Markus Lanz
Experte zu WM in den USA: „Die Trump-Spiele kommen erst noch“
Auch bei Markus Lanz steht die Fußball-Weltmeisterschaft im Fokus. Im ZDF-Talk geht es um „schöne“ WM-Momente in den USA – und ein Szenario für Trumps politisches Ende.
© IMAGO/teutopress
Lucas Vogelsang, Journalist und Fußball-Experte, bei Markus Lanz im Jahr 2021.
Von Christoph Link
Politik und Sport mischten sich in dieser Talkrunde von Markus Lanz in der Nacht zum Donnerstag auf spannende Weise. Es ging um die Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko und um US-Präsident Donald Trump und seinen möglichen Abtritt. Eine gewisse Begeisterung für die WM war bei drei der fünf Studiogäste herauszuhören, aber zwei gossen etwas Wasser in den Wein.
Allen voran der Fußballexperte Lucas Vogelsang, für den es „die Störgeräusche von Trumps Amerika“ sind, die schuld daran sind, „dass einem der Spaß an der WM genommen wird“. Enorm hohe Ticketpreise, Schikanen und gebrochene Versprechen gegenüber der iranischen Mannschaft, die in Mexiko wohnen muss und nur zu Spielen kurz über die US-Grenze darf, führte Vogelsang als Belege an. Auch Vogelsang ist überzeugt, dass Fußball der Völkerverständigung dienen kann: „Aber je schöner die Bühne, desto größer wird sie auch für Trump.“ Der werde die WM noch propagandistisch nutzen. „Die Trump-Spiele kommen erst noch.“
„Eine WM der oberen Zehntausend“
Auch der aus Mexiko zugeschaltete Korrespondent Klaus Ehringfeld war nicht von Euphorie über die WM beseelt: Abwartend, distanziert und skeptisch blickten die Mexikaner auf die WM, sie sei eben nicht wie die WM in Mexiko 1986 das Fest des Volkes, sondern werde als „die WM der Fifa, der Unternehmen und der oberen Zehntausend“ wahrgenommen.
Die Armutsquote sei hoch, das Wohlstandsgefälle enorm, der Sicherheitsapparat trete martialisch auf, um einen Eindruck von Sicherheit im Land zu erwecken. Dabei bedrücke die Menschen das Schicksal von 134.000 Verschwundenen, Opfer der Drogenkartelle, die „eigentliche Tragik des Landes“. Dass Mexikos Kartelle die WM nicht stören werde, da war sich Ehringfeld einigermaßen sicher. Vermutlich verdiene sie selbst daran, oder sie habe mit der Regierung eine Absprache – einen mafiösen Frieden – geschlossen.
Leere Hotels, volle Stadien
So düster diese Ausführungen waren, so kontrastrierten sie doch mit den „echt schönen Momenten“, die sowohl der Korrespondent Jürgen Schmieder („Süddeutsche“), die US-Expertin Cathryn Clüver Ashbrook und der in den USA lehrende Ökonom Rüdiger Baumann schilderten. Schmieder berichtete von einer guten WM-Stimmung in Los Angeles, wo die Hotels zwar leer, die Stadien aber voll seien. Die Amerikaner ließen sich sehr wohl von der guten Laune von schottischen oder belgischen Fans anstecken, und vorm Trainingsgeländer der Iraner hätten sich übrigens mexikanische Anhänger für eine Party versammelt: „Vamos Iran!“ In Kansas City hätten die Einwohner die algerische Mannschaft quasi „adoptiert“, berichtete Bachmann. So seien sie auch die Amerikaner, am Ende „unglaublich gastfreundlich“ und verliebten sich gerne in andere Kulturen - „selbst aus dem arabischen Raum“.
Und schließlich berichtete Ashbrook aus Boston, dass dort der Bürgermeister ein Public Viewing für Migranten aus Südamerika aufgestellt habe, für die ein Ticket ein Traum bleibt. Das sei auch eine Botschaft Bostons an Trump: Migranten gehören zu unserer Stadt und wir feiern mit ihnen ein „Fußballfest“ zum 250. Geburtstag der USA.
Dass sich Trump bei der WM in der nächsten Zeit noch in Szene setzen werde, davon ist auch Ashbrook überzeugt. Sicher ist sie sich auch, dass im Falle eines Spieles USA gegen Iran – wäre in der KO-Runde möglich – Donald Trump nicht ins Stadion gehen werde. Nach dem „Schmach-Frieden“ mit dem Iran („Es ist unglaublich, was der Iran alles erreicht hat“) könne sich Trump nicht auch noch dem Risiko einer Niederlage der USA im Stadion aussetzen. „Das wäre ein absolut heißes Eisen, wenn der Iran ihn nochmal demaskiert.“
Die Reindustrialisierung klappt gar nicht
Zumindest an dem Punkt der Sendung war der Übergang zur US-Politik vollzogen und Ashbrook streifte Themen wie die Autokratisierung im System Trump, die Selbstbereicherung von ihm und seinen Vertrauten und die Umschichtung im Wirtschaftssystem. Die, die ihn mal gewählt hätten, die interessierten Trump gar nicht mehr, sagte Ashbrook. Der Ökonom Bachmann bezeichnete das Wirtschaftswachstum unter Trump mit zwei Prozent als „gut“, aber beim Blick unter die Motorhaube seiner Wirtschaft zeigten sich doch Schwächen: hohe Inflation wegen der Zölle und dem Iran-Krieg, gemischte Bilanz auf dem Arbeitsmarkt mit wieder steigenden Arbeitslosenrate. „Vor allem kommt die versprochene Reindustrialisierung der USA überhaupt nicht in die Gänge. Sie findet eigentlich gar nicht statt.“
Und dann wagte Bachmann noch eine Prognose und entwarf ein Szenario, die doch beide sehr überraschend klangen. Zum einen wies er auf die wachsende Wut und Angst in den USA vor der Künstlichen Intelligenz hin, sie werde spätestens im Präsidentschaftswahlkampf 2028 das große Thema sein. Wenn es den US-Demokraten gelänge, da den Widerstand zu übernehmen und beispielsweise eine Maschinensteuer zu fordern, dann könnten sie sogar im ländlichen Raum reüssieren. „Da tut sich eine Chance auf neue politische Konstellationen auf.“
Und auf Nachfrage von Lanz, ob Trump noch wirklich die ganz Amtszeit durchstehen werde, da entwarf Bachmann das „einzige Szenario“, in dem er sich einen früheren Abgang von Trump vorstellen könnte. Die Republikaner müssten bei den Wahlen zu den Mid-Terms im November sehr stark verlieren – das wäre die eine Voraussetzung. Ein ambitionierter Vizepräsident James D. Vance wäre die zweite. Da in einem möglichen Kandidatenduell von Vance mit Außenmninister Marco Rubio um die Trump-Nachfolge die schlechteren Karten bei Vance lägen, hätte der nach den verlorenen Mid-Terms die einzige Chance für einen Griff nach der Macht.
In einem Amtsenthebungsverfahren – unter Umständen wegen physischer Schwächen – könnte Trump abgesetzt werden. Das wäre die Stunde für den Vizepräsidenten. Die These klang einigermaßen gewagt, aber in der Studio-Runde war immerhin kein Widerspruch oder Missfallen darüber zu hören.
