Bosch-Chef zu Arbeitszeiten

Hartung: „Reichen 40 Stunden in jeder Situation, um in der Welt mitzuhalten?“

Aus Sicht von Stefan Hartung sind hierzulande flexiblere Arbeitszeiten nötig. So äußert sich der Bosch-Chef in einem Interview zu dem Thema.

Stefan Hartung ist seit vier Jahren Bosch-Chef.

© Sven Hoppe/dpa

Stefan Hartung ist seit vier Jahren Bosch-Chef.

Von Rouven Spindler

Bosch-Chef Stefan Hartung hat sich für flexiblere Arbeitszeiten ausgesprochen. „Wir brauchen etwa mehr Freiräume bei den Arbeitszeiten, um in heißen Projektphasen möglichst schnell zu sein“, sagte der 59-Jährige in einem Interview mit der „Zeit“.

„In China erzählen die Kollegen: Wir arbeiten, wenn’s drauf ankommt, ‚996‘, von neun bis neun an sechs Tagen“, führte Hartung aus. „Da stellt sich für Deutschland schon die Frage: Reichen 40 Stunden in jeder Situation, um in der Welt mitzuhalten?“, ergänzte der Konzernchef.

Bosch-Chef Hartung: „Früher hat es gereicht, besser zu sein“

Zur Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sagte er: „Wir können es technologisch derzeit noch mit jedem aufnehmen, aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen, damit wir selbst erfolgreich kämpfen können“, so Hartung. Früher habe es gereicht, besser zu sein. „Heute müssen wir sehr viel besser und auch schneller als der Wettbewerb sein. Das erfordert harte Arbeit.“ Flexibilität und Kooperation seien entscheidend.

Bosch selbst hat allerdings im Rahmen des Sparprogramms die Wochenarbeitszeit vieler Beschäftigter reduziert. Im vergangenen Sommer wurde bekannt, dass der Konzern die Arbeitszeit für rund 600 Mitarbeiter an seinen Forschungsstandorten in Renningen und Hildesheim auf 35 Stunden senkt. Zuvor hatten die tariflich Beschäftigten aus dem Zentralbereich Corporate Research (Unternehmensforschung) 38 beziehungsweise 40 Stunden gearbeitet.

2024 hatte Bosch die Zahl der Wochenstunden bereits für rund 10 000 Mitarbeiter an verschiedenen Standorten – darunter Stuttgart-Feuerbach und Leonberg – zurückgeschraubt. Zudem wurde bei der Tochtergesellschaft Bosch Engineering die Arbeitszeit für 2300 Mitarbeiter in Abstatt (Kreis Heilbronn) und Umgebung schrittweise auf 36 Stunden reduziert.

Angesichts der Unterauslastung der Kapazitäten sieht Bosch in Arbeitszeitverkürzungen eine sozialverträgliche Alternative zu Entlassungen.

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Erstellt:
9. Januar 2026, 11:16 Uhr
Aktualisiert:
9. Januar 2026, 12:51 Uhr

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