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Eine Baustelle, die niemand für nötig hält

Bezirksvertreter wie die punktbesten Kreis- und Bezirksligisten haben kein Verständnis für WFV-Planspiele, bei einem Saisonabbruch einzig der Oberliga einen Aufstieg zu ermöglichen. Vom Verband wird eine Gleichbehandlung des Amateurfußballs gefordert.

Vom Coronavirus gestoppt: Der SVU und Tim Kaltenthaler (rechts). Während zwei Oberligisten nun aber überraschend doch noch auf einen Aufstieg hoffen dürfen, findet der Bezirksligist aus dem Täle wie so viele andere aber wohl keine Gnade vor den Augen der WFV-Vertreter.Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Vom Coronavirus gestoppt: Der SVU und Tim Kaltenthaler (rechts). Während zwei Oberligisten nun aber überraschend doch noch auf einen Aufstieg hoffen dürfen, findet der Bezirksligist aus dem Täle wie so viele andere aber wohl keine Gnade vor den Augen der WFV-Vertreter.Foto: T. Sellmaier

Von Uwe Flegel

Dem Fußball unterhalb der Regionalligen droht der Saisonabbruch. In der Woche nach Ostern soll nun auch in Württemberg die Entscheidung fallen, ob der Amateurbereich das Duell mit der Coronapandemie wie vergangene Runde verliert. Wobei für desen Fall diesmal schon vorsorgend Regelungen getroffen worden waren. Zum Beispiel sollte die Saison annulliert werden, falls es nicht gelingt, wenigstens die Hälfte der Saisonspiele zu absolvieren. Eine Situation, die nun Wirklichkeit werden könnte und für die Auf- sowie Abstieg ausgesetzt werden sollten. Nun aber haben Verbandsvertreter erklärt, dass für die Oberliga doch ein Aufstieg in die Regionalliga Südwest vorstellbar ist. Möglich sei das, weil bei der Vorgabe der juristische Begriff „in der Regel“ dabei stehe. Das heißt: Ausnahmen sind nicht verboten – juristisch betrachtet. Rein faktisch gesehen, sorgt eine Lex Oberliga bei Bezirksvertretern und den Kreis- sowie Bezirksligisten, denen am Rems und Murr ein Aufstieg verwehrt wird, für reichlich Missstimmung.

„Da wird eine völlig unnötige Baustelle aufgemacht“, erklärt Bezirksspielleiter Ralph Rolli. Er wisse jedenfalls nicht, wie er den Vereinen hier erklären soll, warum es in der fünfthöchsten Spielklasse trotz Annullierung der Saison nun doch Aufsteiger geben soll, während in den Ligen drunter alle in die Röhre schauen. Rolli: „Wenn sich bei mir deshalb ein Klub meldet, dann sage ich ihm, er soll den WFV fragen.“ Wenn Abbruch, dann müsse die 50-Prozent-Regel überall angewandt werden. Von der Oberliga bis zur Kreisliga B. Und da sei immer kommuniziert worden, dass eine Annullierung bedeute, dass Auf- wie Abstieg ausgesetzt sei. Sollte das für eine Klasse nun nicht gelten, dann „gibt’s Diskussionen ohne Ende“, prophezeit Rolli.

Eine Sonderbehandlung der Oberliga ist für alle Vereine nicht nachvollziehbar



Von Norbert Gundelsweiler erntet er da keinen Widerspruch. Der Trainer von Bezirksliga-Tabellenführers SV Unterweissach sagt, die nun für die Oberliga ins Spiel gebrachte Ausnahme „ist nicht nachvollziehbar“. Für ihn gilt: „Gleiches Recht für alle.“ Vor der Saison sei klar gesagt worden, dass es im Amateurfußball ein einheitliches Vorgehen gibt. „Zumindest bei mir kam das so an“, berichtet das frühere Mitglied im WFV-Lehrstab. Bisher sei die Trennlinie zwischen Profi- und Amateurfußball zwischen Ober- und Regionalliga verlaufen, sagt Gundelsweiler und wundert sich, warum das nun anders sein soll. Das sei frustrierend. Wohl auch, weil der SVU mit acht Siegen in bisher acht Saisonspielen eine makellose Bilanz hat und trotzdem nicht rauf darf, während Oberligisten wie Freiberg und die Stuttgarter Kickers auch ohne weiße Weste offenbar eine bessere Lobby haben.

Günter Schäffler vom SV Allmersbach, dessen zweite Mannschaft in der Kreisliga A 2 und dessen drittes Team in der Kreisliga B 5 anhand der Quotientenregel die Nase vorne hätten, zeigt zunächst mehr Verständnis für die Verbandsvertreter. Denn irgendwo gebe es immer eine Schnittstelle zwischen Profis und Amateuren. Das seien Ober- und Regionalliga. Und, so Schäffler, wenn ein Aufstieg verhindere, dass es in der Oberliga zu viele Teams gibt, dann würde eine Ausnahmeregel vielleicht Sinn machen – nur dann. Derzeit geben die Zahlen das aber nicht her. Eine solche Begründung ähnelt eher einer Milchmädchenrechnung als einer auf solider Basis stehenden Argumentation. Für Schäffler steht fest: „Es gibt ansonsten keinen Grund, weshalb ein Unterschied zwischen den Ligen gemacht werden soll.“

Torsten Greiner von der SKG Erbstetten hat kein Verständnis dafür, dass der Verband der Oberliga eine Sonderbehandlung zukommen lassen will. „Auch wir kleinen Vereine trainieren, um Erfolg zu haben.“ Sein Klub zum Beispiel spiele diese Saison so erfolgreich wie seit vielen, vielen Jahren nicht mehr. In der Quotientenregel gleichauf mit dem SVA II und nur wegen dreier Treffer in der Tordifferenz ein wenig schlechter, durfte die SKG gar von Aufstiegsrelegation oder Meisterschaft träumen. Dann kam nach acht Spielen die Unterbrechung und nun drohen Abbruch und Annullierung. Das sei für Spieler und Verein bitter. Umso unverständlicher sei es dann, wenn nun für Freiberg und die Stuttgarter Kickers nicht das gelte, was für alle anderen Amateurklubs gelte. Dass beim SGV und der Elf aus Degerloch unter Profibedingungen agiert wird, ist für Erbstettens Abteilungsleiter keine Begründung, denn spielen würden diese eben noch im Amateurbereich. Deshalb sagt Greiner: „Für mich wäre es nicht nachvollziehbar, wenn denen ein Aufstieg ermöglicht wird und allen anderen nicht. Und wenn einzig das Geld das Argument ist . . . ?“

Auf- oder Nichtaufstieg spielt für die Zahl an Oberliga-Teams für die neue Saison wohl keine Rolle.

Ein Aufstieg von der Oberliga in die Regionalliga Südwest bringt der Oberliga in der neuen Saison nach derzeitigem Stand gegenüber einem Nichtaufstieg keine Vorteile, was die Menge an Mannschaften anbelangt. Die höchste Spielklasse des Ländles würde weiter aus 21 oder 22 Teams bestehen. Für die Zahl an Spieltagen ist das Jacke wie Hose. Es sind 42 Spieltage. Einziger Unterschied ist, dass bei 21 Mannschaften jeder Verein in der Vor- und Rückrunde jeweils einmal spielfrei ist. Bei 22 Teams gibt es das nicht.

Legt man die aktuellen Tabellen in der Dritten Liga und der Regionalliga Südwest zugrunde, dann ergibt sich derzeit folgendes Bild. Selbst wenn aus Baden-Württemberg, Hessen sowie Rheinland-Pfalz/Saar nur die Oberliga-Meister aufsteigen und nicht auch noch der beste der drei Zweitplatzierten, dann steigen aus der Regionalliga sechs Klubs ab. Aus Baden-Württemberg wären das momentan die SG Sonnenhof Großaspach, die TSG Hoffenheim II und der FC Astoria Walldorf. Wobei Walldorf doppelt angeschmiert wäre, bedeutet der Abstieg des Regionalliga-Teams normalerweise doch den Zwangsabstieg der Oberliga-Elf.

Die Frage, ob die höchste Spielklasse im Ländle nächste Saison mit 21 oder 22 Teams spielt, hängt auch bei einem Aufstieg aus den Oberligen zum Beispiel davon ab, ob neben Spitzenreiter Freiberg auch die Stuttgarter Kickers als bester der drei Zweitplatzierten hoch dürfen. Das ist möglich, aber nicht sicher. Dafür müsste es eine Relegationsrunde der Vizemeister geben, die von der Politik erlaubt und von den Kickers gewonnen werden. Gibt’s diese Entscheidungsspiele nicht, dann ist die Elf aus Degerloch raus. Die Kandidaten aus Rheinland-Pfalz/Saar (Wormatia Worms, 2,66) und Hessen (SC Hessen Dreieich, 2,58) sind in der Quotientenregel deutlich besser als Stuttgart (2,31).

Steigt niemand auf, müssen aus der Regionalliga nur vier Mannschaften runter. Aus Baden-Württemberg würde dann derzeit nur Großaspach zu den bisher 21 Oberligisten zusätzlich noch dazu kommen.

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Erstellt:
31. März 2021, 06:00 Uhr

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