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Ex-Aspacher bietet Ajax Amsterdam die Stirn

Die SG Sonnenhof führte Thomas Letsch vor elf Jahren als Trainer von der Oberliga in die Regionalliga und zum WFV-Pokalsieg. Mit Vitesse Arnheim mischt der mittlerweile 52-jährige Schwabe nun derzeit die niederländische Ehrendivision auf.

Bejubelte in bislang sieben der acht Saisonspiele einen Sieg seiner Elf: Großaspachs Ex-Trainer Thomas Letsch. Mit Vitesse Arnheim sorgt der 52-Jährige derzeit in der niederländischen Ehrendivision für Furore und liegt punktgleich mit Spitzenreiter Ajax Amsterdam auf Rang zwei. Foto: Imago

© imago images/Pro Shots

Bejubelte in bislang sieben der acht Saisonspiele einen Sieg seiner Elf: Großaspachs Ex-Trainer Thomas Letsch. Mit Vitesse Arnheim sorgt der 52-Jährige derzeit in der niederländischen Ehrendivision für Furore und liegt punktgleich mit Spitzenreiter Ajax Amsterdam auf Rang zwei. Foto: Imago

Von Uwe Flegel

„Mir geht es gut, das ist heutzutage das Wichtigste.“ Wobei im Fall von Thomas Letsch etwas anderes auch nicht so ganz bedeutungslos ist. Der einstige Trainer der Großaspacher Fußballer sorgt in der niederländischen Ehrendivision mit Vitesse Arnheim gerade für Furore. Nach acht Spielen liegt das Überraschungsteam aus der Hauptstadt der Provinz Gelderland punktgleich mit Spitzenreiter Ajax Amsterdam auf Rang zwei. Der Mann, der den Verein aus dem Fautenhau im Sommer 2009 von der Ober- in die Regionalliga geführt und mit der SG zudem noch den WFV-Pokal gewonnen hat, hält den Ball verbal trotzdem flach und sagt nur: „Sportlich läuft’s ebenfalls gut.“

Wer in Großaspach mit Verantwortlichen und Fans spricht, die lange schon an Bord sind, wer ehemalige Spieler auf Letsch anspricht, die in dessen eineinhalb SG-Jahren das rote Trikot trugen, der sieht ein kleines Leuchten in den Augen, wenn das Gegenüber über die gemeinsame Zeit mit dem mittlerweile 52-Jährigen redet. In den nur 18 Monaten im Fautenhau hat der gebürtige Esslinger so positive Spuren hinterlassen wie kaum ein anderer seiner Vorgänger und Nachfolger. Als der Gymnasiallehrer nach dem Double vor elf Jahren aus beruflichen Gründen für drei Jahre in die portugiesische Metropole ging, war es ein Weggang, der von viel Wehmut begleitet war.

Letsch selbst verhehlt ebenfalls nicht, dass er gerne an die Zeit zwischen dem 1. Januar 2008 und dem Sommer 2009 denkt. Das liegt auch daran, „dass ich zu Joannis Koukoutrigas und Philipp Mergenthaler einen sehr guten Kontakt habe“. Entsprechend intensiv verfolgt er, was sich bei seinem Ex-Verein tut. Wobei das wiederum nicht nur für den Klub aus dem Fautenhau gilt, sondern „für alle Vereine, bei denen ich mal war“. Ein Satz, der durchaus typisch für Thomas Letsch ist. Er ist kein Lautsprecher, keiner der die große Show unbedingt braucht, der eindimensional denkend unterwegs ist. Nüchtern, sachlich und trotzdem bestimmt vertritt er seine Ansicht.

Großaspach liegt Arnheims Erfolgstrainer immer noch am Herzen.



Zu seiner Meinung über das, was im Fautenhau in den vergangenen Jahren gelaufen ist, plappert er nicht drauf los, sondern schränkt erst einmal ein, „dass ich da ein bisschen weit weg bin“. Einerseits. Andererseits sagt er auch: „Der Abstieg aus der Dritten Liga tat mir weh.“ Deshalb aber alles in Bausch und Bogen zu verdammen, ist nicht sein Ding, denn: „Man muss in Aspach immer noch das Drumherum sehen, die Möglichkeiten, die der Verein hat. Man muss doch sehen, gegen welche Klubs mit welch deutlich größerem Potenzial es da in der Dritten Liga gegangen ist oder jetzt auch in der Regionalliga. Man darf nicht vergessen, wo Großaspach eigentlich herkommt.“ Sätze des Trainers, der im Fautenhau als Nachfolger von Markus Gisdol einst einen Oberligisten übernahm, der unter seinem Vorgänger und ihm die erste Saison überhaupt spielte, in der die SG nicht fürchten musste, wieder in die Verbandsliga abzusteigen. Sein Urteil: „Das, was dort in den vergangenen Jahren geschafft wurde, ist immer noch eine tolle Leistung, der Abstieg war der erste Rückschlag.“ Dass es nun auch in der Regionalliga noch nicht so toll läuft, weiß er und sagt: „Ich bin überzeugt, dass die Aspacher Verantwortlichen weiterhin ihr klares Konzept verfolgen, und würde mich wahnsinnig freuen, wenn der Verein in naher Zukunft auch wieder um den Aufstieg mitspielen wird, schließlich hatte ich da ja eine ganz tolle Zeit.“

Letzteres gilt gerade auch für seine momentane Trainertätigkeit. Schließlich mischt der Schwabe mit Vitesse Arnheim bislang die Ehrendivision auf, gewann sieben der ersten acht Punktspiele und verlor einzig gegen Rekordmeister Ajax Amsterdam. „Das war trotzdem eines unserer besten Saisonspiele“, sagt Letsch zu dem unglücklichen 1:2. Sogar noch ein bisschen besser dürfte ihm vier Wochen später der 2:1-Erfolg gegen den Tabellendritten PSV Eindhoven und Leverkusens Ex-Coach Roger Schmidt gefallen haben. Der Tabellensiebte der vergangenen Saison liegt derzeit punktgleich mit Spitzenreiter Ajax auf Rang zwei. „Besser kann’s nicht laufen“, weiß Letsch, der erst diesen Sommer den Traditionsverein aus der niederländischen Modemetropole am Rhein übernahm. Was kam, war eine Vorbereitung, „in der wir kein Spiel verloren haben“, sagt der Ex-Aspacher. „So etwas hilft, die Spieler von deiner Idee zu überzeugen.“ Heißt, dass die Elf, die in Sachen Marktwert der Fußballer in der Ehrendivision nur auf Rang acht notiert ist, seither mit viel Laufarbeit und Pressing sowie schnellem Umschaltspiel fast immer als Sieger vom Feld geht und damit die große Überraschung in den Niederlanden ist. Wobei dem 52-Jährigen durchaus bewusst ist: „Bislang haben wir erst acht von insgesamt 34 Partien hinter uns. Deshalb hat sich an unserem Ziel, um einen europäischen Platz mitzuspielen, nichts geändert.“ Ein Rang unter den ersten sieben müsste es dafür am Ende sein.

Derzeit sieht es gut aus, dass der Gymnasiallehrer und seine Mannschaft dieses Klassenziel am Ende erreichen. Da lässt sich für den erfolgreichen Fußballtrainer durchaus verschmerzen, dass das sportliche Glück allerdings nicht nur positive Seiten hat, vor allem in Zeiten von Corona nicht. Denn die erschweren zusätzlich den Kontakt zu seiner Frau und der 13-jährigen Tochter, die in seiner Wahlheimat Salzburg wohnen geblieben sind. Diese Trennung ist „derzeit aber wirklich das einzig Negative“, sagt Letsch bedauernd. Ansonsten aber gehe es ihm gut – und das ist momentan das Wichtigste.

Als Spieler und Trainer WFV-Pokalsieger, nun Coach von Roy Makaays Heimatverein

Thomas Letsch war als Spieler für den VfB Oberesslingen sowie für die Oberligisten TSV Wäldenbronn und SV Bonlanden am Ball. Mit Bonlanden gewann er 1996 den WFV-Pokal. Einer seiner damaligen Mitstreiter war Alexander Zorniger.

Seine Trainerkarriere startete Letsch 1997 bei seinem Heimatverein VfB Oberesslingen. Als Coach oder Co-Trainer waren die Stuttgarter Kickers, der FC Heilbronn, der SSV Ulm sowie ab dem Januar 2008 die SG Sonnenhof die nächsten Stationen. Im Sommer 2009 ging der Gymnasiallehrer für Sport und Mathematik drei Jahre an eine deutsche Schule im portugiesischen Lissabon. Anschließend wurde er Sportlicher Leiter der Nachwuchsabteilung von RB Salzburg. Bei den Österreichern sowie ihrem in der zweiten Liga beheimateten Partnerverein FC Liefering fungierte der gebürtige Esslinger von 2012 bis 2017 außerdem als Co-Trainer, als Interimstrainer und als Cheftrainer. Im Sommer 2017 war er kurze Zeit Chefcoach beim deutschen Zweitligisten FC Erzgebirge Aue. Im Februar 2018 übernahm er den österreichischen Erstligisten Austria Wien, der sich im März 2019 auf einem Playoff-Platz liegend von ihm trennte. Danach machte Letsch ein Jahr Pause, ehe er im Sommer den niederländischen Ehrendivisionär Vitesse Arnheim übernahm.

Vitesse Arnheim ist seit 1989 fester Bestandteil der höchsten niederländischen Liga. Die bislang beste Platzierung in der sogenannten Ehrendivision erreichte der 1892 gegründete Verein aus der 160 00 Einwohner großen Stadt im Jahr 1998 mit Platz drei. 2017 gab’s mit dem Gewinn des niederländischen Pokals den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Der spätere Bayern Torjäger Roy Makaay ist der bekannteste Spieler, den der Klub aus der rund 20 Kilometer von der Grenze zu Deutschland entfernten Metropole der Provinz Gelderland hervorgebracht hat. Der Mittelstürmer stammt aus der Vitesse-Jugend und sammelte dort auch seine ersten Erfahrungen als Fußballprofi.

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Erstellt:
19. November 2020, 06:00 Uhr

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