Wie auf Erde, Mars und Mond

Forscher entdecken riesige Lavahöhle auf der Venus

Auf der Venus haben Forschereine Lavahöhle entdeckt – Eingang zu einem riesigen Lavagang im Untergrund. Der Hohlraum ist mehr als einen 1 breit und 375 Meter hoch.

Radardaten enthüllen den Eingang zu einem riesigen Lavagang auf der Venus.

© © RSLab/ University of Trento

Radardaten enthüllen den Eingang zu einem riesigen Lavagang auf der Venus.

Von Markus Brauer

 Wissenschaftler der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA (Japan Aerospace Exploration Agency) steißen im Oktober 2017 bei Analysen der Selene-Mission vom Bodenradar an Bord der Sonde Kaguya auf eine bis zu 50 Kilometer lange und ein Kilometer breite und hohe Höhle auf dem Mond. Die Höhle liegt im Gebiet der Marius-Hügel (Marius Hills).

Die Forscher überprüften die Daten der Mondsonde, aus denen hervorgeht, dass der Tunnel 3,5 Milliarden Jahre alt und womöglich durch vulkanische Aktivität entstanden sein könnte. Sogar Wassereis könnte in diesem gigantischen Hohlraum unter der Mondoberfläche existieren.

Wie Lavahöhlen entstehen

Lavahöhlen entstehen, wenn vulkanische Lava an der Oberfläche schnell abkühlt und erstarrt, darunter aber weiter abfließt. Diese unterirdischen Lavaströme hinterlassen dann hohle Gänge, deren Decken an einigen Stellen einbrechen können. Es entstehen sogenannte Skylights.

Auf der Erde sind Lavahöhlen vor allem aus Hawaii bekannt. Aber auch auf Mond und Mars haben Aufnahmen von Raumsonden solche Skylights und die unter ihnen liegenden Lavagänge identifiziert. Sie gelten als vielversprechende, geschützte Standorte für künftige Mondbasen oder Marsstationen.

Höhlen-Fahndung in alten Radardaten

Jetzt haben Planetenforscher erstmals auch eine Lavahöhle auf der Venus entdeckt. „Die Existenz solcher Lavagänge auf der Venus wurde schon lange angenommen, aber bisher nie bestätigt“, erklären Leonardo Carrer und seine Kollegen von der Universität Trient in Italien im Fachjournal „Nature Communication“.

Individuato un tunnel di lava nel sottosuolo di Venere. ️ La scoperta è frutto di una ricerca condotta dall’Università di Trento nell’ambito di un progetto finanziato dall’Agenzia Spaziale Italiana. ℹ️ Scopri di più su Globalscience https://t.co/uZbahlAoA3pic.twitter.com/ZDfI48HBG7 — Agenzia Spaziale ITA (@ASI_spazio) February 9, 2026

Dass die Venus vulkanisch hochaktiv war, belegen zahlreiche Vulkane und riesige Lavaströme auf ihrer Oberfläche. Einige dieser Vulkane könnten vielleicht noch aktiv sein, wie Hitzesignaturen und frische Veränderungen an Vulkanhängen nahelegen.

Umgeben von dichter Gashülle

Die dichte, wolkenverhangene Gashülle der Venus versperrt den Blick auf ihre Oberfläche. Nur Radarstrahlung kann diesen Schleier durchdringen, aber bisher haben nur wenige Venussonden entsprechende Aufnahmen geliefert.

Eine davon ist die Magellan-Raumsonde der US-Raumfahrtbehörde Nasa, welche die Venusoberfläche von 1990 bis 1992 mit ihrem Synthetic Aperture Radar (SAR) kartiert hat. Carrer und sein Team haben nun diese Aufnahmen noch einmal genauer analysiert.

„Wir haben eine neu entwickelte Technik genutzt, um Hinweise auf lokalisierte Einstürze von potenziellen Lavagängen genauer zu analysieren und nach solchen Untergrundkanälen nahe Skylights zu suchen“, erklärt Carrer.

Venus: Erdähnlich, aber extrem heiß

Die Venus zählt zu den vier erdähnlichen Planeten. Wie die Erde, der Mars und der Merkur ist sie ein Gesteinsplanet. Sie ist 38 Millionen Kilometer von unserem Planeten entfernt. Auf ihrer Umlaufbahn kommt sie der Erdbahn mit diesem minimalen Abstand am nächsten. Mit einem Durchmesser von 12 100 Kilometern hat sie eine ähnliche Größe wie unser blaue Planet.

Durch einen starken Treibhauseffekt herrschen auf ihrer Oberfläche mehrere hundert Grad Celsius. Eine lebensfeindliche Hitzehölle mit Temperaturen über 500 Grad. Der Luftdruck am Boden ist mit 92 Bar mehr als 90-mal so hoch wie auf der Erde. Die Atmosphäre besteht zu 96 Prozent aus Kohlendioxid.

Die Bedingungen galten deshalb bislang als wenig förderlich für die Existenz von Leben. Doch war das schon immer so? Darüber herrscht unter Astronomen Uneinigkeit. In den oberen Atmosphärenschichten, rund 50 bis 60 Kilometer über der Oberfläche, könnten allerdings vergleichsweise moderate Temperaturen Leben erlauben, was zu Spekulationen über schwebende Mikroorganismen geführt hat.

Decke des Höhlengangs ist teilweise eingestürzt

„Unsere Analysen enthüllen einen großen Lavagang im Venusuntergrund in der Region des Nyx Mons“, berichten die Forscher. Dieser große Schildvulkan liegt auf rund 30 Grad nördlicher Breite und ist von zahlreichen Gräben und ganzen Ketten rundlicher Senken umgeben. An der Westflanke des Vulkans haben Carrer und sein Team jetzt ein großes Loch in der Venusoberfläche entdeckt.

Dieses Loch ist 1,5 Kilometer lang, gut einen Kilometer breit und rund 450 Meter tief. Die Astronomen deuten diese Öffnung als Skylight – also als eine Stelle, an der die Höhlendecke eines Lavagangs eingestürzt ist. Die Analysen der Radardaten legen nahe, dass dieser Lavagang mindestens einen Kilometer breit sein muss. „Das Höhlendach ist mindestens 150 Meter dick und überwölbt einen Hohlraum, der mindestens 375 Meter hoch sei muss“, schreiben die Wissenschaftler.

Größer als Lavagänge auf Erde und Mars

Wie lange der neuentdeckte Lavagang insgesamt ist, lässt sich anhand der Radardaten nicht feststellen. „Das Radarsignal reicht mindestens 300 Meter weit in die Höhle hinein“, konstatieren die Forscher. Aber durch den steilen Winkel der Radarstrahlen ist nicht sichtbar, wie weit sich der Gang noch darüber hinaus erstreckt.

„Analysen des umgebenden Terrains und die Präsenz weiterer Senken legen jedoch nahe, dass dieser unterirdische Lavagang noch mindestens 45 Kilometer weit reicht“, erläutert Seniorautor Lorenzo Bruzzone.

Damit ist die Lavahöhle auf der Venus deutlich größer als die bisher von Erde und Mars bekannten Lavagänge. Wie die Experten weiter erklären, ist dies nicht verwunderlich: Durch die geringere Schwerkraft und dichtere Atmosphäre der Venus bildet die Venus-Lava besonders schnell eine erstarrte Kruste, während die glutflüssige Schmelze darunter noch lange weiterfließen kann. Dadurch können Lavagänge auf der Venus größer werden als hier auf der Erde.

Nach Ansicht der Forschenden ist die Entdeckung der Lavahöhle am Nyx Mons aber erst der Anfang. Denn sie vermuten, dass noch viele weitere Lavagänge auf der Venus existieren und auf ihre Entdeckung warten.

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Erstellt:
10. Februar 2026, 13:40 Uhr

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