Winterspiele 2026
Gold, Silber, Schrott? Olympia-Medaillen gehen kaputt
Der olympische Traum hält ewig – das Edelmetall offenbar nicht. Nach dem „Rost-Gate“ von Paris 2024 gibt es in Mailand-Cortina Medaillen, die einfach auseinanderfallen.
© IMAGO/Bildbyran
Wie lange hält die Goldmedaille von Frankreichs Biathlon-Olympiasiegerin Julia Simon.
Von Michael Maier
Stell dir vor, du gewinnst olympisches Edelmetall, jubelst vor der Weltpresse – und plötzlich hast du nur noch das Band in der Hand. Genau das ist der schwedischen Skilangläuferin Ebba Andersson passiert.
Kurz nach ihrem Silber-Coup im Skiathlon bei den Winterspielen 2026 löste sich ihre Medaille beim Jubeln im „Deutschen Haus“ einfach vom Band und fiel zu Boden. Doch Andersson ist kein Einzelfall. Die Qualität der olympischen Auszeichnungen steht massiv in der Kritik. Was ist da los?
Olympia-Medaillen mit „Sollbruchstelle“
Berichte von den aktuellen Winterspielen deuten darauf hin, dass die Verbindung zwischen dem Textilband und dem Metallkörper eine Schwachstelle ist. Während Athleten früher ihre Medaillen wild durch die Luft wirbeln konnten, scheinen die aktuellen Modelle aus Mailand und Cortina d’Ampezzo fragiler denn je.
Pikant ist dabei die Identität des Herstellers: Die Medaillen werden im Gastgeberland Italien produziert, genauer gesagt vom Istituto Poligrafico e Zecca dello Stato (IPZS), der staatlichen Münzprägeanstalt in Rom.
Dass ausgerechnet eine Institution, die für offizielle Staatssymbole zuständig ist, Probleme mit der physischen Integrität der Ösen oder Lötstellen hat, sorgt für Spott in den sozialen Medien. Das Organisationskomitee hat das Problem bereits eingeräumt und untersucht die Vorfälle gemeinsam mit dem Hersteller.
„Krokodilleder“-Medaillen von Paris
Das Debakel hat eine Vorgeschichte. Schon bei den Sommerspielen in Paris 2024 gab es Qualitätsprobleme, allerdings anderer Natur. Damals blätterte die Beschichtung ab oder die Medaillen begannen rasant zu oxidieren. Verantwortlich zeichnete damals die Monnaie de Paris, die französische staatliche Münzstätte, die eigentlich für exzellente Handwerkskunst bekannt ist.
US-Skateboarder Nyjah Huston zeigte nur eine Woche nach seinem Bronze-Gewinn eine völlig zerkratzte und stumpfe Medaille auf Instagram und bemerkte spöttisch, sie sehe aus, als wäre sie im Krieg gewesen. Auch der französische Schwimmer Yohann Ndoye-Brouard spottete, seine Medaille sehe aus wie eine Antiquität von 1924.
Über 100 Olympia-Medaillen reklamiert
Über 100 Athleten mussten ihre Paris-Medaillen damals reklamieren. Der Grund: Ein Wechsel bei der Versiegelung. Ein giftiger Inhaltsstoff im Lack war von den französischen Herstellern ersetzt worden, doch die neue, umweltfreundlichere Mischung hielt Schweiß und Luftfeuchtigkeit nicht mehr stand.
Für die Athleten ist es ein Schock, für die Traditionshersteller eine Peinlichkeit. Immerhin: Das IOC tauscht defekte Exemplare in der Regel aus. Der magische Moment auf dem Podest ist dagegen nicht zu ersetzen. Medaillen bestehen heute übrigens fast nie aus massivem Gold – meist ist es vergoldetes Silber. Aber dass sie physisch zerbrechen oder rosten, ist doch etwas Neues.
