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Grödner Joch: Alpenpass wird „verkehrsberuhigte Zone“
Ab September 2026 wird der beliebte Dolomiten-Pass geschlossen. Betroffen sind motorisierte Privatfahrzeuge, ausgenommen Anwohner und Übernachtungsgäste.
© Alfred Buellesbach / VISUM
Die Fahrt über das Joch soll für Auswärtige künftig nur noch mit Bussen möglich sein.
Von Michael Maier
Der beliebte Gebirgspass Grödner Joch (italienisch: Passo Gardena) in Südtirol wird ab September 2026 für den Durchgangsverkehr gesperrt. Diese Entscheidung wurde vom Gemeinderat Wolkenstein einstimmig beschlossen, um der zunehmenden Verkehrsbelastung in den Dolomiten entgegenzuwirken.
An Sommertagen passieren bis zu 11.000 Fahrzeuge den Grödner Pass, der Teil der berühmten Sella-Runde ist - einer beliebten Rundfahrt um das Sella-Gebirge mit insgesamt vier Gebirgspässen. Die starke Frequentierung führt nicht nur zu Verkehrsbelastungen, sondern auch zu Lärmproblematik und sogar illegalen Rennen, wie Anwohner berichten.
Grödner Joch zwischen Wolkenstein und Corvara gesperrt
Die Sperre betrifft konkret die Passstraße Strada Statale 243, die zwischen den Gemeinden im Grödner- und Gadertal verläuft. Ab dem 1. September 2026 sollen alle motorisierten Fahrzeuge - also PKW, LKW und auch Motorräder - von dieser Regelung betroffen sein. Ausnahmen gelten lediglich für Anwohner, Übernachtungsgäste, Lieferanten und Personen, die berufliche Gründe nachweisen können.
Zunächst handelt es sich um eine zweimonatige Pilotphase. Sollte sich das Konzept bewähren und die Landesregierung zustimmen, ist ab 2027 eine saisonale Sperre zwischen Mai und Oktober geplant. Dem Beschluss von Wolkenstein sollen laut Medienberichten weitere Gemeinden folgen, darunter Corvara, St. Christina, St. Ulrich, Kastelruth, Lajen, Abtei, Wengen, St. Martin in Thurn und Enneberg.
Busse statt Autos am Grödner Joch
Als Alternativen für Touristen plant man die Schaffung zusätzlicher Parkplätze direkt am Joch sowie eine Erhöhung der Bustaktung auf der betroffenen Strecke.
Der Präsident des Alpenvereins Südtirol, Georg Simeoni, begrüßt die Entscheidung: „Für uns als Alpenverein ist dies ein historischer Moment. Seit Jahrzehnten weisen wir auf die Belastungsgrenzen der Dolomitenpässe hin.“ Er sieht in der Maßnahme einen „entscheidenden Fortschritt für die Erhaltung dieser einmaligen Naturlandschaft“ und fordert bereits eine Ausweitung solcher Verkehrsberuhigungsmaßnahmen.
Sperrung auch am Sellajoch in Südtirol geplant
Die Initiative am Grödner Joch könnte tatsächlich bald Nachahmer finden: Laut Medienberichten könnte es im kommenden Jahr auch am Sellajoch zu ähnlichen Einschränkungen kommen.
Die rechtliche Grundlage für diese Maßnahmen wurde erst kürzlich geschaffen. Daniel Alfreider, Politiker der Südtiroler Volkspartei SVP und für Mobilität zuständiges Mitglied der Landesregierung, hatte sich beim Verkehrsministerium erfolgreich dafür eingesetzt, „verkehrsberuhigte Zonen“ auch außerhalb großer Zentren einrichten zu können.
Urlauber sollten diese Regelungen bei ihrer Reiseplanung nach Südtirol ab Spätsommer 2026 berücksichtigen und sich gegebenenfalls über alternative Routen oder öffentliche Verkehrsmittel informieren.
