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Gegenseitiger Respekt ist der Schlüssel

Die Murrhardter Radgruppe „Abfahrt 1/4 Elf“ setzt sich am runden Tisch des Forstamts für ein harmonisches Zusammenleben im Wald ein. Den Vorschlag, einige legale Trails anzulegen, sehen die Mountainbiker jedoch kritisch.

Regelmäßig macht sich die Radgruppe „Abfahrt 1/4 Elf“ in Murrhardt zur Tour auf. Ein guter Umgang mit allen Waldnutzern ist ihnen wichtig. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Regelmäßig macht sich die Radgruppe „Abfahrt 1/4 Elf“ in Murrhardt zur Tour auf. Ein guter Umgang mit allen Waldnutzern ist ihnen wichtig. Foto: J. Fiedler

Von Lorena Greppo

MURRHARDT. Wanderer und Mountainbiker gemeinsam im Wald – kann das gut gehen? Fragt man Thomas Braun, so lautet die Antwort ganz klar „Ja“. Der Murrhardter ist Teil der „Abfahrt 1/4 Elf“ und vertritt diese auch beim ersten runden Tisch zur Erarbeitung einer Mountainbikekonzeption im Kreis am 2. September. „Wir sind eine große, engagierte Radgruppe“, erklärt Braun. In der WhatsApp-Gruppe seien etwa 80 Personen, zu den Treffen kämen regelmäßig zwischen 15 und 30 Teilnehmer. Als jüngst das Forstamt in Oppenweiler zu einem Treffen einlud, um eine konfliktfreie gemeinsame Waldnutzung aller anzustreben, waren auch Braun und Konsorten vor Ort. „Wir sind keine klassischen Downhiller, wir machen eher Touren, aber auch wir stoßen immer wieder auf angelegte Trails“, berichtet der 52-Jährige. Vor allem die Dorfjugend baue sich ab und zu Schanzen. Die wolle man ja gar nicht ganz abschaffen, sagt Braun. „Dafür sollten wir auch Möglichkeiten finden – Stellen, wo das gut machbar ist.“ Aber solche Gebilde einfach illegal in den Wald bauen, das finden er und die anderen Mitglieder der Gruppe unverantwortlich. „Das ist gefährlich.“

Weil es der Gruppe Abfahrt 1/4 Elf ein Anliegen ist, einen guten Umgang mit allen Waldnutzern zu pflegen, sei man auch sehr froh um das in Oppenweiler anberaumte Treffen gewesen, das sich laut Braun durch eine konstruktive Atmosphäre ausgezeichnet habe. Dass nicht immer alle der gleichen Meinung sein können, sei klar. „Ich verstehe schon, wenn es mal in einem brodelt“, räumt Thomas Braun ein. Der respektvolle Umgang untereinander müsse dennoch gewahrt bleiben. Der Murrhardter hält bei Radtouren daher oft neben Spaziergängern an , um ein kurzes Gespräch mit ihnen zu führen und zu erklären, warum da auf einmal eine Gruppe Mountainbiker vorbeisaust. „Die Resonanz ist meistens positiv.“ Das Problem ist aus Sicht des 52-Jährigen schlicht die Zwei-Meter-Regel, die es Radfahrern untersagt, engere Wege zu nutzen. „Dadurch sind viele Wanderer der Meinung, dass Mountainbiker im Wald nichts verloren haben“, weiß Braun. Doch das sei zu kurz gegriffen. Denn: Die Radfahrer sind dennoch unterwegs, nur seien sie dadurch weniger organisiert, es gibt keine verlässlichen Ansprechpartner. In Coronazeiten sei die Problematik noch einmal deutlicher geworden – „da ist das Thema explodiert“. Thomas Braun findet daher: „Die Zwei-Meter-Regel ist mehr Fluch wie Segen.“

Er weist darauf hin, dass Wanderer und Spaziergänge bei einer Tour durchschnittlich vielleicht 8 bis 15 Kilometer zurücklegen, Mountainbiker hingegen gut und gerne zwischen 30 und 50 Kilometer. Dem entgegen stehe ein Wegenetz, das im Rems-Murr-Kreis etwa 4000 Kilometer Wanderwege, aber nur etwa 300 Kilometer offizielle Mountainbikewege ausweise. „Es gibt dennoch nur wenige Punkte, wo es klemmt“, so der Standpunkt der Abfahrt 1/4 Elf. Diese Punkte gelte es zu benennen und nach Möglichkeiten zu suchen, wie man das Zusammenwirken der verschiedenen Akteure dort regeln kann.

Die Erfahrung in Oberstenfeld zeigt: Die angelegten legalen Trails sind schnell völlig überlaufen.

Zu den bekannten Problemstellen zählt Thomas Braun den Zeller Hohlweg, den man auch gemeinsam mit dem Forstamt unter die Lupe genommen hat. Aber auch in Murrhardt am Römerturm kann es brenzlig werden. Die Mitglieder der Abfahrt 1/4 Elf machen deshalb für gewöhnlich einen Bogen um diese Stelle. „Wir haben in der Region ein großes Wegenetz zur Verfügung und versuchen, klassische Wanderwege zu vermeiden“, sagt Braun. Für wenig befahrene Strecken sei es sogar zuträglich, wenn Mountainbikefahrer unterwegs sind: „Viele Wege wären zugewachsen, würden wir nicht ab und zu durchfahren.“

Wie aber nun kann das Zusammenleben im Wald funktionieren? Hier verweist Braun auf die Aktion „Fair on Trails“ der Deutschen Initiative Mountainbike. Diese zielt darauf ab, sich gegenseitig Respekt zu erweisen und achtsam unterwegs zu sein. Mountainbiker sollen sich demnach frühzeitig bemerkbar machen und grüßen, damit sie Wanderer nicht erschrecken. Diese wiederum sollten sich bewusst sein, dass Mountainbikefahrer im Wald unterwegs sind. Braun regt an Problemstellen zusätzliche Schilder an, die darauf hinweisen: Achtung, hier gibt es Begegnungen! Seine Radgruppe wolle an Hotspots auch Arbeitsdienst anbieten. Zudem sollten seiner Ansicht nach Sprünge überrollbar gemacht werden, sodass keine gefährlichen Löcher im Weg sind. Jugendliche gelte es einzubinden und ihnen jemanden als Ansprechpartner anzubieten.

Wenig hält Braun hingegen von der Lösung, wie sie in Oberstenfeld gefunden wurde: „Dort hat man genehmigte Trails umgesetzt“, gleichzeitig verlange der Verein Trailsurfers von seinen Mitgliedern, dass diese eben nur noch jene Trails nutzen. „Daher sind die völlig überlaufen.“ Und nicht nur die Frequentierung der „legalen“ Trails macht Braun Sorgen, er sieht auch die Abwechslung schwinden: „Ich will doch nicht 50-mal den gleichen Weg befahren.“ Sollte diese Vorgehensweise angestrebt werden, hätten er und die Mitglieder der Abfahrt 1/4 Elf Bauchweh damit. „Der Schuss geht nach hinten los“, ist er sich sicher. Daher wollen sie am runden Tisch am 2. September an einer besseren Lösung mitwirken.

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Erstellt:
21. August 2020, 06:00 Uhr

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