Ist der Klimawandel schuld?
Erschreckend wenig Wasser im Bodensee - nur einmal war der Pegel niedriger
Die Pegel von Deutschlands größtem See sind niedrig - das ist an vielen Stellen offensichtlich. Welche Auswirkungen hat das? Und könnte sich das in diesem Jahr noch ändern?
© Oliver Hanser/dpa
Der Bodensee führt derzeit so wenig Wasser wie selten Ende Mai.
Von Michael Bosch
Deutschlands größter See leidet mal wieder unter Wassermangel. Zumindest ist es offensichtlich, dass der Bodensee derzeit wenig Wasser führt. Tatsächlich führt der See, der mehrere Millionen Menschen im Südwesten mit Trinkwasser versorgt und Heimat für viele Tiere und Pflanzen ist derzeit so wenig Wasser wie selten zuvor zu diesem Zeitpunkt im Jahr. Warum ist das so? Und welche Auswirkungen hat das? Fragen und Antworten.
Wie niedrig ist der Wasserstand - und ist das ein Rekord?
Der Wasserstand am Messpunkt in Konstanz lag Anfang der Woche bei 3,04 Meter - und damit 66 Zentimeter unter dem Durchschnitt für diesen Zeitpunkt. Der Wert liege „außerhalb der für diese Jahreszeit üblichen Schwankungsbreite“, teilt die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) mit. In Jahren mit besonders niedrigem Wasserstand - etwa 2003, 2018 und 2022 - habe sich dieser „erst zum Spätsommer hin ausgeprägt“, so LUBW-Sprecherin Tatjana Erkert. Zuletzt sei vor 15 Jahren ein so niedriger Pegel gemessen worden. Seit dem Jahr 1850 wurde nur einmal an einem 25. Mai ein noch niedrigerer Wasserstand vermeldet: Im Jahr 1972 betrug er nur 2,90 Meter.
Warum ist der Wasserstand so niedrig?
Der Pegel des Bodensees schwankt im Jahresverlauf stark - und zwar schon immer. Abhängig ist er insbesondere vom Zufluss aus dem Alpenrhein. Im Gebirge ist aber vergleichsweise wenig Schnee gefallen in diesem Winter, der nun schmelzen und den See speisen könnte. „Aktuell liegt im Einzugsgebiet des Bodensees insbesondere in den tieferen Lagen deutlich weniger Schnee als saisonüblich“, so Erkert. Zudem hat es rund um den Bodensee und in den Alpen auch wenig geregnet. Diese Kombination führe zum geringen Wasserstand.
Alles in allem bleibt auch der Bodensee nicht vom Klimawandel verschont. „Langfristige Beobachtungen zeigen, dass sich veränderte Niederschlagsmuster und steigende Temperaturen auch auf den Bodensee auswirken können“, sagt Tatjana Ekert. Im Sommer würden die mittleren Wasserstände tendenziell abnehmen, im Winter tendenziell zunehmen.
Steigt der Bodensee-Pegel bald wieder an?
Am wenigsten Wasser führt der Bodensee in der Regel im Februar, denn im Winter wird es in den Bergen in Form von Schnee und Eis gespeichert. Wenn die Schneeschmelze einsetzt, steigt der Pegel im Bodensee. Eigentlich sollte das im Juni und Juli so sein. Allerdings könnte dieser Anstieg „saisonal unterdurchschnittlich“ ausfallen, prognostiziert die LUBW. Infolgedessen könnte dem Bodensee ein historisch niedriger Wasserstand drohen. „Für den Seewasserstand im Sommer lassen sich aber keine verlässlichen Vorhersagen treffen“, sagt Tatjana Erkert. Damit sich der Bodensee „saisonüblich“ fülle, seien neben der Schneeschmelze in jedem Fall „zusätzlich langanhaltende flächendeckende Niederschläge im Einzugsgebiet notwendig“.
Wie viel Wasser aktuell in den Bodensee fließt, ist hier zu sehen.
Schadet das Tieren und Pflanzen im Bodensee?
Wenn, dann bedingt. Einige Wasservögel, wie Blässhühner oder Haubentaucher, brüten im niedrigen Wasser zwischen Schilf. Diese Bereich sind gerade häufig wasserfrei. Andere Vögel hingegen profitieren sogar, weil ihre Nester nicht überschwemmt werden. Insgesamt beschwichtigt das Landesumweltamt, es sieht keine Gefahr für das Ökosystem: Tiere und Pflanzen im und am Bodensee seien grundsätzlich an natürliche Schwankungen des Wasserstandes angepasst.
Wie betrifft das niedrige Wasser die Menschen am Bodensee?
Nicht nur aus optischer Sicht ist das fehlende Wasser für den Menschen unschön. An vielen Stellen muss, wer baden will, weit laufen, um das Wasser zu erreichen. Teilweise haben Schifffahrtsbetriebe ihren Betrieb eingeschränkt. Betroffen ist beispielsweise die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh). Das berichtet der „SWR“. Auf dem Ober- und Untersee fahren die Schiffe ansonsten planmäßig. Allerdings haben Segel- und Jachthäfen rund um den See, die im flachen Wasser liegen, zu kämpfen. Viele Liegeplätze sind dort derzeit ungenutzt.
Niedriger Wasserstand im Bodensee: Was bedeutet das für die Trinkwasserversorgung?
Rund vier Millionen Menschen in Baden-Württemberg beziehen ihr Trinkwasser aus dem Bodensee. Insgesamt versorgt der Verband rund 320 Städte und Gemeinden vom Norden des Landes, über Stuttgart und die Alb bis zum Bodensee selbst. Jährlich werden etwa 130 Millionen Kubikmeter Trinkwasser verteilt. Gefördert wird das Wasser aus einer Tiefe von 60 Metern. „Dort ist es rein, klar und hat ganzjährig eine gleichbleibend niedrige Temperatur von etwa 5 Grad“, schreibt die Bodensee-Wasserversorgung. Daran ändere auch ein niedriger Wasserpegel nichts. Schwankungen beim Wasserstand seien „ein natürlicher Vorgang“ und hätten keine Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung. „Nach den heutigen Erkenntnissen werden wir auch in Zukunft genügend Wasser im Bodensee haben“, heißt es.
