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Gesichter des Backnanger Silvesterlaufs

Seit 1985 haben sich viele Menschen um die Veranstaltung verdient gemacht. Allen voran die aktuellen und früheren Organisatoren, zudem auch viele fleißige Helfer. Vorstellen wollen wir aber vier Läufer und einen Fan, die das Rennen besonders geprägt haben.

Sabrina Mockenhaupt.Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Sabrina Mockenhaupt.Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Margarete Allmandinger, drei Siege in Serie zu Beginn des Jahrtausends:Den Titel der Rekordsiegerin teilen sich drei Sportlerinnen. Hanna Klein gewann von 2015 bis 2017, von 2012 bis 2014 hatte Leyla Emmenecker die Nase vorne. Dritte im Bunde ist eine Lokalmatadorin: Margarete Allmandinger entschied das erste Rennen im neuen Jahrtausend für sich und verteidigte den Titel 2001 und 2002. Ein Triple, das sich die 1995 nach Auenwald gezogene Athletin nicht zugetraut hatte. Sie entschied sich anfangs stets gegen den Start in Backnang, weil es da „so arg den Berg hoch geht“. Als sie doch zum ersten Mal mitmachte, siegte die damals 42-Jährige auf Anhieb. Zur eigenen Überraschung: „Ich hatte nicht mal Duschsachen dabei, bin erst mal heimgefahren und zur Siegerehrung wiedergekommen.“ Die frühere deutsche Spitzenläuferin über 800 und 1500 Meter wiederholte ihren Triumph zwei weitere Male und wurde 2003 Zweite, alles auf der alten Strecke mit drei Runden à 3,3 Kilometern. Die neue, viermal zu laufende 2,5-Kilometer-Schleife lernte Allmandinger auch noch kennen, als sie 2006 den fünften und später sogar noch einmal den dritten Platz belegte. Sie fand den Kurs besser, weil die Passagen ohne Zuschauer weniger wurden: „Die Stimmung ist toll. Es stehen viele Fans am Streckenrand. Das ist der Reiz.“

Margarete Allmandinger.Foto: B. Strohmaier

Margarete Allmandinger.Foto: B. Strohmaier

Sabrina Mockenhaupt, selten so über Platz zwei gefreut: Spezielle Gäste zum runden Geburtstag: Das war beim 30. Silvesterlauf das Ziel der Organisatoren. Neben dem siegreichen Arne Gabius sollte 2015 mit Sabrina Mockenhaupt ein weiterer Star der Laufszene nach Backnang kommen, doch die dreimalige Olympiastarterin musste mit einem Mittelfußbruch absagen. Es war nicht das letzte Kapitel ihrer Pechsträhne. Sie verpasste wegen eines drohenden Ermüdungsbruches auch die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Ihr Comeback feierte Mockenhaupt am 31. Dezember 2016 in Backnang, die Fans an der Murr bekamen die 40-fache deutsche Meisterin doch noch zu sehen. Ihr bauchfreies Outfit bei null Grad kommentierte „Mocki“, wie es zu ihrer extrovertierten Art passt: „Wenn es mit dem Rennen nichts wird, haben die Backnanger wenigstens etwas fürs Auge.“ Die damals 36-Jährige zeigte über 10 Kilometer aber auch eine starke Leistung. Mit 33:56 Minuten war sie „megahappy“, obwohl Hanna Klein noch schneller war. Sie habe nach ihrer langen Pause gewusst, „dass ich Hanna nicht schlagen kann. Ich habe mich selten über einen zweiten Platz so gefreut.“

Heiko Baier, ein Hesse hat sein Herz an Backnang verloren: Heiko Baier und der Silvesterlauf – eine spezielle Beziehung. Seit der Nordhesse vor 14 Jahren zum ersten Mal nach Backnang fuhr und sofort siegte, kommt er regelmäßig. Von krankheits- oder verletzungsbedingten Absagen abgesehen, blieb es bei einem einmaligen Abstecher nach Bietigheim, danach stand Baier wieder an der Murr auf der Matte. „Das ist der beste und stimmungsvollste Silvesterlauf, den ich kenne“, sagt der 36-Jährige, der außer 2006 auch 2007, 2008 und 2011 die Nase vorne hatte und 2014 zeitgleich mit Christopher Hettich gewann. Vor allem der Anstieg in der Marktstraße mit den vielen Fans hat es ihm angetan, das fühle sich an wie eine Bergankunft bei der Tour de France. „Und die Organisation verdient eine 1+.“ Fünf Siege machen ihn zum alleinigen Rekordhalter, weitere Spitzenplätze wie Rang zwei im Vorjahr gab es obendrauf. Für Heiko Baier und seinen Vater Harald ist der Trip nach Backnang so etwas wie ein jährliches Ritual, „das geht sogar so weit, dass sich Familie und Kumpels wegen der späten Heimreise am Silvesterabend gerne nach uns richten“. Dieses Jahr wegen der Coronakrise nicht ins Ländle reisen zu können, wird dem Duo fehlen, nächstes Jahr soll es wieder klappen. Um auch 2020 wenigstens etwas in Verbindung mit Backnang zu sein, will Heiko Baier beim virtuellen Silvesterlauf mitmachen.

Jürgen Baumann, die Kuhglocke ist sein Markenzeichen: „Das frage ich mich selbst, was mich damals dazu bewegt hat.“ Obwohl Jürgen Baumann in der TSG-A-Jugend kickte und mit Ausdauersport noch wenig am Hut hatte, schnappte er sich 1985 seine Kuhglocke und eilte zum ersten Silvesterlauf, um die Athleten anzutreiben. Auch Wollpulli und Mütze müssten schon dabei gewesen sein, glaubt der 52-Jährige, der zum Edelfan wurde und nur 1999 und 2000 in seiner Zeit als Entwicklungshelfer in Botswana fehlte. Stets wirft er sich ins selbe Outfit und tigert so lange am Streckenrand herum, bis auch die letzten Läufer im Ziel sind: „Alle haben die Anfeuerung verdient.“ Es ist nicht zuletzt Baumann mit seiner Kuhglocke und seinen flotten Sprüchen, der den Silvesterlauf zur Kultveranstaltung macht. Auch in den Aufbau und in die Siegerehrung ist er eingebunden. Dass das Rennen in seiner üblichen Form dieses Jahr ausfällt, stimmt ihn „mehr als traurig“, nur die Familie hat etwas davon: „Ich werde zum ersten Mal seit dem wetterbedingten Ausfall 1996 am Abend nicht heiser sein.“

Jürgen Baumann.Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Jürgen Baumann.Foto: A. Becher

Gernot Gruber, lange Zeit immer unter 40 Minuten geblieben: Wer, wenn nicht Gernot Gruber, kann als Silvesterlauf-Urgestein bezeichnet werden. Er stand schon 1985 in Backnang an der Startlinie, als das Rennen die Premiere feierte, und war seitdem immer dabei. Als der gebürtige Murrhardter zwischenzeitlich mal als Streckensprecher aushalf, drehte er wenigstens eine Runde für die Promi-Wertung, danach war es sofort wieder die volle Distanz. Seit zehn Kilometer zu laufen sind (nur ganz zu Beginn war es mal etwas mehr), blieb Gruber lange Zeit immer unter der magischen 40-Minuten-Marke und es war sein „Traumziel“, dies bis zum 55. oder besser bis zum 60. Geburtstag zu schaffen. Und dann das: Rund zwei Wochen, bevor der TSG-Ausdauersportler 55 Jahre alt wurde, riss 2017 die Serie. 40:38 Minuten – für viele eine tolle Zeit, für den SPD-Landtagsabgeordneten eine kleine Enttäuschung. Seine Erklärung: „Viele Termine, wenig Zeit für das Training.“ Sogar gut 42 Minuten waren es 2018 und 2019, trotzdem will er die 40er-Marke noch einmal knacken. „Es wird schwierig, aber es ist kein aussichtsloses Unterfangen“, sagt der 57-Jährige und schielt auf 2021. Der virtuelle Silvesterlauf muss ohne ihn stattfinden, denn „ich habe mir eine ziemlich schwere Oberschenkelzerrung zugezogen“.

Gernot Gruber.Foto: B. Strohmaier

© Bernd Strohmaier

Gernot Gruber.Foto: B. Strohmaier

Heiko Baier.Foto: B. Strohmaier

© Bernd Strohmaier

Heiko Baier.Foto: B. Strohmaier

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Erstellt:
31. Dezember 2020, 09:42 Uhr

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