Drohende Plage?
EU verschiebt Rattengiftverbot 2026 – „zu schlau für Schlagfallen“
Brüssel und deutsche Stellen rudern zurück: Der Verkauf von Rattengift an Privatverbraucher bleibt vorläufig doch bis Juni 2026 erlaubt. Was dann passiert, ist noch unklar.
© privat/Büro Christian Jung MdL
Unerwünschter Besuch in einem Spülbecken der Karlsruher Polizei im Oktober 2025 (Archiv).
Von Michael Maier
Die EU hat es wieder einmal geschafft, für Verwirrung zu sorgen: Das ursprünglich für den 1. Januar 2026 angekündigte Rattengiftverbot wird nun auf den 1. Juli 2026 verschoben.
Ab etwa Mitte 2026 sollen die sogenannten antikoagulanten Rodentizide, also Blutgerinnungshemmer gegen Ratten und Mäuse, dann nicht mehr für Privatpersonen im Baumarkt erhältlich sein. Die Begründung der EU: Die Gifte seien gefährlich für andere Tiere und die Umwelt. Tatsächlich wurden bei über 60 Prozent aller untersuchten Wildtiere wie Raubvögeln, Füchsen und Wieseln Giftrückstände nachgewiesen.
Kein EU-weites Verbot für Rattengift?
Während sich die EU-Kommission plötzlich in Zurückhaltung übt und einzelnen Journalisten unaufgefordert über eine Sprecherin mitteilen lässt, es gäbe gar „kein EU-weites Verbot“, sondern lediglich eine „Neubewertung der Wirkstoffe“, übernimmt nicht jede Redaktion den gewünschten Spin der Berichterstattung.
Die Entscheidung wird dabei offenbar hin und her geschoben oder ganz auf die Mitgliedstaaten abgewälzt. Deutschland macht aber mit und setzt die Regelung voraussichtlich zum 1. Juli 2026 um. Das fällt zwar mitten in die sommerliche Fortpflanzungsperiode der Ratten, wobei ein einziges Paar pro Jahr bis zu 2000 Nachkommen haben kann. Es verlängert jedoch immerhin die bisherige „Galgenfrist“ um sechs Monate.
Schädlingsbekämpfer statt Rattengift
Die Konsequenzen sind potenziell erheblich: Statt für 20 Euro selbst Rattengift im Baumarkt kaufen zu können, müssen Hausbesitzer künftig rund 400 Euro für einen professionellen Schädlingsbekämpfer ausgeben, wenn überhaupt einer verfügbar ist. Experten warnen deswegen bereits: „Es wird deutlich mehr Ratten geben.“
Besonders kritisch: Die Schädlingsbekämpfer sind schon jetzt am Limit und haben zum Teil mehrwöchige Wartezeiten für neue Aufträge. Die Städte und Gemeinden dürfen zwar auch künftig noch Gift einsetzen, doch ob sie das Problem allein in den Griff bekommen, ist zweifelhaft.
EU mit Hin und Her bei Rattengift
Auch das Hin und her sorgt für Kopfschütteln. Erst hieß es, ab Januar 2026 sei Schluss, nun wurde der Termin auf Juli verschoben. Gleichzeitig betont die EU-Kommission, dass Gespräche mit den Mitgliedstaaten erst im Dezember 2025 begonnen haben und 2026 fortgesetzt werden.
Für Hausbesitzer bleiben indes nur wenige Alternativen: natürliche Abwehrmittel wie Pfefferminzöl und Chili-Pulver oder eben der teure Kammerjäger.
Beratungspflicht für den Handel
Die rechtliche Grundlage für die geplanten Einschränkungen findet sich in der EU-Biozid-Verordnung (528/2012), die 2026 eine neue Stufe erreicht und auch weitere chemische Mittel gegen Ungeziefer betreffen könnte. Baumärkte und andere Händler werden künftig beim Verkauf dazu verpflichtet, stets eine „gründliche fachmännische Beratung“ zu geben, was aber nicht immer ohne Weiteres leistbar ist.
Kein Rattengift mehr im Baumarkt?
- Verwendungsverbot für Rattengift ab 1.7.2026 (national unterschiedlich).
- Im Privathaushalt darf im Prinzip kein Rattengift mehr ohne Profi verwendet werden.
- Das Verbot bezieht sich auf die Verwendung, nicht nur auf den Verkauf.
Komplizierte Rattengift-Rechtslage
Wegen der rechtlichen Unwägbarkeiten könnten sich einige Anbieter auch ohne offenes Verbot aus dem Geschäft zurückziehen, heißt es aus der Branche. Und Online-Handel mit Rattengift wird de facto wohl unmöglich werden.
Gleichzeitig ist es laut Medienberichten aber auch denkbar, dass bestimmte Gifte noch über den 30. Juni 2026 hinaus erhältlich bleiben, solange ihre Zulassung nicht erloschen ist. Die Rechtslage gestaltet sich im Detail so unübersichtlich, dass sie kaum praktikabel scheint und wohl selbst von Fachleuten nicht mehr ganz verstanden wird.
„Ratten viel zu schlau“
Immobilienbesitzer sollten sich indes rechtzeitig vorbereiten und alternative Bekämpfungsmethoden in Betracht ziehen – oder reichlich Rattengift bevorraten. Schlagfallen kommen dabei laut Profis jedoch nicht wirklich zur Bekämpfung in Frage, denn die Ratten sind dafür offenbar „viel zu schlau“ und warnen sich gegenseitig mit Ultraschall-Pfeiftönen.
