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Erst die heißen Duelle beim RSV Waldrems, dann das kühle Bier

Beim Siegfried-Winter-Gedächtnispokal des RSV Waldrems kämpfen vier deutsche Erst- und drei Zweitliga-Duos sowie eine belgische Paarung um den Sieg. Die Lokalmatadoren Marcel Schüle und Björn Bootsmann scheitern im Halbfinale knapp und belegen am Ende Rang drei.

Akrobatisch und hochklassig: Radball in Waldrems. Dazu trugen auch die Lokalmatadoren Marcel Schüle und Björn Bootsmann (rechts) ihren Teil bei. Die beiden Backnanger sicherten sich beim Siegfried-Winter-Gedächtnispokal den dritten Rang. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Akrobatisch und hochklassig: Radball in Waldrems. Dazu trugen auch die Lokalmatadoren Marcel Schüle und Björn Bootsmann (rechts) ihren Teil bei. Die beiden Backnanger sicherten sich beim Siegfried-Winter-Gedächtnispokal den dritten Rang. Foto: Alexander Becher

Von Uwe Flegel

Wieder rasen die Kontrahenten aufeinander zu, den Blick stur auf den Ball gerichtet, um Sekundenbruchteile später das Rad gerade noch rechtzeitig und manchmal durchaus spektakulär abzubremsen. Beim RSV Waldrems ist Radball angesagt. Diesmal beim zweiten Siegfried-Winter-Gedächtnispokal mit sieben deutschen Erst- und Zweitligisten sowie dem weltcuperfahrenen belgischen Duo Brecht Damen/Niels Dirikx (HZG Beringen). Und wie immer, wenn in dem Backnanger Stadtteil die kleine, rund 600 Gramm schwere Kugel mit einem Durchmesser von bis zu 18 Zentimeter rollt, dann ist die vereinseigene Halle voll. Logisch, denn das kleine Waldrems ist eine Radballhochburg, die im Nachwuchs- und Erwachsenenbereich insgesamt 16 Teams stellt.

Entsprechend gut ist die Stimmung bei dem Turnier zu Ehren des einstigen Vorsitzenden. Erst recht, wenn die Lokalmatadoren Marcel Schüle und Björn Bootsmann auf dem Parkett sind. Mit Pauken und Fanfaren werden die deutschen Vizemeister des Jahres 2018 und ehemaligen Junioren-Europameister lautstark unterstützt. Am Ende reicht es für die Erstliga-Paarung zu Rang drei. Gut – oder? „Wir sind zufrieden“, antwortet Björn Bootsmann ein wenig verkniffen und nennt im zweiten Anlauf den Grund. Das verlorene Halbfinale gegen den späteren Turniersieger RKV Denkendorf (Felix Weiner/Valentin Notheis) liegt ihm im Magen. „Dass es so knapp war, ist ärgerlich“, sagt der 28-Jährige und blickt zu seinem gleichaltrigen Teamkollegen, dem anzusehen ist, dass ihm das 7:8 nach Viermeterschießen ebenfalls nicht schmeckt.

Eine Art Familientreffen in der Radballhochburg

Spätestens beim gemeinsamen Bier mit den sportlichen Kontrahenten nach der Siegerehrung ist das Ganze allerdings durch. Denn Radball ist nicht nur Artistik auf dem Rad, hohes Tempo, kernige Zweikämpfe sowie Torschüsse und immer wieder ein dumpfer Schlag, wenn zwei gegnerische Räder in den zweimal sieben Minuten Spielzeit aneinanderstoßen. Der Sport ist auch eine Art große Familie. „Die Szene ist ja überschaubar“, erklärt Marcel Schüle und schmunzelt, als die Entgegnung kommt, dass es dafür während der Duelle manchmal ganz schön knallt. Er erklärt: „Ja, bei uns geht es oft kernig zu und es fällt vielleicht auch mal ein Schimpfwort, aber beim gemeinsamen Bier danach ist das meistens schon wieder vergessen. Wir sehen uns das ganze Jahr über in der Bundesliga oder auf den drei, vier privaten Turnieren immer wieder.“ Da ist es nicht gut, mit jemandem in Dauerfehde zu leben.

Wer diese Hintergründe kennt, den wundert es auch nicht, dass bei dem Turnier in Waldrems ein so hochkarätiges Teilnehmerfeld zusammengekommen ist. Man kennt sich und „bei den gemeinsamen Bundesliga-Spieltagen spricht man die anderen Teams an“, erzählen Schüle und Bootsmann. Das belgische Duo zum Beispiel kennen die Backnanger vom Weltcup. Marcel Schüle berichtet sogar: „Wäre in Ländern wie Österreich und der Schweiz kein Ligenspielbetrieb gewesen, dann wären von dort auch noch Mannschaften gekommen.“

So aber machten die deutschen Teams den Sieg untereinander aus. Auch weil Damen/Dirikx in der Vorrundengruppe A knapp am Weiterkommen scheiterten. Zwar hatten sie wie der Zweitplatzierte RMC Stein vier Punkte eingesammelt, doch das Torverhältnis sprach für den deutschen Erstligisten, der im Kampf um den Gruppensieg allerdings dem Zweitligisten Denkendorf den Vortritt lassen musste. Überhaupt war die Paarung aus dem Kreis Esslingen die große Überraschung. Sie bezwang nicht nur Waldrems im hoch spannenden Halbfinale, sondern gewann danach auch noch das Finale. Gegen den Sieger des Weltcups in St. Pölten, den RSV Blitz Schiefbahn (Marius Hermanns/Sven Holland-Moritz) hieß es am Ende 5:3.

„Denkendorf ist gerade voll im Training, da es sich auf die Aufstiegsrunde zur Ersten Bundesliga vorbereitet“, kam zumindest für Schüle und Bootsmann die starke Vorstellung des Turniersiegers nicht unerwartet. Ähnliches gelte für Teams wie den RMC Stein, den Waldrems im kleinen Finale mit 8:4 bezwang, und den RSV Blitz Schiefbahn, der Backnang als Testlauf fürs zweite Endrundenturnier zur deutschen Meisterschaft nutzte. Und Waldrems selbst? „Für uns ist die Zweiersaison eigentlich abgehakt. Wir trainieren bereits fürs Fünferradball“, erzählt das Duo unisono, das mit dem in dieser Disziplin erneut sehr große Ziele hat. Schließlich will sich der amtierende deutsche Meister Ende des Jahres den fünften Titel in Folge holen. Entsprechend gut vorbereitet wollen die erfahrenen Backnanger sein, wenn die Fünferradballsaison Ende Oktober mit einem Heimspieltag in der Kirchberger Sporthalle startet.

Siegfried Winter

Die Person Siegfried Winter war 83 Jahre alt, als er im Dezember 2018 verstarb. Mit dem Turnier um den Siegfried-Winter-Pokal erinnerte der Radsportverein Waldrems nun zum zweiten Mal an das Wirken seines langjährigen Vorsitzenden, Ehrenvorsitzenden und Wiedergründungsmitglieds. Denn als sich der 1914 gegründete RSV nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1950 neu aufstellte, war der damals 15-jährige Siegfried Winter mit dabei. 1965 wurde er Vorsitzender und war von da an lange Zeit Motor des Vereins. Unverzüglich nach seiner Wahl begann er mit der Planung zum Hallenausbau. Es mussten viele Hürden genommen werde, doch wenn Siegfried Winter etwas schaffen wollte, dann brachte er es auch zu Ende. Nicht umsonst wurde er von vielen nur „Sieger“ gerufen. 1972 war die Halle fertig.

Trainer und Helfer Siegfried Winter war aber nicht nur Funktionär, sondern auch Helfer und Trainer. Mit seinem Bruder Albert brachte er einer ganzen Generation an Sportlern erfolgreich das Radballspielen bei. Jeden Freitag stand er in der Halle und erklärte den Kindern die Kniffe der Sportart, begleitete als Betreuer unzählige Mannschaften und verstand es, sie vom Spielfeldrand aus zu lenken und ihnen die Angst zu nehmen. Auch stand er bis ins hohe Alter viele Stunden in der Werkstatt des RSV und reparierte Räder für die kleinen und großen Sportler.

Ratgeber und Planer Im Jahr 2000 übergab Winter sein Amt als Vorsitzender nach 35-jähriger Tätigkeit in jüngere Hände. Er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Seine Gabe, Leute zu integrieren, formte den Verein über Jahrzehnte. Neulinge wurden so rasch heimisch beim RSV. Dem Verein stand er weiterhin mit Rat und Tat zur Seite. Auch weil er in der vereinseigenen Halle nach Ordnung schaute. Mittlerweile haben die Waldremser auch einen neuen Anbau verwirklicht, den Siegfried Winter bereits in unterschiedlichen Formen geplant hatte.

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Erstellt:
20. September 2022, 06:00 Uhr

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