Grünes Licht für Pfaffensteigtunnel

Der Bau des rund elf Kilometer langen Pfaffensteigtunnels zwischen dem Flughafen Stuttgart und der Gäubahn ist genehmigt. Die Bahn will im Februar mit den Bauarbeiten beginnen.

Von Christian Milankovic

Stuttgart - Der Bau des rund elf Kilometer langen Pfaffensteigtunnels der Deutschen Bahn zwischen dem Flughafen Stuttgart und der Gäubahnstrecke bei Böblingen ist genehmigt. Das bestätigt ein Sprecher der zuständigen Behörde. „Das Eisenbahn-Bundesamt hat inzwischen den Planfeststellungsbeschluss für das Vorhaben erlassen“. Dieser Beschluss kommt der Baugenehmigung gleich. Noch im Dezember hatten Kritiker genau vor diesem Schritt gewarnt.

Die Bahn hatte zuletzt angekündigt, mit ersten Bauarbeiten für den Tunnel im Februar beginnen zu wollen. Geplant ist, dass für einen Großteil der Strecke sogenannte Tunnelvortriebsmaschinen zum Einsatz kommen. Diese großen Bohrer brechen nicht nur den Tunnelhohlraum aus, sondern bauen auch gleich aus Fertigteilen eine Innenschale aus Beton ein. Diese Maschinen sollen sich von einer Baugrube nördlich der Autobahn 8 auf Höhe des Flughafens in Richtung Böblingen vorarbeiten.

Den deutlich kürzeren Anschluss an den im Rohbau fertigen Fern- und Regionalbahnhof beim Flughafen und der Landesmesse sollen Mineure hingegen in herkömmlicher Bauweise herstellen, das heißt mit Baggern und wo nötig durch Sprengungen. Gleich zweimal wird der Tunnel die A8 unterqueren. Mit dem sich abzeichnenden Baubeginn geht ein jahrelanger Planungsprozess zu Ende. Für die Anbindung der Gäubahn an den Flughafen, wie sie in den Verträgen für Stuttgart 21 festgeschrieben ist, wurden verschiedenste Lösungen geprüft und wieder verworfen. Ehe die Idee für die lange Tunnellösung im Sommer 2020 publik wurde, sahen die Pläne vor, die bestehende S-Bahnstation am Flughafen um ein drittes Gleis zu ergänzen, an dem die Züge der Gäubahn halten sollten. Der Knackpunkt: um dorthin zu gelangen, hätten sie zwischen Rohr und dem Flughafen im dichten S-Bahnverkehr mitschwimmen müssen.

Teil des Kopfbahnhofs weiter betreiben

Dieses Problem soll nun durch den Pfaffensteigtunnel gelöst werden, der dabei hilft, die unterschiedlichen Verkehrsarten auf der Schiene zu entflechten. Das aber hat seinen Preis. Auf 1,9 Milliarden Euro beläuft sich die Baukostenprognose. Geld ist im Bundeshaushalt für das Projekt reserviert. Ob die notwendige Finanzierungsvereinbarung auch unterschrieben ist, bleibt allerdings offen. Das Bundesverkehrsministerium teilt mit, man plane „dazu Ende Januar eine Veranstaltung“ und bitte bis dahin „noch um ein wenig Geduld“.

Kritiker des Vorhabens hatten noch im Dezember prognostiziert, dass die Pläne für den Tunnel nicht genehmigungsfähig seien. Sie pochen darauf, auf den Flughafenanschluss der Gäubahn zu verzichten und stattdessen die heutige Führung der Züge aus Richtung Schwarzwald, Bodensee und Schweiz beizubehalten und dafür einen Teil des Kopfbahnhofs in der Stuttgarter Innenstadt weiter zu betreiben.

Die Pläne der Bahn sehen hingegen vor, im weiteren Bauablauf von Stuttgart 21 die Gäubahnstrecke zwischen Nord- und Hauptbahnhof zu kappen. Reisende müssen dann bis zur Fertigstellung des Pfaffensteigtunnels – die Bahn nennt Ende 2032, die Kritiker bezweifeln diese Prognose – in Stuttgart-Vaihingen auf S- und Stadtbahnen umsteigen. Zuletzt war die Kappung das Jahr 2027 vorgesehen. Durch die abermalige Verschiebung der Stuttgart-21-Eröffnung dürfte sich aber auch dieser Zeitplan erledigt haben.

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Erstellt:
9. Januar 2026, 22:04 Uhr
Aktualisiert:
10. Januar 2026, 21:59 Uhr

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