Verzögerungen bei S21

Gäubahn-Pendler hoffen auf kürzere Kappung

Nach der erneuten Verzögerung bei S21 ist der Ärger groß. Nur entlang der Gäubahn zwischen Bodensee und Stuttgart reibt sich mancher die Hände.

Gäubahn

© Bernd Weißbrod/dpa

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Von Annika Grah

Freuen will sich in der Landespolitik niemand so richtig. Und doch beinhaltet die erneute Verschiebung des S21-Starts einen positiven Aspekt: „Wir hoffen, dass sich das Zeitfenster für die Kappung der Gäubahn verringert“, sagte Guido Wolf, CDU-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Interessenverbandes Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn unserer Redaktion. Am Montag war bekannt geworden, dass die Eröffnung des Durchgangsbahnhofs nun wohl auf Ende 2031 verschoben werden muss. Weil auch der Pfaffensteigtunnel wohl erst später fertig gestellt wird, könnte sich die Phase, in der Zugfahrer aus dem Süden in Stuttgart-Vaihingen in die S-Bahn umsteigen müssen, um zum Hauptbahnhof zu gelangen, um Jahre verkürzen. Die Bahn selbst äußert sich dazu bislang nicht.

Wolf sieht Chancen, dass keine Unterbrechung kommt

Bei manchen Gäubahn-Anhängern entlang der Strecke vom Bodensee nach Stuttgart sorgt die Ankündigung dennoch für Erleichterung. „Die geplante Kappung der Gäubahn in Stuttgart-Vaihingen rückt damit erneut in weitere Ferne“, sagte Andreas Frankenhauser vom Pro Gäubahn-Landesbündnis. „Die Menschen entlang der Strecke behalten ihre direkte Anbindung an den Stuttgarter Hauptbahnhof nun mindestens bis 2031.“ Nach Einschätzung von Wolf könnte sogar ein gänzlicher Verzicht auf eine längere Unterbrechung in Frage kommen. Trotzdem sieht der Ex-Justizminister keinen Grund zum Jubeln: „Erstmal ist das eine schlechte Nachricht, weil das viel Vertrauen zerstört.“

Ähnlich sieht das Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne): „Ich freue mich für die Menschen aus dem Südwesten“, sagte er am Dienstag. Aber die Auswirkungen seien natürlich für die Region und die Stadt Stuttgart desaströs. Das Projekt drohe zur „Lachplatte“ zu werden, sagte er. „Ich will nicht, was wir in einem Atemzug mit BER genannt werden. Da sind wir gerade dabei.“

Özdemir will Antworten von Bahn-Chefin Palla

Özdemir selbst hat nach eigenen Angaben noch keine Informationen von Bahnchefin Evelyn Palla erhalten. „Ich möchte von der Bahn belastbare Zahlen, wann wird was fertiggestellt“, sagte er. „Wann kommen die Leute über das Bahnhofsgebäude an die Gleise? Wann ist der Bahnhof am Flughafen fertig? Wann ist Stuttgart 21 fertig?“ Auch Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) – im Gegensatz zu Özdemir eine S21-Befürworterin – will Druck auf die Bahn machen. „Weitere zeitliche Verzögerungen oder Abstriche bei der Qualität des Projekts darf es nicht geben“ sagte sie.

Manche Gäubahn-Anrainer sind zudem skeptisch, ob sie sich auf die neuen Zahlen verlassen können. „Die Deutsche Bahn bleibt aus Sicht der Gäubahn-Anlieger aufgefordert, schnellstmöglich Transparenz herzustellen und das Projekt mit höchster Priorität umzusetzen“, sagte Wolf. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel wies außerdem darauf hin, dass die Bahn sich bislang noch gar nicht offiziell zu einer Verschiebung der Kappung geäußert habe. Er fürchtet, dass vor allem Pendler im Großraum Stuttgart die erneute Verzögerung zu spüren bekommen. Sie litten seit Jahren unter den Baumaßnahmen und den vielen Störungen an der Infrastruktur. Das sei nur noch Flickschusterei.

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Erstellt:
9. Juni 2026, 16:28 Uhr

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