Olympia-Kolumne
Eine Brezel für 4,30 Euro? So ein Schmarrn!
In Italien lässt es sie gut genießen. Aber Vorsicht! Der olympische Speiseplan enthält auch wahre Tücken.
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Das Tagesessen ist in den olympischen Pressezentren nicht immer zu empfehlen, der Kaffee dagegen schon.
Von Dirk Preiß
Eigentlich wollten wir an dieser Stelle ein launiges Stück zum Thema „Ernährung bei den Olympischen Spielen“ schreiben. Aber: Mit dem Spaß ist es diesbezüglich vorbei, seit es einige Damen im deutschen Biathlon-Lager mit dem Magen haben. Angeblich waren die Burger schuld. Wir könnten nun Mitgefühl heucheln, aber das wäre an dieser Stelle unangebracht. Denn, ganz ehrlich: Wer isst denn in Italien schon Burger?
Wir haben das bisher vermieden – und sind ganz gut damit gefahren. Wobei wir zugeben müssen: Wirklich ausgewogen und gesund war unser Speiseplan bislang auch nicht wirklich. Dafür haben wir uns voll auf die landestypischen Speisen eingelassen. Pizza und Pasta in Veneto, Kaiserschmarrn und Schlutzkrapfen in Alto Adige. Das klingt alles super – und trotzdem gab es auch brisante Ernährungsmomente.
In den Pressezentren gibt es zwar jeweils eine kleine Theke mit Snacks und einem „Dish of the Day“. Aber das mit dem Tagesessen ist so eine Sache. Wir haben erst einmal nicht bestellt, die 8,60 Euro stecken lassen und auf die Pappteller der Kollegen geschaut. Hat uns nicht begeistert, manche erzählten auch vom Hunger, der sie nach dem Häppchen erst so richtig heimgesucht habe. Da wir irgendwann wenigstens mitreden wollten, haben wir dann doch noch zugeschlagen.
Eine Brezel für 4,30 Euro
„Einmal Lasagne, bitte“, lautete die selbstsichere Order. Die Unsicherheit setzte dann aber recht zügig ein – als wir das Pappschälchen in den Händen hielten. Kurz haben wir überlegt, umzudisponieren, aber als Schwabe fällt es zugegebenermaßen schwer, 4,30 Euro in eine italienische Brezel zu investieren.
Wir haben uns dann noch ein wenig umgeschaut an der Heiß-Theke – und dabei wurde uns einiges klar. Die Prioritäten liegen hier einfach nicht auf fester Nahrung. Auf Kaffee dagegen schon. In jedem Pressezentrum steht eine riesige Siebträger-Kaffeemaschine, die Angestellten zelebrieren die Zubereitung wie wahre Barista und günstig ist der Koffeinschock auch noch. Der Espresso kostet 1,50 Euro.
Das ist gut, macht aber eben nicht satt. Weshalb wir unserem Herbergsvater am wunderschönen Lago di Dobbiaco zu unendlichem Dank verpflichtet sind. Als wir eines Abends spät und ohne vorherige Nahrungsaufnahme zurück ins Hotel kamen, stattete er uns spontan mit Vinschgauer Brot und Käse aus. Nichts, sagte er, sei schlimmer, als hungrig ins Bett zu gehen.
Es sei denn, man erwischt als Biathletin einen schlechten Burger.
