehlte in Elversberg das Quäntchen Glück. Foto: S. Mohr

Von Steffen Grün

So blöd sich das nach einer derart deutlichen Schlappe anhören mag: Das frische Selbstvertrauen nach den zwei Siegen in den ersten beiden Partien des neuen Jahres war der SG Sonnenhof in den ersten Minuten durchaus anzumerken. Die Gäste setzten die zu den Titelanwärtern zählenden Saarländer, die sich zuletzt allerdings fünfmal in Serie mit einem Remis hatten begnügen müssen, ordentlich unter Druck. „Wir haben sehr gut angefangen“, sagte nach dem Schlusspfiff auch Trainer Hans-Jürgen Boysen und trauerte sicherlich den Torchancen hinterher, die Jonas Meiser und Andreas Ivan versiebt hatten.

Mit dem 0:1 habe man dann allerdings „sofort den Rhythmus verloren“, fuhr der 63-Jährige fort und beklagte den „katastrophalen individuellen Fehler“, der zum Rückstand führte. Adressat dieser Kritik war Kai Gehring, der den Ball von David Nreca-Bisinger zugespielt bekommen hatte und dessen Versuch, ihn direkt wieder zum Keeper zurückzupassen, in die Hose ging. Israel Suero Fernandez spritzte dazwischen, der Rest war Formsache. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass David mich anspielt“, erinnert sich der Routinier an die Situation, „aber ich muss es besser lösen.“ Mit der Option, die Kugel über das Stadiondach zu dreschen, hätte er zwar keinen Schönheitspreis gewonnen, aber es wäre nichts weiter passiert. Zu seiner Ehrenrettung ist allerdings auch zu betonen, dass diese Möglichkeit schon Nreca-Bisinger gehabt hätte und sich der Torwart den Pass auf den Kollegen, der von pressenden Elversbergern bedrängt wurde, hätte sparen können. „Ich will da nichts weiterreichen, das Tor geht auf meine Kappe“, beendete Kai Gehring diese Diskussion und dürfte damit seinem Trainer eine Freude machen, für den es „kein Wenn und kein Aber“ gab, dass die Schuld am 0:1 in vollem Umfang der Innenverteidiger trägt.

Boysen sieht in den zwei Elfmetern zwei Geschenke an Elversberg.

Der Rückstand offenbarte, dass es sich bei der Aspacher Truppe trotz der beiden jüngsten Siege weiterhin um ein fragiles Konstrukt handelt. Vor allem bis zur Pause, aber insgesamt eigentlich für den Rest der Partie „war es nicht mehr das, was wir uns vorgestellt hatten“, schrieb Hans-Jürgen Boysen seinem Team ins Stammbuch. In dieselbe Kerbe haute Kai Gehring: „Wir dürfen nach dem 0:1 nicht derart auseinanderfallen, da müssen wir das Spiel weiter offen halten.“ Stattdessen ließ das 0:2 nicht allzu lange auf sich warten – und erneut war Boysen mit dem Defensivverhalten nicht zufrieden: „Wir haben vor dem Elfmeterpfiff nicht konsequent genug verteidigt.“ Zur Selbstkritik kam aber sowohl beim Trainer als auch beim Kapitän, der die Binde trug, weil Julian Leist nach seiner Verletzungspause nur auf der Bank hockte, auch der Ärger über den Referee. „Im Mittelfeld wird das nie gepfiffen“, bewertete Gehring die Aktion Jonas Meisers, der den Elversberger Sinan Tekerci zwar sehr wohl berührte, aber nicht gerade so, dass ein Strafstoß ein Muss gewesen wäre. Für Boysen war’s sogar „ein Geschenk des Schiedsrichters an die Elversberger“.

Ein erstes Geschenk, um genau zu sein, denn auch den zweiten Foulelfmeter hält der SG-Trainer für eine Fehlentscheidung. Mit dem Unterschied, dass mit dem 2:0 in dieser Partie die Weichen gestellt wurden, während das 4:0 zu einem Zeitpunkt fiel, als eh schon alles klar war. „Eine Berührung ist da, das will ich gar nicht abstreiten“, beurteilte Kai Gehring das vermeintliche Foul von Darius Held an Manuel Feil nach dem Studium der Fernsehbilder. Wie beim 0:1 war es in seinen Augen aber viel zu wenig, um auf den Punkt zu zeigen.

Der Frust über den Unparteiischen ändere allerdings gar nichts daran, „dass wir die Probleme bei uns suchen müssen und nicht bei jemand anderem“, so Boysen, der die Startelf im Vergleich zum 3:0-Sieg bei Schott Mainz nur um einen Akteur umgebaut hatte. Für Jonas Brändle, den wieder Probleme mit dem Oberschenkel plagten, begann Özgür Özdemir. Ein Wechsel, der die Viererabwehrkette aber auf drei Positionen veränderte, denn Sebastian Schiek rückte für Jonas Brändle von der rechten auf die linke Seite und wurde seinerseits von Vincent Sadler ersetzt, der den Platz im Zentrum neben Kai Gehring für Özgür Özdemir räumte. Zu einfach wäre es aber, es an diesen Umstellungen festzumachen, dass die Defensive oftmals wackelig wirkte. Wer weiß, wie es gelaufen wäre, wenn etwa nur Darius Held für Jonas Brändle in die Anfangsformation beordert worden wäre. Oder wenn der eigentliche Kapitän Julian Leist, der in Kassel nach einer guten halben Stunde mit Oberschenkelproblemen runter musste und in Mainz fehlte, nicht nur als Ersatzmann mit dabei, sondern von Anfang an mittendrin gewesen wäre. „Er hat nur das Abschlusstraining mitgemacht“, begründete Boysen den Verzicht auf den Routinier. „Das Risiko, ihn unter Umständen wieder frühzeitig auswechseln zu müssen, war mir zu groß.“

Neben den Abwehrschwächen waren es aber auch die altbekannten Defizite in der Chancenverwertung, die ein anderes Resultat verhinderten. „Wir waren nah dran am Anschlusstor“, erinnerte Aspachs Trainer an die Phase in der zweiten Hälfte, bevor Elversberg den Sack mit dem 3:0 zumachte. „Wenn wir auf 1:2 herankommen, läuft es vielleicht anders“, überlegte auch Kai Gehring, doch unter dem Strich steht eben die bittere 0:4-Klatsche. Die mag den Spielverlauf nicht wirklich widerspiegeln und zu hoch ausgefallen sein, doch Fakt ist: Der Aufwärtstrend der SG Sonnenhof wurde zumindest jäh unterbrochen.

Heimspiel am Mittwoch

Viel Zeit zum Wundenlecken bleibt dem Fußball-Regionalligisten Großaspach nach dem 0:4 in Elversberg nicht, denn bereits am Mittwoch muss das Team wieder ran. Um 18 Uhr wird Koblenz zum Kellerduell im Stadion im Fautenhau erwartet. Die Gäste belegen trotz des 1:0-Heimsiegs gegen den Bahlinger SC am Wochenende mit 18 Punkten weiterhin einen Abstiegsplatz, während die SG Sonnenhof mit 20 Zählern knapp über dem Strich steht. Damit es so bleibt, will Hans-Jürgen Boysen die Begegnung mit seinen Jungs unbedingt gewinnen, doch der Trainer rechnet mit einem ganz anderen Spiel als in Elversberg. „Koblenz kommt stark über den Kampf“, warnt der 63-Jährige, verspricht aber zugleich: „Wir werden darauf vorbereitet sein.“

Für Großaspach ist es von den sechs Partien im Januar die einzige, die auf eigenem Platz stattfindet. Bislang konnte die SG mit dem Heimvorteil aber nicht allzu viel anfangen, denn von seinen 20 Punkten holte das Boysen-Team immerhin 11 auswärts und nur 9 daheim. Zu zwei Siegen und drei Remis gesellten sich drei Niederlagen.

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Erstellt:
18. Januar 2021, 06:00 Uhr

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