Architekturpreis
„Häuser“-Award! Stuttgarter Architekt und sein preisgekrönter Haus-Umbau
Alten Häusern gehört die Zukunft, der internationale Häuser-Award zeigt das. Eine kernsanierte Doppelhaushälfte eines Stuttgarter Architekten ist ebenfalls unter den Preisträgern.
© Zooey Braun
Eines der europaweit besten Umbauprojekte findet sich in Gerlingen nahe Stuttgart. Der Stuttgarter Architekt Thilo Holzer ist dafür beim „Häuser“-Award ausgezeichnet worden.
Von Tomo Pavlovic
Hört man in die öffentlichen Debatten und Diskussionen zum Thema Sanierung und Umbau von Bestandsgebäuden hinein, könnte man tatsächlich den Eindruck gewinnen, dass in diesem Land quer durch die Bank Konsens herrscht. Wichtige Fragen des heutigen und des künftigen Bauens – vom Klimaschutz über die Baukultur bis hin zu drängenden Wohnraumproblemen – entscheiden sich nicht im Neubau, sondern im Umgang mit dem Bestand. So tönt es von Politikern, Architekten und Experten vom Bau. Klingt gut.
Zu teuer, zu kompliziert
Doch wenn es um die konsequente Umsetzung dieser wohlfeilen Sonntagsreden geht, heißt es gern mal im kommunalen Bereich: zu teuer, zu langwierig, zu komplex. Und erst die Brandschutzbestimmungen!
Umso lobenswerter sind die realisierten Projekte vieler privater Bauherrschaften, die vor allem in Deutschland zahllose bürokratische und finanzielle Hürden überwinden, um ein Wohnhaus vor dem Abriss zu bewahren. Was glücklicherweise nicht unbemerkt bleibt. Denn seit mehr als 20 Jahren zeichnet das Architektur- und Designmagazin „Häuser“ die besten Einfamilienhäuser aus, mit Unterstützung des Bundes deutscher Architektinnen und Architekten (bda).
Eine Fachjury mit bda-Präsidentin Susanne Wartzeck sichtete für den diesjährigen Award viele Einreichungen von gelungenen Umbauten und Sanierungen in ganz Europa. Den ersten Preis erhielt ein Bauernhaus in La Grange im Burgund. Der bekannte Pariser Industriedesigner Erwan Bouroullec erwarb das alte, heruntergekommene Gehöft und verwandelte es mit dem Architekturbüro LVA für sich und seine Familie in ein beeindruckendes Zuhause mit großen Gauben und Fenstern. Materialien, die beim Abbruch oder Rückbau anfielen, wurden teils an anderer Stelle wieder eingesetzt. Der Charakter des bäuerlichen Hofes blieb erhalten, das Rohe und Rustikale konnte sogar noch betont werden.
Schon bei dem Bouroullec-Projekt im ländlichen Raum Frankreichs wird exemplarisch gezeigt, worauf es künftig noch mehr als bisher in ganz Europa ankommen wird: auf die Wahrung der Baukultur. Es sind eben nicht nur die ökologischen Aspekte, die eine gewichtige Rolle bei der anvisierten Bauwende spielen. „Mit dem von der Bundesstiftung Baukultur eingeführten Begriff der goldenen Energie geht die Betrachtung noch weit darüber hinaus und bezieht auch die kulturellen, sozialen, emotionalen und gestalterischen Werte einer Bestandsimmobilie mit ein“, schreibt die Autorin Bettina Hintze in der Dokumentation zum „Häuser“-Award.
Gewinner-Projekte aus Gerlingen, Tübingen und Karlsruhe
Neben vier Preisen wurden 26 Projekte ausgezeichnet oder ausgewählt, wobei drei Umbauten aus baden-württembergischer Sicht erfreulich sind. Zum einen wird die interessante Transformation der Doppelscheune in Tübingen durch KO/OK Architektur besonders hervorgehoben. Dann gibt es eine Erwähnung eines sanierten Siedlungshauses aus den 60er Jahren (Haus M) in Karlsruhe durch den Architekten Thomas Fabrinsky.
Architekt Thilo Holzer aus Stuttgart erhält Award
Und auch der Stuttgarter Architekt Thilo Holzer kann seine überaus mutige Kernsanierung und Modernisierung einer Doppelhaushälfte aus den 50er Jahren in Gerlingen erfolgreich platzieren. Alle ausgezeichneten Projekte des „Häuser“-Awards sind nun in Bild und Wort in einem sehenswerten Band im Prestel-Verlag mit dem Titel „Häuser. Die besten Umbauten“ (260 Seiten, 65 Euro) erschienen.
© privat
Vorher-Zustand der Doppelhaushälfte in Gerlingen, die der Architekt Thilo Holzer umgebaut hat.
© Zooey Braun/holzerarchitekten
Blick in das Haus in Gerlingen, das der Stuttgarter Architekt Thilo Holzer umgebaut hat.
© Sebastian Schels
Beim „Häuser“-Award reüssiert hat auch die Scheune in Tübingen von KO/OK Architekten.
© privat
Die Tübinger Scheune vor dem Umbau.
© Sebastian Schels
So hell und einladend kann eine Scheune aussehen – Blick in das Umbauprojekt von KO/OK in Tübingen.
© Prestel Verlag
Neben den Projekten in Stuttgart und Tübingen, die wir auch schon in unserer Zeitung vorgestellt haben, finden sich in dem Buch „Häuser – Die besten Umbauten“ von Bettina Hintze, erschienen im Prestel-Verlag (260 Seiten, 300 Farbabbildungen, 65 Eur) 28 weitere gelungene Umbauprojekte in Europa.
© Philippe Thibault / Prestel Verlag
Blick in das umgebaute Haus La Grange im Burgund in Frankreich, das den ersten Preis gewonnen hat. Die Auszeichnung ging ans Büro LVA Le Dévéhat Vuarnesson Architectes.
© Marie Kreibich / Prestel Verlag
Den dritte Preis erhielten Keßler Plescher Architekten für einen Umbau eines Reihenhauses in Köln.
© José Hevia / Prestel Verlag
Raúl Sánchez Architects wird mit dem Interiorpreis geehrt – für ein Umbauprojekt eines Hauses aus dem 19. Jahrhundert im historischen Zentrum von Barcelona in Spanien.
