Urlaubsziele
Griechenland bremst den Übertourismus
Ein neuer Raumordnungsplan soll überlaufene Reiseziele entlasten. Alternative Tourismusformen sollen gezielt gefördert werden, etwa Berg-, Thermal- oder Tauchtourismus.
© /Nicolas Koutsokostas
Die strengsten Regeln gelten für besonders stark frequentierte Reiseziele. Dazu zählt auch die bei Touristen sehr beliebte Insel Santorini.
Von Gerd Höhler
Griechenland will den Tourismus künftig stärker steuern und setzt dabei auf deutlich striktere Vorgaben für neue Hotelprojekte. Besonders an überlasteten Urlaubszielen wie Mykonos und Santorini sollen neue Hotels nur noch unter strengen Auflagen genehmigt werden. Das sieht der neue Raumordnungsplan für den Tourismus vor, den Tourismusministerin Olga Kefalogianni und Umweltminister Stavros Papastavrou jetzt in Athen vorgestellt haben.
Ziel des Plans ist der Übergang zu einem nachhaltigeren Tourismusmodell mit geringerem ökologischen Fußabdruck. Natürliche Ressourcen sollen schonender genutzt und die biologische Vielfalt des Landes besser geschützt werden. Der Tourismus in Griechenland ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten rasant gewachsen. 2005 kamen rund 15 Millionen ausländische Besucher ins Land. 2025 waren es fast dreimal so viele: Mit 43,3 Millionen Gästen erzielte Hellas nach Angaben der Zentralbank einen neuen Reise-Rekord.
Tourismus-Boom belastet Einheimische
Doch der Boom hat vielerorts zu erheblichen Belastungen geführt. Unkontrollierte Bautätigkeit, häufig begünstigt durch Korruption in den Bauämtern, hat Ferienregionen zersiedelt. Neue Hotels entstehen oft, ohne dass geprüft wird, ob Straßen, Stromnetze, Wasser- und Abwassersysteme die zusätzliche Belastung bewältigen können.
Der neue Raumordnungsplan soll diese Entwicklung künftig in geordnete Bahnen lenken. Kernstück des Konzepts ist die Einteilung des Landes in fünf Kategorien – je nach touristischer Entwicklung, Umweltbelastung sowie geografischen und ökologischen Besonderheiten. Auf Grundlage dieser Einstufung werden künftig für jede Region konkrete Vorgaben zu Investitionsmöglichkeiten, Beschränkungen und Förderanreizen festgelegt.
Regierung setzt auf Qualität statt Quantität
Die strengsten Regeln gelten für besonders stark frequentierte Reiseziele. Dazu zählen neben Mykonos und Santorini auch Skiathos, Laganas auf Zakynthos, die Region um Korfu-Stadt, Ermoupolis auf Syros sowie einzelne Gebiete auf Rhodos, Kos, Tinos und in der Umgebung von Heraklion auf Kreta. In diesen Regionen steht künftig die Modernisierung und qualitative Aufwertung bestehender Unterkünfte im Vordergrund. Neue Hotels dürfen dort grundsätzlich höchstens 100 Betten umfassen.
Dieselbe Grenze gilt für alle Inseln mit einer Fläche von weniger als 250 Quadratkilometern. Auf größeren Inseln liegt die Obergrenze bei 350 Betten. Die Regierung setzt damit bewusst auf Qualität statt Quantität: Boutiquehotels statt Bettenburgen. Für neue Projekte ist zudem ein Nachweis erforderlich, dass Infrastruktur und natürliche Ressourcen die zusätzliche Belastung tragen können. Gleichzeitig wird die zulässige Bebauungsdichte halbiert, um eine sanftere touristische Entwicklung zu fördern.
Umnutzung leer stehender traditioneller Gebäude?
Vor allem in bislang weniger entwickelten Regionen sollen alternative Tourismusformen gezielt gefördert werden, etwa Berg-, Thermal- oder Tauchtourismus. Auch die Umnutzung leerstehender traditioneller Gebäude ist vorgesehen. Ferner verschärft der Raumordnungsplan die Vorschriften für Küsten- und Naturschutzgebiete. Bauvorhaben und Eingriffe in die Natur sind grundsätzlich in einem Abstand von 25 Metern zur Küstenlinie untersagt; ausgenommen sind lediglich Hafenanlagen.
Auf kleineren Inseln sollen künftig nur noch sanfte Wassersportarten wie Segeln und Surfen zugelassen werden. Zudem schaffen die neuen Regelungen die Möglichkeit, Kurzzeitvermietungen über Plattformen wie Airbnb in Regionen mit besonders hohem touristischen Druck einzuschränken, bis hin zu einem völligen Verbot. „Hauptziel ist die Entwicklung des Tourismus unter nachhaltigen Gesichtspunkten und unter Berücksichtigung der Potenziale und besonderen Merkmale jeder Region“, erklärten die beteiligten Ministerien.
Die Hoteliers warnen vor den Plänen
Zugleich solle das touristische Angebot über das klassische Modell von „Sonne und Meer“ hinaus erweitert und die Saison durch hochwertige und moderne Infrastruktur verlängert werden. Unumstritten ist das Konzept allerdings nicht. Der griechische Tourismusverband Sete kritisiert, bei der Ausarbeitung nicht ausreichend eingebunden worden zu sein, und fordert deswegen umfassende Konsultationen.
Auch Giannis Hatzis, der Präsident des Hotelierverbands, sieht die geplanten Kapazitätsgrenzen naturgemäß skeptisch. Die Beschränkung auf maximal 100 Betten pro Hotel könne zu einem stärker fragmentierten und insgesamt weniger nachhaltigen Entwicklungsmodell führen, warnt er.
