Fußball als Kontaktsport der schönen Art

Bei der Mini-EM im Trauzenbachstadion ist der Sport ein klasse Vehikel, um neue Freundschaften zwischen den Jugendlichen aus Murrhardt und den Partnerstädten aus vier Ländern zu knüpfen. Alle Beteiligten sind sich einig, dass aufs erste Kapitel eine Fortsetzung folgen soll.

Die Freude bei den Jungs aus Pieve ist groß. Der Kampf um den Sieg war aber nur ein Aspekt der Murrhardter Veranstaltung. Foto: Stefan Bossow

Die Freude bei den Jungs aus Pieve ist groß. Der Kampf um den Sieg war aber nur ein Aspekt der Murrhardter Veranstaltung. Foto: Stefan Bossow

Von Uwe Flegel

Murrhardts Bürgermeister Armin Mößner blickte sehr zufrieden in Richtung Rasen im des Trauzenbachstadions. Auf dem standen sich gerade die C-Jugendfußballer aus dem französischen Château-Gontier und dem italienischen Pieve di Soligo im Finale der Mini-EM gegenüber. Das Team aus der Gemeinde in der Nähe von Treviso gewann mit 2:1 und jubelte entsprechend. Doch der Turniersieg ist nur ein Teil des Treffens der über 100 Nachwuchskicker aus Murrhardt und seinen Partnerstädten Château-Gontier (Frankreich), Frome (England) und Rabka-Zdrój (Polen) sowie dem norditalienischen Pieve, das noch Partnerstadt werden soll.

Genauso wichtig wie der Sport ist den Beteiligten das Miteinander verschiedener Kulturen. Der 15-jährige Italiener Vincenzo Ragonese bezeichnete es als „sehr schöne Idee“. Für ihn und all die anderen sei ein solches Turnier mit Teams aus den Partnerstädten eine neue Erfahrung. Von der hofft er, „dass sie neue Freundschaften bringt“. Sein gleichaltriger Mitspieler Ludoviko Bellé stimmte ihm zu: „Ich freue mich vor allem auf den Kontakt mit Jugendlichen und Mannschaften aus anderen Ländern.“

Gemeinsame Unternehmungen neben dem Platz sind ebenso wichtig

Sätze und Einschätzungen, mit denen die beiden Jungs aus Pieve nicht alleine standen – unabhängig vom Alter. Denn auch dem französischen Trainer Corentin Prel (24) sowie Betreuer Valentin Hermenier (25) war neben dem Kampf um Tore und Punkte wichtig, „dass unsere Jungs die Möglichkeit haben, andere Kulturen zu erleben“. Sei es auf dem Platz oder daneben wie beim gemeinsamen Besuch der Stuttgarter Fanzone heute sowie morgen bei einer Waldolympiade rund ums Stadion. Die Vorfreude auf die fünf Tage in Murrhardt sei bei allen sehr groß gewesen.

Das galt allerdings nicht nur für die Gäste, sondern auch für die Gastgeber der SGM Murrhardt. Schon vor dem Turnier hatte der 13-jährige Lukas Schmidt bekannt, dass er der Begegnung mit den Jugendlichen aus anderen Ländern durchaus ein wenig entgegen fiebere. Der Fokus auf die sportlichen Duelle sei aber nicht viel anders als bei anderen größeren Turnieren, die er mit seiner Mannschaft in der Vergangenheit bereits gespielt habe. Sein Teamkollege Ali Celik stimmte ihm zu. Dass es für die C-Jugend der Spielgemeinschaft des VfR Murrhardt, des SC Fornsbach und der Spvgg Kirchenkirnberg gegen unbekannte und internationale Gegner geht, kommentierte der 14-Jährige so: „Davor habe ich Respekt, bin aber zuversichtlich, dass wir gut abschneiden.“ Da täuschte er sich nicht groß. Rang drei belegten die Hausherren am Ende unter den zwölf Mannschaften, nachdem sie im Halbfinale nur am späteren Ersten Pieve im Neunmeterschießen gescheitert waren.

Für die Teams aus dem englischen Frome war zu dem Zeitpunkt bereits Schluss. Für ihre Coaches Kerry Moon und deren Mann Daniel Ashby war die Jugendbegegnung trotzdem „fantastisch“. Daniel Ashby war sich sicher, „das hier ist ein einmaliges Erlebnis, dass die Jungs vielleicht nie vergessen werden.“ Wobei er selbst vergessen hatte, dass aus England nicht nur Jungs, sondern auch ein C-Mädchenteam angereist war. Das nahm zwar nicht am Turnier teil, bestritt aber gegen die SGM Oppenweiler/Sulzbach ein Freundschaftsspiel und die 14-jährige Abigail Knight fand: „Wir hatten ja wenigstens ein Spiel und deshalb ist es für uns trotzdem toll.“ Sie und ihre Teamkolleginnen sind glücklich, die große Europameisterschaft direkt im Land des Ausrichters miterleben zu können. Heute zum Beispiel sind in der Fan-Zone in Stuttgart sogar noch ein Stück dichter dran.

Sätze von jungen Menschen und von ihren nicht so arg viel älteren Trainern. Worte, die von lachenden Gesichtern begleitet und die kurz danach vom 49-jährigen Daniel Koscielniak bestätigt wurden. Bei ihm handelte es sich gar um den Besitzer und Gründer des 14 Jahre alten polnischen Vereins Didi Gol Rabka-Zdrój. Mit drei teilnehmende C-Jugendteams sowie einer E-Jugend, die gegen die SGM Murrhardt ein Freundschaftsspiel machte, war er aus dem 50 Kilometer südlich von Krakau gelegenen Kinder-Kurort ins Murrtal gekommen. Für ihn stand bereits nach den ersten 24 Stunden in Murrhardt fest: „Wir sollten diese Form des Austausches beibehalten.“ Es sei förderlich für die Bereitschaft, sich selbst und andere zu integrieren. Koscielniak erklärte: „Mir ist das gegenseitige Kennenlernen von Menschen aus verschiedenen Ländern wichtiger als das sportliche Ergebnis.“ Erst recht, wenn es an für Polen fast schon sporthistorischer Stätte stattfindet. Denn das Trauzenbachstadion war vor 50 Jahren bei der WM in Deutschland Trainingsstätte der polnischen Nationalelf, wie selbst der 49-Jährige wusste. „Das aber erst seit drei Wochen, weil mir ein Bekannter aus Murrhardt den Artikel aus eurer Zeitung zuschickte“, wie er schmunzelnd gestand.

Bürgermeister Armin Mößner betont die Integrationskraft des Sports

Armin Mößner kennt diese Geschichte schon viel länger. So wie er auch weiß, dass neben der Musik auch der Sport eine Völker verbindende Eigenschaft hat. „Es ist einfach so, dass du einen Ball hinlegst und jeder weiß, was zu tun ist.“ Egal, wo er her kommt und welcher Sprache er mächtig ist. Der Bürgermeister der Walterichstadt gehörte mit Philip Campagna aus dem englischen Frome vor einem Jahr zu denjenigen, die auf die Idee kamen, so ein Turnier anlässlich der EM in Deutschland in Murrhardt zu veranstalten. Im Austausch zwischen den Partnerstädten sei es bei der Jugend zunehmend dünner gewesen. Also wollten sie das Großereignis nutzen, um die kleine Flamme der Städtefreundschaften wieder lodern zu lassen. Für Mößner ist das gelungen. Er urteilt: „Das ist eine super Sache und schreit nach einer Wiederholung.“

Noch vier weitere Turniere

Nun der BKZ-Mini-Cup Die Mini-EM war nur der Auftakt Teil eins von drei tollen Fußballtagen im Murrhardter Trauzenbachstadion. Die gehen in den kommenden zwei Tagen mit dem 29. BKZ-Mini-Cup und über 600 Nachwuchskickern aus 59 männlichen E- und F-Jugendteams sowie vier E-Mädchenmannschaften weiter. Start ist heute um 9 Uhr und morgen um 9.40 Uhr. Schluss ist an beiden Tagen jeweils gegen 16.30 Uhr.

Sieger und Platzierte Bei der Mini-EM gestern gewann das Team Pieve II (Italien) im Finale gegen Château-Gontier III (Frankreich) mit 2:1. Dritter wurde die SGM Murrhardt I, die im kleinen Finale Pieve I nach Neunmeterschießen mit 4:2 bezwang.

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Erstellt:
6. Juli 2024, 06:00 Uhr

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