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„Google ist kein Arzt“

Das Interview: Christa Rahner-Göhring bietet bei der Volkshochschule Murrhardt am Montag, 12. April, eine Online-Praxiswerkstatt an, bei der es um die Suche von Gesundheitsinformationen im Netz geht. Im Gespräch erläutert sie, was wichtige Kriterien sind.

Bei der Suche im Netz nach verlässlichen, seriösen Informationen rund um Gesundheit gilt es einiges zu beachten. Seniorinnen und Senioren sind eingeladen, sich bei einer Online-Praxiswerkstatt Tipps abzuholen. Foto: Adobe Stock/Seventyfour

© Seventyfour - stock.adobe.com

Bei der Suche im Netz nach verlässlichen, seriösen Informationen rund um Gesundheit gilt es einiges zu beachten. Seniorinnen und Senioren sind eingeladen, sich bei einer Online-Praxiswerkstatt Tipps abzuholen. Foto: Adobe Stock/Seventyfour

Von Christine Schick

Gesundheit, Krankheit, Therapie und Pflege sind Themen, die nicht nur mit einem weiten Feld, widerstreitenden Interessen und verschiedenen Anbietern verknüpft sein können, sondern für die Suchenden auch mit Zeit- und Leidensdruck. Was raten Sie ihnen in Bezug auf den ersten Schritt bei einer Informationssuche im Internet?
Unabhängig vom Leidensdruck ist die Qualität der Information bei einer Suche im Internet das A und O. Das heißt, bevor ich konkrete Schritte gehe, muss ich sehr gründlich überlegt und recherchiert haben. Google ist kein Arzt. Die Suchmaschine bewertet die Informationen nicht, prüft sie also beispielsweise nicht auf Richtigkeit. Ich benötige in dieser Hinsicht eigene Merkmale, mit denen ich die Ergebnisse meiner Internetsuche bewerten und einordnen kann. Wenn die Informationen dieser Prüfung Stand gehalten haben, sollte ich unbedingt vor der Einnahme von selbst gekauften Präparaten den Arzt meines Vertrauens aufsuchen, um mich bei ihm beraten zu lassen. Ich rate davon ab, eine im Internet gefundene Methode ohne fachliche Prüfung sofort umzusetzen. Jeder Körper ist anders. Bei bestimmten Vorerkrankungen oder Dispositionen kann eine Behandlung problematisch oder sogar schädlich sein. Zudem ist das für Laien schwer einschätzbar.

Fällt Ihnen dazu ein Beispiel ein?
Wenn ich meine Ernährung umstellen möchte, könnte ein erster Schritt sein, mich zu informieren, wie einzelne Lebensmittel und Produkte zusammengesetzt sind. Dazu brauche ich erst mal keinen Arztbesuch. Bevor ich aber aktiv in den Körper eingreife, also beispielsweise Nahrungsergänzungsmittel nehme, ist Vorsicht geboten. Damit kann ich mir unter Umständen und bei besagten Dispositionen schweren Schaden zufügen.

Informationen in Bezug auf Gesundheitswissen können sich ja drastisch unterscheiden, teils das komplette Gegenteil darstellen. Was wären da typische Beispiele und wie gehe ich damit um?
Entscheidend ist erst einmal, was der Autor aussagen will. Wenn jemand ein Medikament verkaufen möchte, empfiehlt er es, ein sportlich orientierter Verfasser setzt vielleicht auf Körperertüchtigung. Ein Zeichen von Seriosität ist, wenn in Bezug auf eine Krankheit oder bestimmte Symptome verschiedene Behandlungsmethoden vorgestellt werden. Das sollte möglichst mit Belegen erfolgen, woher diese Information stammt. Gut sind dann auch noch Hinweise, wo ich mir vertiefte Informationen zum Thema holen kann. Im Gegensatz dazu gibt es Seiten, die nicht auf die Bandbreite der Behandlung eingehen, sondern nur auf bestimmte Präparate. Auch bei Zeitschriften sollte ich hinterfragen, ob eher Drittanbieterwerbung oder der Informationsgehalt im Vordergrund steht. Wichtig ist auch die Fachkompetenz des Autors. Ist er Mediziner oder Journalist? Und wie transparent, also mit Quellenangaben, und verständlich ist der Artikel geschrieben?

Wo liegen für Sie die Chancen und Grenzen einer Suche im Internet?
Die Chance ist ganz klar, überhaupt an Information zu kommen. Vor dem Internetzeitalter war das schwieriger. Man musste in die Bibliothek. Heute kann man sich auch sonntags oder nachts informieren, wenn einem etwas wehtut. Wenn ich mir dann eine erste Info hole, hat das den Vorteil, dass ich Symptome besser einordnen kann, möglicherweise nicht zu sehr beunruhigt bin und Tipps bekomme. Aber auch hier gilt wieder – wenn es Vorerkrankungen oder Dispositionen gibt, sollte man sich lieber professionelle Hilfe holen.

Das heißt, im Idealfall kann das Netz Hilfe zur Selbsthilfe bieten?
Genau. Hilfreich können dabei Spezialsuchmaschinen sein, die seriöse, medizinische Infos geben. Die erkennt man beispielsweise an Qualitätssiegeln wie „Health on the Net Foundation“ (HON) oder „Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem“ (afgis). Spezialsuchmaschinen enthalten Links zu Informationsquellen, die von einer fachlich qualifizierten menschlichen Redaktion geprüft wurden, nicht von einem mathematischen Algorithmus wie zum Beispiel bei Google.

Es sind ja schon einige Aspekte in Bezug auf die Einschätzung der Seriosität aufgetaucht. Was sind für Sie die wichtigsten Kriterien in dieser Hinsicht?
Das oberste Kriterium ist, wer der Autor ist und welche Fachkompetenz er hat. Im Netz und auf Plattformen gibt es auch Ratgeber, hinter denen Fakeverlage und/oder nicht existente Autoren stehen. In dem Zusammenhang ist mir mal begegnet, dass das Foto eines Autors aus den USA in Bezug auf eine Publikation verwendet wurde, der aber gar keinen Ratgeber geschrieben hatte. Ich würde also prüfen, ob es den Autor gibt und in welchem Bereich er arbeitet. Auch das Umfeld der Publikation sagt etwas aus. Ist es eine Zeitschrift, die nur so vor Werbung strotzt? Wird für die Information auf der Plattform eine Gegenleistung gefordert? Muss ich beispielsweise eine App herunterladen, bei der möglicherweise der Datenschutz ein Thema ist, zahle ich also quasi mit meinen Daten? Bei Eingriffen in den Körper ist Vorsicht geboten. Weitere Kriterien sind besagte Qualitätssiegel, Belege, Verständlichkeit, Hinweise auf vertiefte Informationsmöglichkeiten sowie die Aktualität des Artikels.

Ich kann versuchen, verschiedene Quellen gegeneinanderzustellen, um ein vielschichtiges Bild zu bekommen. Aber bei einer begrenzten Zeit will ich meine Recherche auch irgendwann abschließen und mich nicht im Netz verlieren. Haben Sie auch dafür Kriterien, wann eine Suche gesättigt ist?
Gut ist in der Tat, wenn ich meine Quellen nochmals genau auf Zuverlässigkeit prüfen kann. Diejenigen, die aber wenig Zeit haben oder eben sehr schnell und zielgerichtet Informationen suchen, erhalten von mir Tipps zu verlässlichen Websites. Ein Beispiel wäre eine Seite, die das Gesundheitsministerium auch im Zuge der Desinformation rund um Corona aufgebaut hat, mit der Adresse www.gesund.bund.de. Es gibt viele weitere Websites, die entsprechenden fachlichen Hintergrund bieten.

Das Projekt und Ihr Angebot richten sich auch an ältere Menschen. Ursprünglich war es als Präsenzseminar geplant, nun müssen Sie auf einen Online-Kurs umschwenken. Zwischen Vortrag und der Suche am eigenen Rechner zu wechseln, kann für jemand, der nicht so selbstverständlich mit dem Computer umgeht, anspruchsvoll sein. Wie können Sie ihm hier die Bedenken nehmen?
Natürlich birgt das eine gewisse Hemmschwelle. Aber ich möchte auch motivieren. Gerade Corona hat gezeigt, dass sich alle, auch die Älteren, mit dem Medienumgang auseinandersetzen sollten. Es ist wichtig, die Fähigkeiten zu verbessern, um Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Ganz praktisch gibt es beim Seminar beispielsweise die Möglichkeit, zwei Geräte zu verwenden, damit man sich leichter tut. Also am PC das Werkstattgespräch zu verfolgen und die praktischen Übungen mit dem Smartphone mitzumachen. Darüber hinaus gibt es Vertiefungsangebote gerade auch vom Projekt gesundaltern@bw aus, in das mein Angebot und das der VHS Murrhardt ja eingebettet sind.

Christia Rahner-Göhring. Foto: D. Steinbrenner

© Daniel Steinbrenner

Christia Rahner-Göhring. Foto: D. Steinbrenner

Das Projekt gesundaltern@bw will Hilfestellung rund um Digitalisierung und Gesundheit bieten

Die Online-Praxiswerkstatt, wie sich im Netz zu seriösen Gesundheitsinformationen recherchieren lässt, wird im Rahmen des Projekts gesundaltern@bw angeboten und vom Ministerium für Soziales und Integration aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg unterstützt. Die Volkshochschule Murrhardt erläutert in der Ankündigung: Wer glaubwürdige Informationen über Gesundheitsthemen sucht, muss sich die Quellen dafür genauer anschauen. Wie sucht man gezielt nach Gesundheitsinformationen? Wie sind die Ergebnisse zu bewerten? Die Praxiswerkstatt dazu am Montag, 12. April, von 15 bis 17. 15 Uhr gibt Einblicke in die Möglichkeiten und Grenzen von Suchmaschinen. Es wird auch eine Auswahl an seriösen Informationsangeboten rund um Gesundheit, Therapie und Pflege vorgestellt. Die Veranstaltung findet online statt und ist gebührenfrei. Der Zugang wird nach Eingang der Anmeldung an die jeweilige E-MailAdresse gesendet. Grundkenntnisse im Umgang mit der Suche nach Informationen im Internet werden vorausgesetzt. Anmeldung bei der VHS Murrhardt schriftlich (Obere Schulgasse 7), per E-Mail an info@vhs-murrhardt.de oder unter www.vhs-murrhardt.de. Weitere Infos unter Telefon 07192/9358-0.

Die Dozentin Christa Rahner-Göhring ist Diplom-Pädagogin und seit 15 Jahren in der Erwachsenenbildung für verschiedene Träger tätig. Als Social-Media-Managerin begleitet sie auch Betriebe in Bezug auf deren Positionierung im Internet. Die Medienpädagogik liegt ihr sehr am Herzen, weil sie immer wieder erlebt, dass bei Nutzern in puncto Recherche im Internet noch wenig Wissen und Bewusstsein über ein strategisches, zielgerichtetes Vorgehen vorhanden ist. In dieser Hinsicht schult sie auch Multiplikatoren. Weitere Infos: www.rahner-info.de

Das Projekt gesundaltern@bw: Mit der Digitalisierung verändern sich auch die Anwendungen und Dienstleistungen in Pflege, Medizin und Gesundheitswesen. Der Umgang mit neuen Werkzeugen wie Apps und virtuellen Sprechstunden ist besonders für ältere Menschen eine Herausforderung. Das Projekt will hier unterstützen. Es gliedert sich in die Bereiche Information, Qualifizierung und Bürgerbeteiligung, die unterschiedliche Akteure betreuen. Den Bereich Information verantwortet der Volkshochschulverband Baden-Württemberg. Auch die VHS Murrhardt ist einer der Partner und bietet eigene Veranstaltungen wie die Werkstatt an. Das Projekt läuft bis Ende des Jahres. Weitere Infos unter https://bit.ly/2RcUBKj.

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Erstellt:
7. April 2021, 06:00 Uhr

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