250 Millionen Jahre alt
Forscher entdecken Säugetier-Vorfahre in altem Ei
Die Entdeckung eines Embryos in einem versteinerten Gelege sorgt in der Wissenschaft für Aufsehen. Der Fund belegt, dass ein Urahn der Säugetiere Eier legte. Seine besondere Fortpflanzungsmethode half ihm, das größte Massensterben der Erdgeschichte zu überstehen.
© 2026 Benoit et al./PLoS One)
Eine digitale 3D-Rekonstruktion der segmentierten Knochen.
Von Stefan Parsch (dpa)/Markus Brauer
Ein knollenförmiges Fossil hat sich als säugetierähnliches Reptil im Ei entpuppt. Der Lystrosaurus war ein Vorfahre der Säugetiere und eines der wenigen Landwirbeltiere, die das Massenaussterben an der Perm-Trias-Grenze vor etwa 252 Millionen Jahren überlebten, wie ein Forscherteam in der Fachzeitschrift „Plos One“ berichtet.
Das mittels Computertomografie untersuchte Ei gebe Hinweise auf die Lebensweise, die den Tieren das Überleben in einer warmen und trockenen Umgebung ermöglichten.
Eier von Lystrosaurus fehlten bisher
In Südafrika waren bereits Dinosaurier-Eierfossilien in großer Zahl gefunden worden. Von Lystrosaurus und anderen Mitgliedern der Gruppe der Synapsiden fehlten bisher Eier, trotz der gefundenen Knochen älterer Tiere, wie die Experten um Julien Benoit und Jennifer Botha von der University of the Witwatersrand in Johannesburg erläutern.
Die Abwesenheit von Eiern war so auffällig, dass der südafrikanische Paläontologe James Kitching sogar die Frage aufwarf, ob Synapsiden in den Erdzeitaltern Perm und Trias überhaupt Eier legten.
Grundsatzfrage ist geklärt
Diese Frage konnten die Studienautoren nun mit einem eindeutigen „Ja“ beantworten. Das knollenförmige Fossil war bereits 2008 gefunden worden, mit einem kleinen, zusammengerollten Lystrosaurus. „Ich vermutete bereits damals, dass das Jungtier im Ei gestorben war, aber uns fehlte schlichtweg die Technologie, um dies zu bestätigen“, erklärt Botha.
An der Forschungseinrichtung European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) im französischen Grenoble wurden neben diesem Ei zwei weitere Fossilien sehr kleiner Exemplare des Lystrosaurus untersucht. Das vermutlich im Ei gestorbene Tier hat die kleinste Schädellänge der drei Fossilien: 34,5 Millimeter.
Ein weiterer Schädel, ohne zugehörigen Körper, ist 43 Millimeter lang. Er galt lange Zeit als der kleinste gefundene Lystrosaurus. Das dritte, weitgehend vollständige Fossil hat einen 44 Millimeter langen Schädel. Der Körper ist gestreckt, so dass die Forscher davon ausgehen, dass er bereits geschlüpft war.
Entwicklung ähnlich der bei Schildkröten und Vögeln
Der Schädel des kleinsten Lystrosaurus, etwa 250 Millionen Jahre alt, unterscheidet sich von den anderen beiden Schädeln dadurch, dass die beiden Hälften des Unterkiefers (noch) durch Knorpel miteinander verbunden waren. Dieses Phänomen des späten Zusammenwachsens der Unterkieferknochen ist von ungeschlüpften Schildkröten und Vögeln bekannt.
„Der Umstand, dass dieser Zusammenschluss noch nicht stattgefunden hatte, zeigt, dass das Individuum nicht in der Lage gewesen wäre, sich selbst zu ernähren“, erläutert Benoit. Auch an anderen Stellen weist das Skelett des kleinen Lystrosaurus Lücken in der Verknöcherung auf. Dies sind weitere Hinweise darauf, dass sich der kleine Lystrosaurus noch im Ei befand, als er starb.
Große Eier mit weicher Schale
Aus dem Ei-Fossil leiten die Forscher weitere Hinweise ab: „Da keine verkalkte Eierschale erhalten ist, könnte das Ei weich und ledrig gewesen sein“, schreiben sie. Zudem ist das Ei gegenüber Eiern von Reptilien verhältnismäßig groß. Heutige Arten legen dann besonders große Eier, wenn sie wenig Konkurrenz und wenig Fressfeinde haben.
Das dürfte nach dem Massenaussterben vor etwa 252 Millionen Jahren der Fall gewesen sein. „Größere Eier, insbesondere solche mit weicher Schale, sind zudem weniger anfällig für Austrocknung, da ihr Verhältnis von Oberfläche zu Volumen gering ist“, heißt es in der Studie.
Sich selbst versorgender Nestflüchter
Die großen Eier deuten darauf hin, dass Lystrosaurus alles, was er brauchte, im Ei hatte, sodass er sehr wahrscheinlich nach dem Schlüpfen nicht noch mit Milch gefüttert wurde. Stattdessen war er wohl ein Nestflüchter, der sich von Anfang an selbst versorgte.
„Unsere Forschung zeigt, wie Fortpflanzungsstrategien das Überleben in extremen Umgebungen beeinflussen können. Durch die Produktion großer, dotterreicher Eier und die Entwicklung frühreifer Jungtiere konnte Lystrosaurus in den rauen und unvorhersehbaren Bedingungen nach dem Massenaussterben am Ende des Perms überleben“, sagt Benoit.
