Einbrecher randalieren im Lehrerzimmer

Die Liste der verwüsteten Schulen in Stuttgart wird länger. Darunter finden sich beispiellose Zerstörungen.

Von Jürgen Bock

Stuttgart - Die Fassungslosigkeit bei Schulen, der Stadtverwaltung und der Polizei wird immer größer. Denn in den ersten Tagen nach dem Schulbeginn zeigen sich ständig neue Fälle von Einbrüchen während der Weihnachtsferien. Inzwischen sind es neben drei Kindergärten schon 13 Schulen im gesamten Stadtgebiet, die Verwüstungen gemeldet haben, zum Teil auch Diebstähle. Es handelt sich um eine beispiellose Serie mit bisher nicht gekannter Zerstörungswut. Bisher ist völlig unklar, ob es sich bei den Tätern um eine Gruppe, eine zufällige Häufung von Einzeltätern, Gelegenheitskriminelle oder professionelle Einbrecher handelt.

Nach neuen Erkenntnissen von Polizei und Schulverwaltungsamt hat es auch die Bodelschwingh-Schule im Stuttgarter Westen getroffen. „Die Täter schlugen im ersten Stock eine Fensterscheibe ein. Im Gebäude sind eine Glasscheibe zerstört, das Rektorat und das Lehrerzimmer durchsucht und verwüstet worden“, sagt der Polizeisprecher Stephan Widmann. Unklar ist die Schadenshöhe und ob etwas gestohlen wurde.

Das ist im Fall der Degerlocher Albschule anders. Dort erbeuteten die Täter einen PC. Sie hatten zunächst erfolglos versucht, die Eingangstür aufzuhebeln. Daraufhin schlugen sie eine Fensterscheibe ein. Im Gebäude beschädigten sie mehrere verschlossene Türen und durchsuchten im Sekretariat die Schränke. Außerdem zerstörten sie ein Waschbecken, sodass Wasser herausfloss. Das ist auch in der Weilimdorfer Wolfbuschschule passiert: Dort entstand in der Folge ein Rohrbruch, das Wasser flutete das Untergeschoss. Es entstand ein Schaden von mehreren Hunderttausend Euro. Auch in der Heilbrunnen-Schule in Möhringen sowie in der Margarete-Steiff-Schule in Vaihingen gab es offenbar Einbrüche mit Zerstörungen.

Noch am vergangenen Donnerstag ist man beim Schulverwaltungsamt von einem höheren sechsstelligen Gesamtschaden an Gebäuden und Ausstattung in den betroffenen Schulen ausgegangen. Neben den baulichen Schäden – etwa am Solitude-Gymnasium in Wolfbusch allein 40 000 bis 50 000 Euro – sei auch Inventar wie Möbel, Medien- und EDV-Ausstattung massiv beschädigt worden. „Es wird aktuell erfasst, was wie beschädigt ist. Gut möglich, dass noch weitere Schäden gemeldet werden“, sagt der Stadtsprecher Sven Matis. Nach den neuesten Meldungen sei zu befürchten, dass man sich beim Gesamtschaden womöglich in Richtung Millionenbereich bewege.

Auch Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer äußerte sich zu der Einbruchserie: „Sie macht mich fassungslos und wütend. Das Ausmaß der Zerstörung ist beispiellos und geht weit über gewöhnlichen Vandalismus hinaus.“ Schulen und Kitas seien „geschützte Räume für unsere Kinder – Orte des Lernens, der Geborgenheit und des Vertrauens“. Diese mutwillige Zerstörung treffe nicht nur einzelne Schulen, sondern die gesamte Stuttgarter Stadtgesellschaft. Fezer bittet auch die Bürgerschaft um Wachsamkeit: „Schulen und die Kitas prägen unsere Stadt. Verdächtige Beobachtungen sollten umgehend an die Polizei gemeldet werden, weil wir gemeinsam Verantwortung tragen.“

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Erstellt:
11. Januar 2026, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
11. Januar 2026, 23:57 Uhr

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